Es war einmal…
… ein kleines Bauerndorf, schön gelegen am Südfuss des La Dôle, mit grandioser Aussicht auf den Genfersee und Panoramablick auf den Mont Blanc: Chéserex —> https://de.wikipedia.org/wiki/Chéserex
Ich habe in Chéserex vor genau 60 Jahren auf dem grossen Hof Ansermet mein erstes landwirtschaftliches Lehrjahr (Burestifti) absolviert. Die Gemeinde Chéserex zählte damals etwa 250 Einwohner*innen. Auf der Ferme Ansermet waren neben dem Betriebsleiterehepaar, der Grossvater, ein Bruder, ein Melker, ein Knecht, eine Lehrtochter und ich als Stift beschäftigt. Im Stall standen 40 Simmenthaler Milchkühe. 45 Hektaren schöne Ackerböden wurden vielseitig bewirtschaftet.


Inzwischen ist einiges geschehen in Cheserex: die Einwohnerzahl hat sich verfünffacht (!). Chéserex zählt nun 1250 Einwohner*innen und ist zu der reichsten Gemeinde der Schweiz avanciert (höchster Steuerertrag pro Einwohner)! Zurückzuführen ist das auf reiche Zuzüger (u. a. Adecco Holding), extravagante Villenviertel stehen nun da, wo wir früher Kartoffeln gesetzt haben…
Der Hof Ansermet ist ausgesiedelt und wird nun als Mutterkuhhaltungsbetrieb geführt. Für das Gemeindehaus und die Dorfplatzgestaltung wurde die Gemeinde mit einem Architekturpreis ausgezeichnet.


Das alte Bauernhaus im Dorf steht zwar noch, aber die grosse Scheune und der Schweinestall mussten einem Mehrfamilienhaus Platz machen…

Durch die zahlreichen Baulandeinzonungen und -verkäufe sind wohl diverse Grundeigentümer sehr reich geworden.
Agri-PV (Photovoltaik auf Agrarflächen)

Ich halte Agri-PV als sinnvolle Möglichkeit, die Palette der erneuerbaren Energien auf geeigneten Flächen zu ergänzen.
Parlamente und Regierungen sind aufgefordert, die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen! Die Zeit drängt!
Marc et Lotti
Ich habe ihre Geschichte schon früher (2014) in diesem Blog erzählt. Sie produzieren biologischen Kräutertee, Sirup, wohlriechende Medikamente, alles von Hand, ohne Anschluss an die öffentliche Energieversorgung. Das französische Fernsehen hat schon vor Jahren einen schönen Film über die jungen Schweizer Selbstversorger gemacht –> http://dai.ly/x5sqad
Neuerdings geben sie auch Kurse für den biologischen Kräuter- und Gemüseanbau. Und sie machen Musik! Schreiben Kurzgeschichten!
Bauernmuseum
Seit etwa 12’000 Jahren wird Landwirtschaft betrieben. Vorher lebten die Menschen bekanntlich als Jäger und Sammler. –> https://de.wikipedia.org/wiki/Landwirtschaft
Was mich immer wieder erstaunt ist, dass in dieser Zeit während rund 11’900 Jahren die landwirtschaftliche Tätigkeit mehr oder weniger gleich blieb: es wurde von Hand gearbeitet! Natürlich gab es einfachste Werkzeuge wie Messer, Hacken, Gabeln, oder man verwendete erste Zugtiere. Aber die Tätigkeit als Bauer oder Bäuerin blieb Handarbeit.
Geändert hat sich das schwergewichtig erst in den letzten hundert Jahren!

Dieses Bild stammt aus dem Musee paysan in Simorre in SW-Frankreich, aufgenommen vor etwa hundert Jahren. Kühe und Ochsen ziehen eine Lieuse, sprich Bindemäher.
Vor bald 70 Jahren (bis 1965) habe ich persönlich auf der Lieuse meines Grossvaters in Suberg mit der Mechanisierung der Landwirtschaft angefangen….
Inzwischen wurde die Landwirtschaft mehr und mehr industriealisiert, die Bedienung der Maschinen digitalisiert. Traktoren und Vollernter werden immer grösser und schwerer, aber so revolutionär wie in den letzten hundert Jahren wird sich die Landwirtschaft kaum mehr verändern.
Ob das gut oder schlecht ist? Im Jahr 2122 werden „wir“ es wissen….. 😇
Simorre

Simorre https://de.wikipedia.org/wiki/Simorre ist eine Geimeinde im Gers, SW-Frankreich. Ein okzitanisches Dorf wie im Bilderbuch. Viele historische Bauten, idyllische Plätze, eine grosse Kathedrale aus rotem Backstein, ein genossenschaftliches Restaurant (Bouche à l’Oreille, BOA) mit regelmässigen Konzerten und kulturellen Veranstaltungen, ein kleines Musee paysan.





Ein Dorf in der Gascogne
Die Gemeinde Biran https://de.wikipedia.org/wiki/Biran hatte 1831 noch 1339 Einwohner. Jetzt sind es noch 384.


Viele gut erhaltene historische Bauten, Türme, Kirche, Schloss…. aber immer weniger Einwohner!

Die jungen Leute wandern in die Städte ab (Toulouse), die Landwirtschaft brauch immer weniger Arbeitskräfte.
Bauern mit Klimaproblemen

Unser Nachbar hat auf seinem Feld (15 ha) heute Winterweizen gesät, in der Hoffnung, dass im November oder Dezember doch endlich etwas Regen fällt, weil sich diese leichte Hanglage nicht bewässern lässt. Seit 5 Monaten gab es praktisch keine Niederschläge. Die Vorfrucht (Sonnenblumen) hat infolge der extremen Trockenheit nicht gekeimt. Ertrag 2022 gleich null!
Gleiche Kalamität mit der Rapssaat: 50 Hektaren im September gesät und jetzt schon Totalausfall! Nur die tiefwurzelnde Luzerne übersteht die Trockenperiode. In unseren 22 Jahren Landwirtschaft hier in Südwestfrankreich haben wir das noch nie erlebt!

Les Abattoirs de Toulouse
Das Museum für moderne Kunst in Toulouse https://www.lesabattoirs.org/en/homepage/ ist regelmässig auf unserem Besuchsprogramm. Zurzeit ist die Hauptausstellung Niki de Saint Phalle gewidmet. Mich erstaunt immer wieder, wie hier in Frankreich Museumsbesucher*innen bei grossem Andrang geduldig Schlange stehen mögen…



Verwirrte Natur
Die Spätfröste im April haben jewils dafür gesorgt, dass die Traubenernte im letzten und in diesem Jahr fast ganz ausfielen. Ein Hagelschlag im September besorgte den Rest. Gleich ging es mit der Nussernte, null Ertrag in zwei Jahren! Jetzt ist es sehr trocken. Ausser dem besagten Gewitter im September (30 mm Niederschlag) hat es in den vergangenen drei Monaten nie geregnet. Gestern war es trotz bedecktem Himmel und viel Wind 26°C….
Kein Wunder, dass die Reben jetzt wieder ausschlagen wie im Frühling! Auch die Neflesbäume (Mispeln) blühen wie einst im Mai und die Hummeln und Bienen machen ihre Arbeit als gäbe es keine Klimakrise.
Ernte im Januar?



Nur die tief wurzelnde Luzerne wächst noch…



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