Coup de foudre – Blitzschlag
Es hat fürchterlich gekracht gestern Nachmittag: ein Blitz hat direkt neben unserem Haus in den Strommasten eingeschlagen und hat erhebliche Schäden angerichtet:
4 Stunden Stromausfall in der ganzen Region
Telefonleitung stumm
Transformer am Strommasten kaputt
unsere eben neu montierten Stromzähler verbrannt
Funktelefon kaputt
Satellitenempfänger für Radio und TV zerstört
Kochherd kaputt
dLan Ethernet gegrillt
Wifi-Box für Internet kaputt…
Glücklicherweise hat die Solaranlage keinen Schaden genommen!
Die EDF-Monteure haben innert vier Stunden die Stromleitung provisorisch retabliert, das Telefon funktioniert seit heute Abend wieder.
Für den Internetempfang habe ich heute einen als@tis-Empfänger montiert, der von einer Nachbargemeinde alimentiert wird…
Im nahen Städchen haben wir heute diverse elektronische Geräte ausgetauscht, neu bestellt oder gekauft. Jetzt muss alles wieder neu konfiguriert, angepasst und programmiert werden…Ufff!
Wetten dass die Versicherung genau diese Schäden im Kleingedruckten ausgeschlossen hat…
Solarstrom
Unsere Solaranlage funktioniert gut! In den ersten 18 Tagen haben wir 1050 kWh Solarstrom ins EDF-Netz eingespiesen, durchschnittlich 58 kWh/Tag. Bei einem Strompreis von 60 cents/kWh (Einspeiseverfügung) gibt das einen Juli-Tagesertrag von rund 35 €/Tag.
Unsere Rentabilitätsrechnung sieht einen Jahresertrag von 12 000 kWh, bzw. von 7200 € vor.
Die prognostizierten Juli-Tageserträge von 48 kWh/Tag haben wir damit deutlich übertroffen!
Mit Blick auf die Amortisationsdauer von rund 10 Jahren ein gutes Gefühl…
Huttigödu
In Frankreich gibt es in jedem Dorf ein Soldatendenkmal („Mort pour la France“). Da wir in der Schweiz glücklicherweise von den zwei Weltkriegen verschont blieben, sind hierzulande entsprechende Gedenkstätten viel seltener.
Immerhin haben Aktivdienstveteranen aus dem Seeland in der Hutti in Lyss nach dem zweiten Weltkrieg ein Denkmal errichten lassen, das an diese Dienstzeit erinnern soll.
Warum es gerade ein behelmter, bewaffneter, nackter Soldat sein musste, konnte mir niemand sagen. Im Volksmund ist es einfach der „Huttigödu“und der Platz hoch über Lyss war früher ein beliebtes Ziel für unsere Sonntagsspaziergänge.
Wir verabschieden uns hiermit wieder aus der Schweiz (rechtzeitig vor dem Nationalfeiertag) und sagen au revoir en France!
Grauschnäpper begleiten uns
Vor dem Küchenfenster in Frankreich…
… und vor dem Küchenfenster in der Schweiz
Übrigens: sie tönen hier und ennet der Grenze genau gleich!
Bern, Bärengraben
Ich habe viel darüber gehört, über die jungen Bären aus Russland, die Bauprobleme, die Sicherheitsfragen, die Kostenüberschreitungen usw.. Eigentlich ist es ja kein Graben mehr sondern ein zur Zeit noch ziemlich hässliches Aarebord (BärenPark Bern). Aber vielleicht gelingt es doch noch, Bäume zu pflanzen, die den Kletterübungen der Braunbären standhalten.
Mir gefällt der Aarelauf besser als das Bärengehege.
Hochwasserschutz Entlastungsstollen
Nicht nur am Gotthard, auch am Lyssbach Entlastungsstollen wird eifrig gebohrt. Bis im nächsten Jahr entsteht in der Gemeinde Lyss zwischen dem Leen und der Fulenmatt ein 2570 m langer Tunnel mit einem Durchmesser von 4,4 m. Damit sollen die zerstörerischen Überschwemmungen, die in den letzten Jahren immer wieder grosse Schäden verursacht haben, verhindert werden.
Das 60-Millionenprojekt hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: unser Hof Inselmatt in Suberg ist weiterhin überschwemmungsgefährdet: der Stollen entlastet nur Lyss, nicht aber die Dörfer am Oberlauf des Lyssbachs…. So sah es auf unserem Hof vor drei Jahren aus…
Sanfte Lösungen, bei denen allfällige Hochwasser überall an den Zuflüssen auf Landwirtschaftsflächen abgeleitet worden wären, seien zwar geprüft, aber als nicht realisierbar eingestuft worden. Schade, das nächste Hochwasser kommt bestimmt…
Wohlstandsmüll
Zügeln, Estrich entrümpeln, aufräumen… unglaublich was sich im Laufe einer Generation für Wohlstandsmüll ansammelt! Ob die Brockenstube dafür noch Abnehmer findet?
Günstig, billig, gratis abzugeben: alte Türen, Stabellen, Schäfte, Maschendraht, Riemenscheiben aus Holz, Velo, Skischuhe, Schlöf und, und, und…
Liebe Erstaugustredner
MARTIN BÜHLER
„Liebe Augustredner!
Noch dreimal schlafen. Dann noch drei Nächte, in denen Sie von Lampenfieber geschüttelt im schweissgetränkten Pyjama wach liegen. Und dann ist Sonntag, der 1. August. Der Tag Ihres grossen Auftrittes.
Ärgern Sie sich nicht darüber, dass Sie nur die Nummer 8 auf der Kandidatenliste des Organisationskomitees der Bundesfeier waren.
Die ersten sieben hatten schlicht die bessere Ausrede. Nein, stimmen Sie sich positiv ein! Nehmen Sie sich zum Beispiel vor, die beste Augustrede der Welt zu halten. Wenn Sie diese Absicht publik machen, ernten Sie zwar Häme. Aber Telebielingue, Canal 3 und das BT sowieso werden den Fokus auf Sie richten, ob Sie nun in Golaten, Epsach oder Türmliwil auftreten. Vielleicht kommt sogar Schweiz aktuell.
Der erste Eindruck ist entscheidend. Legen Sie also Sorgfalt in die Begrüssung. Liebi Froue, Manne u Chind! Dann die Gemeinderäte und -innen, falls diese nicht in Florida oder Rimini brutzeln. Den Pfarrer und die Lehrerin können Sie unter «Froue u Manne» abbuchen. Das war früher anders. Wichtig: Vergessen Sie die Burkaträgerin in der dritten Reihe rechts nicht. «As-salâ-mu aleikum, Burkina!» Unter dem schwarzen Tuch könnte sich Ihre Schulfreundin Vreni Krähenbühl verbergen, die nun beim Islamischen Zentralrat die Protokolle schreibt.
Das mit der Begrüssung hätten wir also. Im übrigen feiern wir den 719. Geburtstag der Eidgenossenschaft. Aber bitte rechnen Sie nochmals nach.
Nun zur Rede. Wenn Sie nicht in Teufels Küche kommen wollen, vermeiden Sie a) Humor, den versteht in der Schweiz niemand, und b) aktuelle Themen. Kritik am Bundesrat ist insofern überflüssig, als wir seit 1848 permanent den schlechtesten Bundesrat aller Zeiten haben. Verlangen Sie nicht den Rücktritt von Merz, sonst grüsst Sie der örtliche FDP-Präsident in der Chäsi nicht mehr. Verzichten Sie auf jegliche Medienkritik. Sowas mögen die Schreiberlinge nicht. Bezeichnen Sie Ghadhafi nicht als Spinner, sonst bekommen Sie an der Tamoil-Tankstelle kein Benzin mehr. Nichts über das Burkaverbot. Vreni unter dem schwarzen Tuch würde das gleich notieren, und dann Gnad Ihnen Allah. Nichts gegen die Deutschen. Die sind an der WM immerhin Dritte geworden, während wir nach dem dritten Spiel – aber lassen wir das. Uns hat nicht mal ein deutscher Trainer geholfen.
Nichts über Landwirtschaftspolitik, nichts über Gesundheitspolitik, nichts für oder gegen neue Kampfflugzeuge, nichts über Abzocker. Kurz: Nichts über Themen, welche die Froue u Manne von Türmliwil getrost denen in Bern oben überlassen sollten.
Nun haben wir also die Begrüssung und die Liste der Tabuthemen. Bleibt der Schluss. Der muss fulminant sein, mitreissend, zukunftsweisend, yes we can, applausverlängernd. Er kann darüber entscheiden, ob man Sie im Nachbardorf auf die provisorische Rednerliste für 2011 setzt. Der Schluss ist das, was bleibt – bis die Dorfmusik den Schweizerpsalm bläst.
Wenn Sie nun meinen, all diese gut gemeinten Tipps seien auf meinem Mist und auf meiner Erfahrung als siebenfacher Augustredner gewachsen, dann muss ich Sie korrigieren. Es war der begnadete Redner Winston Churchill (ja, der vom Blut, vom Schweiss und von den Tränen), der gesagt hat: «Eine gute Rede hat einen Anfang und ein Ende. Was dazwischen liegt, sollte möglichst kurz sein.»
Diesen Dazwischenteil kann ich Ihnen nicht auch noch schreiben, Sie sind ja die Rednerin, der Redner, und nicht ich. Aber Sie haben ja noch eine Woche Zeit. Fast.“
Martin Bühler im Bieler Tagblatt vom 26.7.2010













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