Ophrys arachnitiformis
Ein paar kalte Nächte und ein wenig Hagel haben den Orchideen zugesetzt. Besonders gelitten hat die spinnenähnliche Ragwurz (Ophrys arachnitiformis). Alle Blüten, die sich schon Ende Februar öffneten, sind jetzt bien cuites:
Oder sie haben zumindest kleine Schäden – dafür manchmal Besuch von einem bestiole:

Aber nach den ersten Sonnenstrahlen öffnen sich jetzt schon wieder neue Knospen. Etwas zerzaust zuerst:

Und am nächsten Tag schon in voller Pracht:
Und hier blüht eine, die immer noch die (allerdings leeren) Samenkapseln vom Vorjahr im Rücken hat:
Wilde Orchideen
Jetzt hat der Frühling begonnen!
Er komme diesmal früher als in früheren Jahren, sagen alle. Und so bin ich seit einigen Tagen auf der Suche nach den ersten Orchideen. Gestern hab ich sie endlich gefunden, nur zwei Tage früher als letztes Jahr:
Hier eine „frisch geschlüpfte“ Ophrys lupercalis (braune Ragwurz) beim Aufblühen:
Diese Blüte sitzt am gleichen Stängel, ist wohl nur etwa zwei Tage älter.
In Orchideen-Fachsprache heisst das: Seiten- und Mittellappen sind etwas herabgeschlagen.
(= Gastbeitrag von Stephanie, wie immer, wenn es um Orchideen geht)
Orchidophilie
Es ist lange her, dass hier etwas über Orchideen zu lesen war, denn die schlafen zurzeit europaweit. Besser gesagt: sie bereiten sich in aller Stille vor für die nächste Saison. Und genau so halten es auch die Orchidofiles: Alle ordnen ihre Fotos, die sie während der letzten période floraison geknippst haben, und die Experten schreiben ihre wissenschaftlichen Artikel (Beispiel hierzu folgt). Und an verregneten Wochenenden treffen sich Laien und Experten auf diversen Internet-Foren zum Austausch ihrer Fragen/Erfahrungen/Meinungen. Diesmal ging es in über 30 mails um die Frage, ob wir die Spinnenragwurz unter dem Namen Ophrys sphegodes (gem. Miller) oder doch eher unter Ophrys aranifera (gem. Hudson) in unseren Dossiers führen sollen. Meine stundenlange Analyse aller mails sowie eine kleine Internet-Recherche hat ergeben, dass sich
1. die Experten in Frankreich nicht einig sind und
2. die Experten in Europa noch weniger.
Und so hab ich entschieden, meine bisherigen Sphegodes umzutaufen in Araniferas, was mir die Mehrheitsmeinung in Frankreich zu sein scheint, und auch weil es einfacher zu schreiben ist, und auch weil die Orchideenfreunde im Gers seit ein paar Monaten diesen Namen benutzen…… Der kleine Haken dabei ist nur, dass ich mit dieser Benennung nicht mehr kompatibel bin mit diversen deutschen und schweizerischen Orchideen-Clubs. Ich werde es überleben.
(= Gastbeitrag von Stephanie, wie immer, wenn es um Orchideen geht)
Und am Schluss noch dies: …Montag ist’s!
Psssst!
Die 32. Orchidee blüht jetzt – ganz bescheiden und leicht zu übersehen. Und trotz ihrer Bescheidenheit ist sie zurzeit die Ursache einer grossen Aufregung unter den Orchidophiles – unsere Orchideen-mailbox quillt über vor Warnungen: Ein deutsches pharmazeutisches Labor hat einen Orchideenpflücker beauftragt, ein Kilo Herbstwendelähren zu pflücken, um sie alsdann in ein homöopathischen Mitteli gegen Haut- und andere Beschwerden zu verarbeiten. Das Entsetzen unter den Orchideenfreunden ist gross. Um ihre Aufregung verstehen zu können, muss man wissen, dass richtige Orchideenfreunde niemals eine wilde Orchidee pflücken würden, dass sie die herrlichen Blumen über Jahre an ihren Standorten besuchen und fotografieren, sie vor allen Gefahren (Landwirten, Strassenbauern etc.) zu schützen versuchen und – dass die Herbstwendelähre (Spirantha spiralis) eine ganz kleine Pflanze ist, fast nur ein Gräslein mit kleinen Blüten, so dass man für ein Kilo „Rohmaterial“ etwa 200 Pflanzen vernichten müsste……
Deshalb hier nur ganz still und leise ein kleines Föteli von einer Herbstwendelähre. Es gibt da auf 70 ha verteilt noch einige mehr. Aber versucht es gar nicht erst, auch wenn sie gut bezahlt werden, ihr werdet sie niemals finden!
31.Orchidee: Mückenhändelwurz
Der Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea), der jetzt gerade noch aus dem hohen Gras leuchtet, ist für viele Wochen vermutlich die letzte Orchidee, die wir hier zeigen können (falls wir nicht doch plötzlich noch etwas Neues entdecken). Aus Erfahrung wissen wir aber, dass es hier nach Mitte Juni jeder Orchidee (und auch uns manchmal) ganz einfach zu trocken ist. Im September/Oktober kommt dann aber noch die Herbstwendelähre.
Zur Überbrückung der Durststrecke stellen wir 20 Bilder der Ophrys du Gers in die Fotogalerie (auf der rechten Seite des Bildschirms Kategorie Galerie: Orchidee du Gers). Zu beachten: die vielfältigen Zeichnungen auf der Lippe. Stephanie hat über 100 Ophrys du Gers fotografiert – keine ist gleich wie die andere!
Am oberen Bildrand ist ganz klein der Bauer zu sehen, der zurzeit nur Weg- und Heckenränder mähen darf, damit er ja keine Orchidee umhaut
Die Grösste
Die Orchideen-Saison wird sehr bald schon vorbei sein. Was wir heute noch bieten können, ist die Himantoglossum hircinum, die Bocksriemenzunge. Sie ist dieses Jahr gewaltiger denn je: bis zu 1m hoch. Und wenn man sie nicht sähe im eben so hohen Gras, riechen täte man sie sicher. Sie böckelet gewaltig, deshalb auch der Name.
Die Attraktivste
Die Hummelragwurz (Ophrys holoserica oder fuciflora) ist überaus attraktiv und fotogen. Früher recht verbreitet, ist sie leider heute nur noch an wenigen Orten im ganzen Alpenraum zu finden; nicht zuletzt auch deshalb, weil fanatische Orchideen-„Freunde“ sie aus lauter Begeisterung ausgegraben und in ihren Garten verpflanzt haben, wo sie dann elendiglich zugrunde gingen.
Deshalb hier noch mal der dringliche Appell: anschauen, bewundern und fotografieren, aber bitte nicht anfassen!
Wir haben uns also sehr gefreut, als wir vor zwei Jahren auf unserm Land gleich an drei verschiedenen Standorten einzelne dieser prächtigen Orchideen fanden und haben sie (die Fotos!) unter dem Namen „Hummelragwurz“ in unser Album geklebt. Inzwischen haben uns aber die Orchideen-ExpertInnen Südfrankreichs Neues gelehrt:
Was wir hier bei uns so sehr bewundern, ist zwar fast eine Hummelragwurz, aber nicht ganz, sondern eine Ophrys aegirtica. Und dafür gibt es keinen deutschen Namen.
Wir lassen hierzu Claire Lemouzy sprechen:
(Claire Lemouzy, cartographe des Orchidées du Gers pour la Société Française d’Orchidophilie)
Bonjour Stéphanie,
C’est Pierre Delforge, éminent orchidophile belge, qui a décrit l’Ophrys aegirtica dans le Gers (à Auterive) en 1996, comme une espèce différente d’Ophrys fuciflora : elle en diffère par qq différences morphologiques (dimensions) assez difficiles et discutables, par la période de floraison (tardive chez nous) et l’insecte pollinisateur. Suite à cette distinction, Ophrys aegirtica a été notée dans de nombreux départements du sud-ouest. Récemment, on s’est même aperçu qu’elle avait déjà été décrite avant Delforge, appelée Ophrys truncata (Dulac) (Cf le guide des Orchidées d’Aquitaine et celui de Rémi Souche) ; nous préférons, localement, continuer de l’appeler aegirtica ! Toutes nos Ophrys de type „fuciflora“ seraient donc des aegirtica (ou truncata), vu leur période de floraison.
Elles sont très variables de fleurs, et font parfois des hybrides avec scolopax et apifera !
Mais elles sont très photogéniques, on ne s’en lasse pas !
Amicalement, Claire
Kurz und gut: bei uns blüht also eine Orchidee, die sich nur in kleinen Details (Bestäuber, Zeitpunkt der Blühte) von der Hummelragwurz unterscheidet. Und weil sie von Mr. Delforge (dem Orchideen-Papst) 1996 in Auterive, das nur ein paar Kilometer von uns entfernt liegt, (wieder)entdeckt und beschrieben wurde, heisst diese Orchidee im allgemeinen Sprachgebrauch unter unsern französischen Orchideen-Experten Ophrys du GERS!
Schlechtes Wetter
53 mm Niederschläge in den letzten 3 Tagen…
Aber selbst am trübsten Tagen leuchten die Orchideen aus dem Gras. Hier ein Fuchs‘ Knabenkraut
Raritäten
Heute wäre eigentlich eine neue Orchidee fällig. Eine Ophrys, die jetzt gerade trotz oder dank Regen zahlreicher blüht als in früheren Jahren. Aber eben doch nur vereinzelt an drei Standorten und auch so unterschiedlich in Grösse und Farbe etc., dass eine klare Bestimmung auf Anhieb nicht einwandfrei möglich ist. So dass sich jetzt Stephanie neben der hiesigen botanischen Gesellschaft auch noch einer anderen Orchideen-Gruppe angeschlossen hat, um per mail noch vertiefter diskutieren zu können…. Es lohnt sich, das Ergebnis abzuwarten, handelt es sich doch um die Ophrys emblématique unserer Region. Darüber also später mehr. Und in der Zwischenzeit eine andere Rarität:
Siamesiache Zwilinge einer Ophrys scolopax



















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