AUSWANDERERBLOG

France – Suisse: match nul!

Posted in Politik by ruedibaumann on März 31, 2008

Seit sieben Jahren bauern wir nun schon in der Gascogne. Unser Hof liegt am End der Welt, verloren in den sanften Hügeln des Gers. Im Süden grüsst die verschneite Pyrenäenkette. Auf unsern Feldern wächst biologisches Getreide, Sonnenblumen, Bohnen und Luzerne. Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten bestimmen unsern Speisezettel und hoffentlich bald mal die Trauben vom eigenen Rebberg unsere Weinkarte. Die nächsten Nachbarn sind zwei Kilometer weit weg, die Gemeinde zählt 67 Seelen, zwei kaum je genutzte Kirchen, einen Pétanque-Platz und zwei Vereine: das Comité de Fête und die Société de chasse. Die nächste Bäckerei ist 12 Kilometer weit weg, die Post 15 und das nächste Städtchen 20 Kilometer. Nach Paris ist es von Bern aus weniger weit als von hier.
Verloren in der France rurale, könnte man denken. Aber weit gefehlt: wir fühlen uns am Nabel der Welt. Jeden Tag bringt uns la poste die „Le Monde“ auf die Ferme (service publique française!); wir empfangen hunderte von TV-Sendern (wenn wir wollen) und kommunizieren täglich per Internet. Immer noch verfolgen wir interessiert, was in der Schweiz passiert, und wir ertappen uns oft, dass wir Vergleiche anstellen.

Wer ist besser? Die Schweiz oder Frankreich?
Die schweizerische Administration ist effizient und verlässlich, die französische ist eher träge und undurchsichtig. Die französische Küche ist nicht besser als die schweizerische, aber bei der Gastfreundschaft liegt zweifelsfrei Frankreich vorn. Mit Handwerkern haben wir in beiden Ländern sowohl schlechte wie auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Gesundheitswesen in der Schweiz ist eindeutig teurer und luxuriöser als dasjenige in Frankreich, aber bisher sind wir hier immer gut versorgt worden, nur halt eben nicht so komfortabel und ein wenig billiger.
Irgendwie laufen unsere Vergleiche immer auf ein Unentschieden hinaus.

Europa
Seit einem Jahr sind wir dank einer vernünftigen europäischen Einbürgerungspolitik stolze Franzosen. Wir sind (wie könnte es anders sein?) interessiert an der französischen Politik und haben regen Anteil genommen an den Präsidentschaftswahlen, die leider nicht so ausgingen, wie wir uns das erhofft hatten. Es ergeht uns hier genau gleich wie bei Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz: wir stehen oft auf der Verliererseite. So hat uns zum Beispiel auch das französische Nein zur europäischen Verfassung masslos geärgert. Dieser Protest an der Urne richtete sich damals allerdings eher gegen die französische Regierung als gegen die Europäische Union. Denn hier wird die EU im Allgemeinen nicht als Übel oder gar als Bedrohung wahrgenommen, sondern als hoffnungsvolles Zukunftsprojekt. Frankreich will international weiterhin eine wichtige Rolle spielen und alle wissen, dass das nur dank einer engen europäischen Zusammenarbeit möglich ist. Am 1. Juli dieses Jahres wird Frankreich turnusgemäss für ein halbes Jahr die EU präsidieren. Und Sarkozy wäre nicht Sarkozy ,wenn er sich diese Chance der verstärkten Einflussnahme entgehen liesse. Er hat schon mal eine Reihe von Reformen angekündigt!
Angesagt ist unter anderem eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik, was unseren Alltag direkt beeinflussen wird (und wahrscheinlich auch den der Schweizer Bauern, nur dass es viele nicht wahrhaben wollen!).

EURO = Währung, Fussball oder was?
In Frankreich denkt man nicht an Fussball, wenn man Euro hört. Mit Euros bestreitet man hier sein Leben. Und im Südwesten ist Fussball ohnehin nur die zweitwichtigste Nebensache der Welt, die wichtigste ist… Rugby!

Bei grossen internationalen Events schalten aber auch die Gascogner kurz mal auf Fussball. Bei der letzten Fussball-WM haben wir die Spiele France-Suisse jeweils gemeinsam mit unseren französischen Freunden am TV verfolgt. Kuchen, Wein und das geselliges Beisammensein haben uns über die langweiligen Spiele hinweg getröstet: France – Suisse: match nul.
Fussballgott sei Dank sind Frankreich und Schweiz bei der Euro (= Fussball) nicht in der gleichen Gruppe – und im Final gibt es ja kein Unentschieden!

(geschrieben für die NEBS, Neue Europäische Bewegung Schweiz)

No Responses Yet

Subscribe to comments with RSS.

  1. mattebuur said, on März 31, 2008 at 11:52 am

    Vergleich mit Schweiz nicht möglich.Weil es die gar nicht gibt. Es gibt 26 Kleinstaaten, die ihre Unabhängigkeit bis zum geht nicht mehr strapazieren.Zürich Paradebeispiel einer SVP-Republik, wird anfangs Mai für einen Goldküstebonzen, einmal mehr Landwirtschaftsubventionen gutheissen. Für Flächen auf der Alpensüdseite, notabende, wie zu Zeiten der Landvögte. Rudolf Baumann begann ja seine Karriere auf der Berner Landwirtschaftsdirektion, als treuer SVPler. Er kennt die Mechanismen dieser Bananenrepubliken.

    Liken


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: