AUSWANDERERBLOG

Über Menschen

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Juli 8, 2021

Ich habe Juli Zehs neuen Roman „Über Menschen“ mit Vergnügen gelesen. Stadtflüchtling, Stadt-Land-Problematik, warum sind die Landbewohner so wie sie sind, gibt es den Dorfnazi, warum wählen die Dörfler mehrheitlich rechts, Fragen über Fragen, populär aufgearbeitet…

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2021

Nicht hellauf begeistert, aber doch mit Sympathie bespricht Rezensent Jörg Magenau diesen Folgeroman zu Juli Zehs sagenhaft erfolgreichem Roman „Unter Leuten“. Hier arbeitet die Autorin weniger mit Perspektivenwechseln, denn sie lässt hier eine Hauptperson zu, die vor Corona und ihrem Besserwisser-Freund, dem Klimaschützer Robert, mit Hund aufs Land flieht. Dass aus dem „Dorfnazi“ fast ein Freund wird, gefällt dem Kritiker durchaus, denn dass die Überwindung plakativer Zuschreibungen zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen Stadt und Land überhaupt nottut, findet auch er. Aber was sich daraus an Freundschaft und Wiedereingliederung ergibt, hält er dann wiederum für etwas „schlicht“ und geradezu märchenhaft. Immerhin gelingen der Autorin, so der freundlich-milde gestimmte Kritiker, immer wieder „wunderbar witzige und entlarvende Dialoge“- und entlarvt wird nicht selten die Besserwisserei der Städter.

Alle, ausser mir

Posted in Literatur by ruedibaumann on August 2, 2020

„Alle, ausser mir“ ist ein Roman von Francesca Melandri, ein epochaler Familienroman und eine Reise in die italienische Seele. Das Buch stand zehn Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Manchmal harte Kost, was da aufgetischt wird. Aber lesen Sie selbst.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.07.2018

Hier werden so „einige Lebenslügen Europas“ in die Luft gesprengt, freut sich voll Grimm Rezensentin Julia Schröder. In „Alle, außer mir“ widmet sich Francesca Melandri nämlich einem schmalen, unbeliebten und oft überblätterten Kapitel der italienischen Geschichte, erklärt Schröder: Dem Abessinienkrieg von 1935-36. Gnadenlos beschreibt sie anhand einer Familiengeschichte historische Tatsachen, vor denen viele gerne weiterhin die Augen verschließen würden. Sie erzählt von den Spätfolgen des Angriffs auf Äthiopien und schildert aktuelle Entwicklungen, die vor allem schockieren, weil die Parolen der Rechten von heute so sehr an damals erinnern. Melandris dritter Roman ist ein spannendes, hervorragend recherchiertes und politisch engagiertes Buch, lobt die Rezensentin. Dass Melandri insbesondere bei der Figurenentwicklung auf einige etwas abgeschmackte Stereotype zurückgreift, verzeiht sie ihr leicht.
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Vor dem Fest

Posted in Literatur by ruedibaumann on Juli 9, 2020

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.03.2014

Der Charme von Saša Stanišićs neuem Roman „Vor dem Fest“ ist eng mit seiner akribischen Recherchearbeit verbunden, berichtet Verena Auffermann. Ganze vier Jahre lang hat sich der Schriftsteller aus der bosnischen Provinz an die Bewohner eines ehemaligen DDR-Dorfs herangearbeitet, sie mit Ethnologenaugen beobachtet und mit besonderem Blick für das Unzeitgemäße, erklärt die Rezensentin. Das Ergebnis ist eine kunstvolle Sammlung von Geschichten über „die letzten nicht globalisierten Deutschen“, die von Stadtmenschen gerne für einen Mythos gehalten werden, die es im „Eldorado am flachen Saum des Wohlstands“ aber tatsächlich gibt, wie Auffermann versichert.
Ich bin begeistert von den Romanen von Sasa Stanisic (siehe auch „Herkunft“ in diesem Blog). Zugegeben, „Vor dem Fest“ ist stellenweise sehr anspruchsvoll, nicht ganz leicht zu lesen. Aber der leise Humor, das Komische, das Phantastische…. einfach einzigartig! Dranbleiben!
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Gelesen

Posted in Literatur by ruedibaumann on Juli 6, 2020

Der Erstlingsroman von Jasmin Schreiber “ Marianengraben“ landete gleich auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich meine zu recht!

https://www.jasmin-schreiber.de

»Eigentlich kann man gar kein Buch schreiben, das vom Sterben handelt, gleichzeitig sehr lustig und tieftraurig ist, sich aber anfühlt wie ein Roadmovie. Wie gesagt: eigentlich!« Sascha Lobo

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Pablo Neruda

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Mai 2, 2020

Ich habe in den letzten Tagen die Memoiren von Pablo_Neruda „Ich bekenne ich habe gelebt“ wiedergelesen.

Ein beeindruckendes Leben!

Ich erinnere mich an den Film „Il Postino“, an die Kontroversen um seine Ode an Stalin, an den Streit um seine Todesursache und um den Missbrauch einer Frau.  Pablo Neruda wurde 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Dichtung hat oder hatte in Chile Kultstatus. Er wurde verehrt und gehasst.

„Die Jahre vergehen. Man verbraucht sich, gedeiht, leidet und geniesst. Die Jahre nehmen und bringen einem das Leben. Die Abschiede werden häufiger, die Freunde kommen ins Gefängnis, werden wieder entlassen, sie fahren nach Europa, kehren zurück oder sterben einfach“.

(Textauszug, diktiert kurz vor seinem Tode 1973)

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HERKUNFT

Posted in Literatur by ruedibaumann on März 6, 2020

KLAPPENTEXT

„Herkunft“ ist ein Buch über meine Heimaten, in der Erinnerung und der Erfindung. Ein Buch über Sprache, Schwarzarbeit, die Stafette der Jugend und viele Sommer. Den Sommer, als mein Großvater meiner Großmutter beim Tanzen derart auf den Fuß trat, dass ich beinahe nie geboren worden wäre. Den Sommer, als ich fast ertrank. Den Sommer, in dem Angela Merkel die Grenzen öffnen ließ und der dem Sommer ähnlich war, als ich über viele Grenzen nach Deutschland floh. „Herkunft“  ist ein Abschied von meiner dementen Großmutter. Während ich Erinnerungen sammle, verliert sie ihre. „Herkunft“ ist traurig, weil Herkunft für mich zu tun hat mit dem, das nicht mehr zu haben ist.  In „Herkunft“ sprechen die Toten und die Schlangen, und meine Großtante Zagorka macht sich in die Sowjetunion auf, um Kosmonautin zu werden.
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Ich bin beeindruckt, sehr beeindruckt: „Eines der intelligentesten, geistsprühendsten und – nicht zuletzt – formal innovativsten Bücher dieses Frühjahrs. Eine echte Freude zu lesen!“
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Die schöne Fanny

Posted in Literatur, Uncategorized by ruedibaumann on Januar 19, 2020

Drei Künstler und Tagediebe stolpern in dieser tragikomischen Geschichte durch die neblige Kleinstadt: Jackpot, der erfolglose Schriftsteller, der auf Hunde und Pferde wettet und verzweifelt den roten Faden für seinen Roman sucht, und die beiden Maler Louis und Grunz, die das Leben und die Schönheit lieben.

Humorvoller, vergnüglicher Roman von Pedro Lenz. Spielt in Olten und Umgebung und ich frage mich, warum so viele gute Schriftsteller und Künstler aus der nebligen Jurasüdfussregion stammen? Neben Pedro Lenz, zum Beispiel Peter Bichsel, Alex Capus, Ernst Burren, Mike Müller…. Ist es der Nebel oder das Bahnhofbuffet Olten?

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Die letzte Terroristin

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on Januar 5, 2020

Ich bin kein Krimifan. Aber mit dem  Politikthriller von André Georgi habe ich eine Ausnahme gemacht. Es ist eine spannende Geschichte rund um die deutsche Treuhand, die dritte Generation der RAF und die dramatische Situation nach der Wende in Deutschland. Sehr gut geschrieben, spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Sehr lesenswert!

https://www.suhrkamp.de/buecher/die_letzte_terroristin-andre_georgi_46780.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Treuhandanstalt

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Robert Walser 1878-1956

Posted in Literatur, Uncategorized by ruedibaumann on August 26, 2019

Thomas Hirschhorns Robert-Walser-Sculpture in Biel ist ein einzigartiges Denkmal für den Dichter Robert Walser  –> https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Walser

 

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Der Reisende

Posted in Literatur, Politik by ruedibaumann on August 20, 2019

Der Roman „Der Reisende“ ist eine grosse Wiederentdeckung. Der Autor des Romans,  Ulrich Alexander Boschwitz starb bereits 1943, erst 27-jährig, bei einem deutschen U-Boot-Angriff. Das Buch wird erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Es geht um Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns jüdische Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land, versucht über die Grenze zu kommen. Er erlebt die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und immer mehr die eigene Angst.

Ein hochaktuelles Buch angesichts der heutigen rassistischen Töne, der Ausgrenzung von Flüchtlingen, der zunehmenden Verachtung von Andersdenkenden und der Verherrlichung von rechtsextremen Volkstribunen.

Wie konnte das damals geschehen? Warum hat sich die schweigende Mehrheit nicht gewehrt? Warum kann die grösste Partei der Schweiz ungestraft Naziparolen übernehmen? Haben wir aus den Jahren 1933-45 nichts gelernt?

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