AUSWANDERERBLOG

Von der Sarkomanie zur Sarkophobie

Posted in Politik by ruedibaumann on April 15, 2010

Nicolas Sarkozy macht schwere Zeiten durch. Seine Popularitätswerte sind am Boden und über sein Privatleben brodelt die Gerüchteküche. Die Regionalwahlen haben ihm und der regierenden UMP eine vernichtende Niederlage beschert und die Opposition beflügelt. Gleichzeitig erwachsen dem omnipräsenten Staatschef immer mehr ernst zu nehmende Gegenkandidaten aus dem eigenen Lager. 2012 stehen in Frankreich wiederum Präsidentschaftswahlen an und es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht eine Politgrösse mehr oder weniger verschlüsselt seine Ambitionen auf das höchste Staatsamt anmeldet.
Da ist mal der loyale Premierminister François Fillon, der immer im Schatten von Sarkozy steht und lange fast nicht wahrnehmbar war, aber bessere Umfragewerte verzeichnet als sein Chef.
Diese Woche hat sich auch Alain Juppé, der Bürgermeister von Bordeaux in Erinnerung gerufen: Fallls Sarkozy 2012 nicht wieder antreten würde, dann würde er sich zur Verfügung stellen…
Eine richtige Wahlkampagne gestartet hat inzwischen der ehemalige Premier Dominique de Villepin. Ehemals Konkurrent und inzwischen Erzfeind von Nicolas Sakozy, nachdem ihn dieser in der sog. Clearstream-Affäre (erfolglos) vor Gericht gezerrt hatte.
Da ist aber auch noch Jean-François Copé, Fraktionschef der UMP in der Nationalversammlung, der schon lange auf seine Gelegenheit wartet..

Aber auch die rot-grüne Opposition hat nach den erfolgreichen Regionalwahlen endlich wieder Fuss gefasst. Die Präsidentin der Sozialisten, Martine Aubry hat in den letzten Monaten stark an Profil gewonnen und die lange ratlose Linke wieder zu einem ernst zu nehmenden Politplayer in Frankreich gemacht. Neben ihr gibt es natürlich noch eine Reihe weiterer Elephanten bei der PS, die sich um das Staatspräsidium in Frankreich bewerben möchten: allen voran der weltgewandte Dominik Strauss-Kahn, zur Zeit Chef der Welthandelsorganisation WTO.
Die Linken planen zur Nominierung ihrer Kandidatin bzw. ihres Kandidaten sog. Primärwahlen beim Wahlvolk durchzuführen, ähnlich der Primärwahlen in den USA.
Offen ist noch, wer sich alles daran beteiligen darf: nur die Mitglieder des parti socialiste oder allenfalls die ganze links-grüne Bewegung.

Es fehlt also nicht an politischem Zündstoff in den nächsten zwei Jahren….

Le Monde 12.4.2010