Raritäten
Heute wäre eigentlich eine neue Orchidee fällig. Eine Ophrys, die jetzt gerade trotz oder dank Regen zahlreicher blüht als in früheren Jahren. Aber eben doch nur vereinzelt an drei Standorten und auch so unterschiedlich in Grösse und Farbe etc., dass eine klare Bestimmung auf Anhieb nicht einwandfrei möglich ist. So dass sich jetzt Stephanie neben der hiesigen botanischen Gesellschaft auch noch einer anderen Orchideen-Gruppe angeschlossen hat, um per mail noch vertiefter diskutieren zu können…. Es lohnt sich, das Ergebnis abzuwarten, handelt es sich doch um die Ophrys emblématique unserer Region. Darüber also später mehr. Und in der Zwischenzeit eine andere Rarität:
Siamesiache Zwilinge einer Ophrys scolopax
Knabenkraut
In der Natur ist es wie in der Politik: es gibt nicht nur schwarz oder weiss (bzw. rot oder braun). Die meisten Parteimitglieder wollen sich nicht immer und in allen politischen Fragen ihrer eigenen Gruppe total unterordnen, Und das führt dann innerhalb und ausserhalb der Parteien manchmal zu langen und manchmal zu fruchtbaren Diskussionen. Auch die Orchideen lassen sich nicht einfach immer in ein sauber beschriftetes Kästchen stecken. Und das führt dann zu langen Diskussionen zwischen Stephanie und der Association Botanique Gersoise. Das vorläufige Ergebnis dieser letzten Diskussion mit intensivem mail-Austausch unter den Mitgliedern ergab folgendes Ergebnis (provisorisch):
Nr. 26: Hier handelt es sich eindeutig um eine Dactylorhiza fuchsii (Fuchs‘ Knabenkraut)
Nr. 27: Das könnte eventuell eine Dactylorhiza maculata sein (geflecktes Knabenkraut). Vielleicht, oder eher wahrscheinlicher, ist es aber ein Zwischending zwischen D. fuchsii (hier sagen sie übrigens „fuschi“) und maculata.
Wen kümmerts? Hauptsache ist doch, sie sind beide wunderschön, oder?
Bienenragwurz, Orchidee Nr. 25
Und hier wieder mal eine Sexualtäuschblume: Die Lippe der hell- bis dunkelrosa (selten weiss) blühenden Ophrys apifera ist einer Biene nachgebildet. Sie braucht allerdings gar keine Biene mehr anzulocken um sich fortzupflanzen. Denn sie ist autonom und bestäubt sich selber. Hierfür gleiten die Pollinien schon sehr früh aus den Pollenfächern, die Stielchen krümmen sich und bringen den Pollen auf die Narbe.
Und was heute auch noch wichtig ist:
LE MONDE.FR : Dernière minute
vendredi 18 mai 2007
La composition du gouvernement de François Fillon a été annoncée
L’équipe gouvernementale comporte quinze ministres et quatre secrétaires d’Etat. Ont été nommés : Alain Juppé, ministre d’Etat, ministre de l’écologie, du développement et de l’aménagement durable ; Jean-Louis Borloo, ministre de l’économie, des finances et de l’emploi ; Michèle Alliot-Marie, ministre de l’intérieur, de l’outre-mer et des collectivités locales ; Bernard Kouchner, ministre des affaires étrangères et européennes ; Brice Hortefeux, ministre de l’immigration, de l’intégration, de l’identité nationale et du codéveloppement ; Rachida Dati, ministre de la justice ; Xavier Bertrand, ministre du travail, des relations sociales et de la solidarité ; Xavier Darcos, ministre de l’éducation nationale ; Valérie Pecresse, ministre de l’enseignement supérieur et de la recherche ; Hervé Morin, ministre de la défense ; Roselyne Bachelot, ministre de la santé, de la jeunesse et des sports ; Christine Boutin, ministre du logement et de la ville ; Christine Lagarde, ministre de l’agriculture et de la pêche ; Christine Albanel, ministre de la culture et de la communication, porte-parole du gouvernement ; Eric Woerth, ministre du budget, des comptes publics et de la fonction publique.
Erstmals hat Frankreich eine Landwirtschaftsministerin! Nach dem miserablen Minister Busserau kann es nur besser werden….
Wilde Orchideen
An den Südhängen ist sie schon verblüht, aber nordseitig und im Halbschatten der Eichenhaine leuchtet sie noch aus dem hohen Gras: die grüne Waldhyazinthe, Platanthera chloranta.
Sie hätte noch eine Schwester, nämlich die weisse Waldhyazinthe, die sich nur in ganz kleinen Details unterscheidet.
Nachdem sicher die halbe Schweiz den Artikel von Erwin Koch im letzten Magazin gelesen hat (Königin der Fensterbank) und jetzt alles über gezüchtete Orchideen weiss, können wir jetzt hier hemmungslos mit folgenden Details aufwarten:
Bei der grünen Waldhyazinthe treten die Pollinien unten breit auseinander und die Stielchen sind länger als die Pollenmasse. Bei der weissen Waldhyazinthe hingegen stehen die Pollinien eng beieinander, senkrecht und parallel, und die Stielchen sind kürzer als die Pollenmasse. Alles klar?
Wir suchen also weiter nach der weissen Hyazinthe und gehen hierfür vor jeder Pflanze in die Knie (es sind über Hundert bisher), schauen jeder Blüte tief in die Augen, stehen wieder auf und gehen zur nächsten Pflanze….. Das ersetzt den Fitness-Club.
Orchideen Nr. 22 und 23, Waldvögelein
Seit Ende April blühen die Waldvögelein.
Die bleichen Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) und die langblättrigen Waldvögelein (Cephalanthera longifolia)
Übrigens: ich habe jetzt für alle Orchideenfotos eine spezielle Kategorie „Orchideen“ geschaffen. Wenn du nur die Orchideen anschauen willst, kannst du auf der rechten Bildschirmseite die Kategorie „Orchideen“ anklicken. Viel Vergnügen!
Die Namenlose
Der Höhepunkt unserer Orchideensaison: die Namenlose!
Sie ist einzigartig im wahrsten Sinne des Wortes. Es gibt keine zweite wie sie, wenigstens nicht auf unsern Wiesen. Vermutlich handelt es sich um eine Hybride, d.h. eine Kreuzung von Eltern verschiedener Gattungen oder Arten. Wir nehmen an, es ist ein Artbastard von Ophrys insectifera und Ophrys scolopax.
Nachtrag: Am 08.05.2007 um 19:02 schrieb Association Botanique Gersoise:
Bonjour,
Oui, effectivement, je pense qu’il s’agit de l’hybride scolopax X insectifera ,
nommé Ophrys x nelsonii Contré & delamain 1964
Superbe !
Also, die Namenlose heisst Ophrys x nelsonii
20. Orchidee: Spitzorchis, Pyramidalis
Die ersten Spitzorchis blühen jetzt, noch vereinzelt zwar und nur in Südlage. In einer Woche wird die Weide hinter dem Haus aber rosarot leuchten, wie letztes Jahr. Und vielleicht befindet sich auch wieder ein Albino darunter….
Übrigens: im April hatten wir 22 228 Besucher (nein nicht auf dem Hof…) auf dem Auswandererblog, durchschnittlich 740 pro Tag. Weiterhin herzlich willkommen! Wir freuen uns auch über alle Kommentare!
Nicht vergessen: heute abend um 21:00 Uhr das TV-Duell zwischen Ségolène Royal ind Nicolas Sarkozy auf TF1!
Mannsknabenkraut
Erstaunlicherweise findet man die Orchis mascula im Gers kaum, obwohl sie in Frankreich und überhaupt in Europa sehr verbreitet sei. Vielleicht macht sie sich hier so rar, weil sie sauren Boden bevorzugt. Und vielleicht wurde bisher zu wenig intensiv gesucht. Wie auch immer: Stephanie hat in unseren Landes eine Stelle gefunden und jede Orchis mascula einzeln fotografiert: 27 Exemplare sind es bis heute, wenn wir uns nicht täuschen:
Orchidee Nr. 19, Orchis mascula, Mannsknabenkraut
Serapias
In der Gattung „Serapias“ gibt es ca. 10 bis 15 Arten und Unterarten. Nur drei davon wurden bisher im Gers gefunden. Auf unsern Weiden blühen alle drei: Serapias vomeracea in rauhen Mengen überall, Serapias lingua in einer kleinen Gruppe an einem einzigen Standort. Und den herzförmigen Zungenstendel gebe es gemäss örtlichen Orchideenkennern nur an drei Standorten… der unsrige ist ihnen noch nicht bekannt.
Orchis militaris
Nach dem „verrückten“ Affenknabenkraut, das von oben nach unten aufblüht, zeigt sich nun auch das Helmknabenkraut (Orchis militaris). Seinem Namen angemessen, erblüht es schön ordentlich von unten nach oben.
Deutlich zu sehen: Orchis simia blüht von oben nach unten.
Erstaunliche Spielereien der Natur!



















leave a comment