AUSWANDERERBLOG

Bauernland

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Februar 16, 2017

Kolumne im heutigen Bieler Tagblatt

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Einer unserer Urgrossväter hatte sieben Söhne und zwei Töchter. Jedem seiner Söhne konnte er selber als Landwirt und Müller in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts im Bernbiet oder im Waadtland einen Bauernhof kaufen (die Töchter gingen allerdings leer aus).

Tempi passati. Einen Bauernhof kaufen können in der Schweiz nur noch Baulandbauern oder Multimillionäre. Oder es gibt zufällig einen Hof in der Familie, den die Nachfolger zum Ertragswert übernehmen können. Kulturland (und natürlich auch Bauland) ist in der Schweiz sehr teuer geworden. Eine Hektare Bauernland kostet zwanzig mal mehr als in Frankreich!

Warum das so ist? Die einfache Antwort wäre: Es hat einfach zu wenig Land in der Schweiz. Die wahre Antwort aber ist, die Schweiz hat ein nicht funktionierendes bäuerliches Bodenrecht. Die hilflosen Massnahmen des Gesetzgebers, beispielsweise Kulturlandkäufe nur noch Selbstbewirtschaftern zu gestatten, oder Höchstpreisvorschriften zu erlassen, werden laufend umgangen. Transparenz ist im schweizerischen Landpoker ein Fremdwort. Kulturland kann in der Schweiz verkauft oder verpachtet werden, ohne dass die Anstösser etwas davon wissen! Das führt zu Zerstückelungen und zu langen Anfahrstwegen auf die Felder. Haben Sie sich nicht auch schon darüber geärgert, dass sich die grossen Traktoren und Landmaschinen in der Schweiz mehr auf den Strassen als auf den Feldern aufhalten?

Ganz anders in Frankreich.

Jeder Landverkauf oder jede Verpachtung muss öffentlich ausgeschrieben werden. Bei mehreren Interessenten kann eine öffentlich rechtliche Organisation (Safer) unter Beachtung einer Reihe von Kriterien dafür sorgen, dass das Bauernland zu vernünftigen Bedingungen weitergegeben wird.

Diese Gesetzgebung hat hierzulande dazu geführt, dass die Betriebsstrukturen vernünftig bleiben, keine extreme Parzellierung entsteht, keine teuren Güterzusammenlegungen notwendig sind und sich die Bodenpreise im engen Rahmen bewegen. Eine Hektare Kulturland kostet in Frankreich um die 5000 Euros, in der Schweiz über 100’000 Franken! Darum können in Frankreich auch junge Leute in die Landwirtschaft einsteigen, die keinen Hof und keinen Multimillionär in der Familie haben.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass nicht noch mehr Möchtegernbauern nach Frankreich auswandern. Schön wärs auch, wenn sich der schweizerische Gesetzgeber endlich etwas mehr am französischen Vorbild orientieren würde. Manchmal könnte man auch vom Nachbarn etwas lernen.

Ruedi und Stephanie Baumann

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2 Antworten

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  1. Werner Angerer said, on Februar 18, 2017 at 8:50 pm

    Liebe Baumanns,
    Ihnen scheint bezüglich des Grundstücksverkehrs in FR wohl etwas entgangen zu sein.
    Es gibt hier im Gers wohl mehr als ein Dutzend Betriebe die 500 ha überschreiten, einen 1100 ha Weinbaubetrieb( ! ) und auch einen 1800 ha Biobetrieb. Dieses Jahr schon wurde bei Auch ein 1000 ha Betrieb verkauft, für 12 Mio€ natürlich nicht an einen Bauern.

    Leider sind im Sozialismus eben einige immer etwas gleicher als andere.

    Die SAFER ist mit einem monopolartigen Vorkaufsrecht ausgestattet und hier wird getrickst ,geschoben und geschmiert was das Zeug hält. Googeln Sie doch mal “ Zanchetta+ Safer „, eins der absurdesten Beispiele für Begünstigung nur 25 km von Ihnen weg.
    Die hochgelobten “ Jeunes Agriculteurs“ die absolutes Vorrecht bei der Landvergabe haben, sind zu 90% Hoferben von Grossbetrieben ( die Kleinen finden gar keinen Nachfolger) , also eine Erweiterung durch die Hintertür. Dann wird auch noch die Ehefrau, die noch nie auf dem Traktor gesessen ist installiert und das Spiel geht weiter.
    Alte Leute und Erbengemeinschaften werden erpresst und für die Hälfte des Werts zum Verkauf genötigt, um das Land dann an die “ petits amis “ weiterzuschieben – alles selbst erlebt.
    Schlecht sieht es aber für den wachstumswilligen mittleren Betrieb aus, wenn er nicht über Vitamin B und auch politische Kontakte verfügt, noch schlechter wenn Sie dann noch Ausländer sind.

    Natürlich bin ich auch nicht dafür, dass Bauernland an Spekulanten verscherbelt wird, aber angesichts liberalisierter Märkte ( N+S- Amerika+ Osteuropa) frage ich mich ob Stillstand da die richtige Lösung für Frankreich ist.
    Und der kleine Biohof, wie er Ihnen vorschwebt ist eine Nische und wird es bleiben. Was passiert, wenn zu viele umstellen, sieht man an den Protesten derzeit weil die Bio-Subventionen nicht ausgezahlt werden.

    Grüsse aus dem Westen des Departements

    W.Angerer

    • ruedibaumann said, on Februar 19, 2017 at 7:39 am

      Lieber Werner Angerer
      Der Trend zu immer grösseren Betrieben ist offenbar ein weltweites Phänomen. Ich glaube nicht, dass man Betriebsvergrösserungen einfach der SAFER anlasten kann. Vom Fall Zanchetta aus dem Jahr 2013 habe ich seinerzeit in der Lokalpresse gehört. Schwer zu beurteilen, wer da nun Recht hat. Natürlich ist die Interessenlage zwischen Verkäufer (der möglichst viel lösen will) und Käufer (der einen günstigen Betrieb sucht) sehr unterschiedlich und ein Interessenausgleich schwierig.
      Wir haben jedenfalls bisher (auch als Ausländer) mit der SAFER keine schlechten Erfahrungen gemacht.
      Natürlich betrachten auch wir verschiedene politische Entwicklungen (gerade im laufenden Präsidentenwahlkampf) mit wachsender Sorge.
      Die Entwicklung des Biolandbaus in den 17 Jahren in denen wir jetzt in Frankreich bauern ist ganz erstaunlich.
      Dass viel dank hohen Umstellungsprämien erreicht wurde, lässt sich kaum wegdiskutieren.
      Mit freundlichen Grüssen
      Ruedi Baumann


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