Über Menschen
Ich habe Juli Zehs neuen Roman „Über Menschen“ mit Vergnügen gelesen. Stadtflüchtling, Stadt-Land-Problematik, warum sind die Landbewohner so wie sie sind, gibt es den Dorfnazi, warum wählen die Dörfler mehrheitlich rechts, Fragen über Fragen, populär aufgearbeitet…

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2021
Nicht hellauf begeistert, aber doch mit Sympathie bespricht Rezensent Jörg Magenau diesen Folgeroman zu Juli Zehs sagenhaft erfolgreichem Roman „Unter Leuten“. Hier arbeitet die Autorin weniger mit Perspektivenwechseln, denn sie lässt hier eine Hauptperson zu, die vor Corona und ihrem Besserwisser-Freund, dem Klimaschützer Robert, mit Hund aufs Land flieht. Dass aus dem „Dorfnazi“ fast ein Freund wird, gefällt dem Kritiker durchaus, denn dass die Überwindung plakativer Zuschreibungen zwischen Berlin und Brandenburg, zwischen Stadt und Land überhaupt nottut, findet auch er. Aber was sich daraus an Freundschaft und Wiedereingliederung ergibt, hält er dann wiederum für etwas „schlicht“ und geradezu märchenhaft. Immerhin gelingen der Autorin, so der freundlich-milde gestimmte Kritiker, immer wieder „wunderbar witzige und entlarvende Dialoge“- und entlarvt wird nicht selten die Besserwisserei der Städter.
Alle, ausser mir
„Alle, ausser mir“ ist ein Roman von Francesca Melandri, ein epochaler Familienroman und eine Reise in die italienische Seele. Das Buch stand zehn Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste. Manchmal harte Kost, was da aufgetischt wird. Aber lesen Sie selbst.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.07.2018
Vor dem Fest
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.03.2014
Der Charme von Saša Stanišićs neuem Roman „Vor dem Fest“ ist eng mit seiner akribischen Recherchearbeit verbunden, berichtet Verena Auffermann. Ganze vier Jahre lang hat sich der Schriftsteller aus der bosnischen Provinz an die Bewohner eines ehemaligen DDR-Dorfs herangearbeitet, sie mit Ethnologenaugen beobachtet und mit besonderem Blick für das Unzeitgemäße, erklärt die Rezensentin. Das Ergebnis ist eine kunstvolle Sammlung von Geschichten über „die letzten nicht globalisierten Deutschen“, die von Stadtmenschen gerne für einen Mythos gehalten werden, die es im „Eldorado am flachen Saum des Wohlstands“ aber tatsächlich gibt, wie Auffermann versichert.
Gelesen
Der Erstlingsroman von Jasmin Schreiber “ Marianengraben“ landete gleich auf der Spiegel-Bestsellerliste. Ich meine zu recht!
https://www.jasmin-schreiber.de
»Eigentlich kann man gar kein Buch schreiben, das vom Sterben handelt, gleichzeitig sehr lustig und tieftraurig ist, sich aber anfühlt wie ein Roadmovie. Wie gesagt: eigentlich!« Sascha Lobo
Pablo Neruda
Ich habe in den letzten Tagen die Memoiren von Pablo_Neruda „Ich bekenne ich habe gelebt“ wiedergelesen.
Ein beeindruckendes Leben!
Ich erinnere mich an den Film „Il Postino“, an die Kontroversen um seine Ode an Stalin, an den Streit um seine Todesursache und um den Missbrauch einer Frau. Pablo Neruda wurde 1971 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Seine Dichtung hat oder hatte in Chile Kultstatus. Er wurde verehrt und gehasst.
„Die Jahre vergehen. Man verbraucht sich, gedeiht, leidet und geniesst. Die Jahre nehmen und bringen einem das Leben. Die Abschiede werden häufiger, die Freunde kommen ins Gefängnis, werden wieder entlassen, sie fahren nach Europa, kehren zurück oder sterben einfach“.
(Textauszug, diktiert kurz vor seinem Tode 1973)
HERKUNFT
KLAPPENTEXT

Die schöne Fanny
Drei Künstler und Tagediebe stolpern in dieser tragikomischen Geschichte durch die neblige Kleinstadt: Jackpot, der erfolglose Schriftsteller, der auf Hunde und Pferde wettet und verzweifelt den roten Faden für seinen Roman sucht, und die beiden Maler Louis und Grunz, die das Leben und die Schönheit lieben.
Humorvoller, vergnüglicher Roman von Pedro Lenz. Spielt in Olten und Umgebung und ich frage mich, warum so viele gute Schriftsteller und Künstler aus der nebligen Jurasüdfussregion stammen? Neben Pedro Lenz, zum Beispiel Peter Bichsel, Alex Capus, Ernst Burren, Mike Müller…. Ist es der Nebel oder das Bahnhofbuffet Olten?
Die letzte Terroristin
Ich bin kein Krimifan. Aber mit dem Politikthriller von André Georgi habe ich eine Ausnahme gemacht. Es ist eine spannende Geschichte rund um die deutsche Treuhand, die dritte Generation der RAF und die dramatische Situation nach der Wende in Deutschland. Sehr gut geschrieben, spannend von der ersten bis zur letzten Seite! Sehr lesenswert!
https://www.suhrkamp.de/buecher/die_letzte_terroristin-andre_georgi_46780.html
Robert Walser 1878-1956
Thomas Hirschhorns Robert-Walser-Sculpture in Biel ist ein einzigartiges Denkmal für den Dichter Robert Walser –> https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Walser
Der Reisende
Der Roman „Der Reisende“ ist eine grosse Wiederentdeckung. Der Autor des Romans, Ulrich Alexander Boschwitz starb bereits 1943, erst 27-jährig, bei einem deutschen U-Boot-Angriff. Das Buch wird erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.
Es geht um Deutschland im November 1938. Otto Silbermanns jüdische Verwandte und Freunde sind verhaftet oder verschwunden. Er selbst versucht, unsichtbar zu bleiben, nimmt Zug um Zug, reist quer durchs Land, versucht über die Grenze zu kommen. Er erlebt die Gleichgültigkeit der Masse, das Mitleid einiger Weniger. Und immer mehr die eigene Angst.
Ein hochaktuelles Buch angesichts der heutigen rassistischen Töne, der Ausgrenzung von Flüchtlingen, der zunehmenden Verachtung von Andersdenkenden und der Verherrlichung von rechtsextremen Volkstribunen.
Wie konnte das damals geschehen? Warum hat sich die schweigende Mehrheit nicht gewehrt? Warum kann die grösste Partei der Schweiz ungestraft Naziparolen übernehmen? Haben wir aus den Jahren 1933-45 nichts gelernt?
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