Ku(h)ltur
Die Mutterkühe heissen Venus, Mia, Una, Utopia, Sepia, Zeina…. und es sind Angus und/oder Limousin Tiere. Der Muni heisst Barack und ist ein Aubrac-Stier. Die Kälber heissen Apu, Aurelia, Asterix, Ana, Artemis und Alain und sind alle auf dieser Weide geboren. Die Tiere werden ausschliesslich mit betriebseigenem Raufutter gefüttert (Weidegras im Sommer, Heu und Grassilage im Winter) und sind, soweit es die Witterung zulässt immer auf der Weide. Kraftfutter, Antibiotika oder Chemotherapeutika sind verboten! Die Tierhaltung erfüllt alle Anforderungen der bekannten Label (Bio-Knospe, Kontrollierte Freilandhaltung usw.).
Und das Wichtigste: mir und den Kühen gefällts!
Maschinenunterhalt
Mit dem Unterhalt der Maschinen und Geräte beginnt eigentlich schon das Bauernjahr 2009.
Verschleissteile auswechseln, Schäden beheben, Schrauben anziehen, Lager schmieren, Oel wechseln, Rost bekämpfen…. alles damit es in der nächsten Saison keine unliebsamen Pannen gibt!
Seltene Pflanzen
Jedes Jahr im Oktober findet in Ordan-Larroque der „Foire aux plantes rares“ statt. Das pitoreske Dorf im Gers ist auf einer kleinen Anhöhe schön gelegen und berühmt für seinen Blumenschmuck. Am Journée des plantes rares finden sich tausende Besucher ein, um Blumenzwiebeln, Bäume, Sträucher oder andere künstlerische Schmuckstücke für ihre Gärten zu kaufen. Présque tout le monde de la France rurale est jardinier passioné.
Gascogne Expo
Die Herbstmesse in Auch lebt von der Landwirtschaft. Landmaschinen, Nutztiere, Gerätschaften für Haus und Garten, Solarpanel und andere Dinge die in einer ländlichen Region eben im Vordergrund stehen, werden angeboten. Daneben viel ess- und trinkbares wie es zu einer Ausstellung gehört.
Neben Gastronomie, Agriculture, Artisanat findet dieses Jahr auch der Concurs national der Blonde d’Aquitaine, der berühmten einheimischen Rinderrasse statt. Mit heiligem Eifer werden vor viel Volk Kühe, Stiere und Jungtiere bewertet und mit farbigen Rosetten und Ehrenmeldungen ausgezeichnet. Viehschauen sind beliebt wie in der Schweiz und lassen offensichtlich nicht nur Züchterherzen höher schlagen.
Die Tiere auf unserer Weide haben zwar keine Auszeichnung vom Concurs national, das scheint sie aber ganz und gar nicht zu stören. Sie weiden friedlich in der Herbstsonne.
Zu Besuch bei…
… Helen und Max Bürgi auf ihrem schönen Hof Galaubas in Lannepax. Bürgis sind aus dem Kanton Aargau in die Gascogne ausgewandert und haben hier die 80 ha grosse Domaine Châteaux Galaubas übernommen. Auf dem Bio-Betrieb weiden 30 Red-Angus Mutterkühe und knapp zehn Hektaren Rebland sorgen für viel Arbeit aber auch für einen köstlichen Biowein!
In Kürze wird ein riesiges Solardach dafür sorgen, dass jährlich 17’000 KWh Solarstrom ins französische EDF-Netz fliesst.
Die Arbeiten an dem neuen, mit Solarpanels gedecktem Hangar sind in vollem Gange…
…. die neu gepflanzten Reben haben sich prächtig entwickelt…
… die Cabernet- und Merlot Trauben sind bald erntereif!
Übrigens: Bürgis verkaufen ihren Biowein und das Weidefleisch direkt ab Hof!
Feldforschung
Vor 45 Jahren habe ich mein erstes landwirtschaftliches Lehrjahr auf dem Hof von Marc Ansermet oberhalb des Genfersees, in der Gemeinde Chéserex absolviert. Ich habe die Familie vor zwei Jahren wieder mal besucht und hier darüber berichtet. Der Bauernhof, damals noch am Dorfrand gelegen, ist inzwischen vollständig von Neubauten umschlossen. Das hat auch dazu geführt, dass die Oekonomiebauten ausgesiedelt wurden und nun neu wieder auf freiem Feld stehen. Viel Landschaft und viel gutes Kulturland ist in dieser Zeit in der Schweiz verbaut worden. Ein Quadratmeter pro Sekunde…, was wenn das immer so weitergeht?
Chéserex, vom Bauerndorf zur teuren Villensiedlung…
Erinnerungen…
Ich habe 1965 während sechs Monaten als Praktikant auf einer Farm im Südwesten Englands gearbeitet. Und tatsächlich, ich habe Fernlea Farm in Devon, in der Nähe von Holsworthy beim herumsurfen auf Google-Earth gefunden! Damals in den 60er Jahren eine Farm mit Milchwirtschaft (40 Kühe, 60 ha), geführt von Tony und Jean Lacey. Ich war schon damals beeindruckt von dem arbeitssparenden, einfachen farming à l’anglaise.
Sehr viel scheint sich in den letzten 43 Jahren nicht verändert zu haben… aber vielleicht fahre ich demnächst mal an Ort und Stelle um alte Erinnerungen aufzufrischen…
Mehr über mein Englandjahr in meinem Buch„Bauernland“
Heimkino
Für alle die im Fernsehen nicht immer nur Fussball sehen mögen beginnt heute abend auf SF1 um 21:40 Uhr eine Doku-Serie mit alten Super-8-Filmen:
„Sie waren Bäckermeister, Pfarrer, Klimaingenieur, Landwirt, Kinderarzt oder Fotograf. In den 1930er- und 40er-Jahren leisteten sie sich ein aussergewöhnliches und teures Hobby: Sie filmten. Sie drehten mit kleinen und leichten Kameras im Schmalfilmformat. Sie waren Filmpioniere und Amateure, doch ihre Werke weisen überraschende inhaltliche und visuelle Qualitäten auf. Sie dokumentierten das Leben im Dorf und in der Stadt, den Alltag in der Fabrik, die Sorgen und Nöte der Kriegszeit, den Glamour der Highsociety, die Bergwelt und den aufkommenden Tourismus. Es sind Dokumente aus einer Zeit, in der die Schweiz rasante Veränderungen erlebte. Es sind nachdenkliche oder auch heitere Filme, die von Filmern gedreht wurden, die sich leidenschaftlich für das Zeitgeschehen interessierten.“
Ich bin überzeugt, das ist mindestens so spannend wie ein torloses Unentschieden zwischen Deutschland und Polen…..


















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