AUSWANDERERBLOG

Der befreite Bauer

Posted in Politik by ruedibaumann on November 23, 2006

Der Tagi schreibt:
„Avenir Suisse präsentierte heute vor den Medien in Bern seine neuste Buchpublikation mit dem Titel «Der befreite Bauer». Die Hauptthese des wirtschaftspolitischen Think Tanks ist, dass die heutigen Regulierungen in der Landwirtschaft den Strukturwandel bremsen und unternehmerische und innovative Bauern behindern. Auch die hohen Preise für Nahrungsmittel seien in der Schweiz wesentlich durch die Wettbewerbsbeschränkungen verursacht.

In der Schweiz flössen jährlich acht Prozent des Bundeshaushalts in die Landwirtschaft, obwohl diese nur 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmache, schreibt Avenir Suisse weiter.
Im Vergleich zu den Nachbarländern zeige sich ein Mangel an Wettbewerbsfähigkeit. Entsprechend häuften sich die Klagen von unternehmerischen Bauern und der verarbeitenden Industrie, weil die Marktchancen nicht ausgenützt werden könnten.
Neues System bei Direktzahlungen
Diese Situation sei für Produzenten, Konsumenten und für die Steuerzahler gleichermassen unbefriedigend. Um mehr Wettbewerb einzubringen, fordert Avenir Suisse unter anderem ein neues System bei den Direktzahlungen. Diese sollen abgebaut und die frei werdenden Mittel für multifunktionale Leistungen, wie die Landschaftspflege, eingesetzt werden. Die Subventionen sollen zudem weniger gleichförmig gestaltet sein und sich mehr an regionalen Bedürfnissen ausrichten.
Um die Nahrungsmittelpreise in der Schweiz zu senken, empfiehlt Avenir Suisse einen Abbau der Zölle und staatlichen Sondervorschriften. Ziel müsse ein umfassendes Freihandelsabkommen für den Agrarbereich mit der EU sein, schreiben die Autoren weiter.
Anstoss für grundsätzliche Diskussion

Damit die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Betriebe vergrössert werden könne, sei zusätzlich eine Reform des bäuerlichen Pacht- und Bodenrechts nötig. So soll die Preisbegrenzung auf dem Bodenmarkt aufgehoben und die Pachtdauern und Pachtzinsen liberalisiert werden. Damit sich die Bauern an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen könnten, schlägt Avenir Suisse eine Übergangsphase von zehn bis 15 Jahren vor.“

Soweit so gut. Der Abbau der Marktstützungen haben wir von der Kleinbauernvereinigung bereits in zwei Volksinitiativen (Kleinbauerninitiativen in den Jahren 1989 und 1995) gefordert. Leider wurden die Volksbegehren (knapp) abgelehnt, nicht zuletzt weil sämtliche bürgerliche Parteien damals die Nein-Parole verfochten haben.
Zum EU-Freihandelsabkommen für die Landwirtschaft: Ich habe nichts dagegen, aber warum nicht endlich den EU-Beitritt anstreben, liebe Leute vom bankengestützten Denkfabrikli! Ist etwa doch das lukrative aber nicht ganz lupenreine Bankgeheimnis schuld, dass ihr den EU-Beitritt nur für die armen Bauern fordert?
Natürlich sollten die Direktzahlungen für die Landschaftspflege und oekologische Massnahmen ausgerichtet werden und nicht inneffiziente Produktionen stützen. Zudem müssten Einkommen- und Vermögenslimiten die Zahlungen an Bauernmillionäre verhindern.
Völlig vergriffen habt ihr Städter euch mit der Forderung, das bäuerliche Boden und Pachtrecht aufzuheben. Damit wird nur erreicht, dass das ohnehin unheimlich aufparzellierte Agrarland in der Schweiz noch mehr verzettelt wird. Notwendig wäre ein effizientes Boden und Pachtrecht, das erlauben würde die Landwirtschaftsbetriebe auch in diesem Land zu arrondieren. Die Art und Weise wie das in Frankreich gehandhabt wird, könnte auch für Avenir Suisse ein Denkanstoss sein!

Bericht im Bieler Tagblatt und die Stellungnahme des Bauernverbandes

Und hier die Stellungnahme eines interessierten Urner Bergbauern

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  1. Urs Berner said, on November 23, 2006 at 12:31 pm

    Melde mich gerne auch wieder einmal zu Wort. Ich werde mit Interesse die Publikation von Avenir Suisse lesen. Ich bin auch der Meinung, dass es mutig wäre von Avenir Suisse den EU-Beitritt anzustreben. Weshalb scheut man diesen Weg wie der Teufel das Weihwasser?Dass es auf Seite der Bauern schwierig ist mit radikalen Lösungen, ist bekannt und damit muss man umgehen können. Bsp: Wenn ich heute eine Kuh besame, kann ich das Produkt davon erst in 3 bis 4 Jahren nutzen (Bei Kälber- oder Weidemast natürlich früher). Das heisst, dass man die auf langfristige Entwicklung ausgelegte Denkweise des Bauern nicht einfach umgehen kann. Erklären und argumentieren ist hier nötig.Apropos: Das DZ-System funktioniert und es gibt eben emotional gesehen keinen Grund, weshalb ich meinen kleinen BZ1-Betrieb mit wenig Schulden im Emmental aufgeben oder arrondieren müsste. Ich habe einen anständigen Nebenjob und kann mir das Bauern mit den Direktzahlungen prächtig leisten. Weshalb sollte ich also den mühsamen Weg wählen? Falls meine Kinder einmal nicht mehr am Samstag bauern wollen, können sie das dann selber entscheiden. Ob sie dafür die privilegierte Wohnsituation (finanziell und geographisch) aufgeben wollen, wird dann ebenfalls ihr Entscheid sein.

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  2. Plüss Heinz said, on November 23, 2006 at 4:36 pm

    Im heutigen Blog kommt das Wort „Landschaftspflege“ vor. Wäre es einmal möglich zu diesem Thema etwas erläuterndes zu sagen? Sind zB Rebberge, Maisfelder, bis auf 2500m Höhe üM glatt rasierte Berghänge usw. schön oder Landschaftspflege?

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