Schweizer Bauer
Der „Schweizer Bauer“ ist eine der landwirtschaftlichen Fachzeitschriften Helvetiens. Bodenständig, bürgerlich, Publikationsorgan für Viehschauen und Flurbegehungen… und natürlich wie die Bevölkerungsmehrheit sehr EU-kritisch.
Esther Bravin hat mir ein paar Fragen gestellt:
Schweizerbauer: Warum sind Sie nach Frankreich ausgewandert?
Ruedi Baumann: Aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Meine Frau und ich waren beide im Parlament. Nach zwölf Jahre haben wir uns entschlossen, zurückzutreten (ich hasse Sesselkleber)! In der Zwischenzeit hatten wir unseren Hof unserem Sohn abgetreten. Für mich als Linker wäre es schwierig gewesen, wieder eine Stelle als Agronom zu bekommen. Zuerst versuchten wir erfolglos in der Schweiz einen Betrieb zu pachten. Dann haben wir nach vierjähriger Suche in der Gascogne im Südwesten Frankreichs eine Ferme gefunden. Rein agronomisch ist die Lage nicht optimal, es ist hügelig, die Böden sind tonreich, hart, trocken und es ist heiss. Zum bewässern müssten wir zuerst einen See anlegen. Aber der Hof hat viel Charme, tausende von wilden Orchideen, bietet viel Lebensqualität. Natürlich vermissen wir Kinder und Freunde.
S.B: Sie schreiben täglich in Ihrem Auswanderblog. Warum?
R.B: Ich setze mich mit der Umgebung in Frankreich auseinander. Mit dem Blog behalte ich aber auch viele Kontakt zur Schweiz, selbst mit damaligen politischen Gegnern. Mein Auswandererblog (http:auswandererblog.blueblog.ch) wird täglich von 1500 Leuten besucht und vernetzt Bauern auf der ganzen Welt die an Bildern und Texten von ennet der Grenze interessiert sind.
S.B: Was ist in Frankreich gleich wie in der Schweiz?
R.B: Die komplizierte Bürokratie ist gleich, auch die landwirtschaftliche Politik ist ähnlich. Es gibt zu viele Massnahmen, die wenig Wirkung haben.
S.B: Was ist in Frankreich besser?
R.B: Die Europäische Union ist viel transparenter. Beispielsweise sind Informationen zu den ausbezahlten Direktzahlungen frei zugänglich. Alle können jederzeit auf dem Internet nachschauen, wer wie viel Direktzahlungen erhält. Hier in der Schweiz gibt es viel Geheimniskrämerei. Frankreich hat auch eine perfekte Bodenpolitik. Der Kauf von Agrarboden ist in Frankreich staatlich reguliert. Jeder verkaufte Parzelle muss öffentlich publiziert werden, und jeder kann sich bewerben. Gibt es mehrere Bewerber, entscheidet eine staatliche Kommission nach vernünftigen Kriterien. In Frankreich gibt es vier Bauernverbände, politisch von rechts bis links. Die Delegierten werden mittels Urnenwahlen demokratisch gewählt, anders als in der Schweiz. Auch die Lebensqualität als Bauer ist in Frankreich besser. Zurzeit gehören wir mit unseren 70 ha zu den mittelgrossen Bauernbetrieben der Region und geniesse die Weite. Wenn ich in Genf über die Grenze fahre, habe ich jedes Mal das Gefühl, dass ich die Enge der Schweiz hinter mir lasse. Beim Zurückkommen sehe ich, dass die Schweiz immer mehr verbaut wird. Die schönste Agrarfläche im Mittelland wird noch stärker von Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben beansprucht. Das ist ein Stich ins Herz jedes Bauers.
S.B: Welche Vorteile haben Schweizer Produzenten?
Höhere Direktzahlungen, aber natürlich auch höhere Kosten. Landpreise sind in der Schweiz viel höher. Ich habe in Frankreich 5’000 Euro für eine Hektare bezahlt, in der Schweiz kostet sie rund 100’000 Franken. Ohne elterlichen Betrieb oder Millionenvermögen ist es in der Schweiz unmöglich, Bauer zu werden. In Frankreich sorgt der Staat dafür, dass Bauernhöfe auch an Junglandwirte gehen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. Wegen der Kleinräumigkeit der Schweiz sind die Nebenerwerbsmöglichkeiten allerdings in der Schweiz leichter zugänglich.
S.B Wie könnte die Situation der Schweizer Landwirtschaft verbessert werden?
R.B: Ich bleibe bei meiner früheren Meinung: mit der Initiative der Kleinbauervereinigung. Das Direktzahlungssystem sollte grundsätzlich vereinfacht werden. Nur ökologische Direktzahlungen sind gerechtfertigt und sie müssen auf eine maximale Höhe pro Betrieb limitiert werden werden. Dazu braucht es Einkommens- und Vermögensgrenzen bei der Gewährung von staatlichen Zuschüssen. Das andere wäre eine Bodenpolitik, die diesen Namen verdient. Es sollte nicht möglich sein, derart hohe Gewinne mit Umzonung zu machen. In der EU läuft der gängige Pachtvertrag mindestens 18 Jahre.
S.R: Wie könnte die Agrarpolitik die Landwirtschaft besser fördern?
R.B: Die Schweiz ist in einer EU-politischen Sackgasse, wir haben den Beitritt verpasst. Die Schweiz kann nicht mitbestimmen nur noch nachvollziehen und allenfalls zahlen. Die EU entwickelt sich weiter und die Schweiz hat ihren früheren Vorsprung im Biolandbau und bei den Solardächern längst eingebüsst.
S.B: Was sollte die Schweizer Agrarpolitik von der EU übernehmen?
R.B: Eigentlich alles. Der Freihandelsabkommen mit der EU ist keine Lösung, vielleicht ist es ein erster Schritt zum längst fälligen EU-Beitritt. Die Schweiz sollte der EU beitreten, ihr Regierungssystem reformieren und die wertvollen direktdemokratischen Elemente in Europa einbringen.
S.B Fühlen Sie sich in Frankreich integriert?
R.B: Ja, sehr. Alle sind zuvorkommend und freundlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Schweiz ein Auslandbauer gleich willkommen wäre. Ich erlebe die Leute als wahnsinnig positiv. Das Dorffest in unserer kleinen Gemeinde mit 60 Einwohnern versammelt jeweils 150 Leute. Wir essen und trinken zusammen an grossen Tischen unter freiem Himmel, wie bei Asterix und Obelix.
Gartenwirtschaften
Diese Hitzetage verbringt man am besten in einer Gartenwirtschaft an der Aare. Unser Favorit ist das Restaurant Schloss Reichenbach in der Gemeinde Zollikofen. Die Aare kann man hier mit der Reichenbachfähre überqueren.
Tischnachbarn aus Berlin sind erstaunt, dass es entlang diesem herrlichen Fluss nur so wenige Gartenbeizen gibt. Wir eigentlich auch!
Noch schöner als in der Gartenwirtschaft zu sitzen, ist das Schwimmen in der Aare. Zum Beispiel im Berner Marzili, in Radelfingen oder in Aarberg.
Chutzenturm
Der Chutzenturm steht im Frienisbergerwald, Gemeinde Seedorf, Kanton Bern, Schweiz… und ist seit seiner Eröffnung vor wenigen Wochen zu einer Touristenattraktion geworden. Zu Recht, denn der Panoramablick 360° rundum ist atemberaubend! Heute war die Alpenkette zwar im Dunst, aber das 3-Seen-Land und die Jurakette präsentierte sich in voller Pracht!
45 m hoch, oberste Plattform 859 m.ü.M., 234 Stufen…
Gemeinde Seedorf im Vordergrund, Gemeinde Grossaffoltern im Hintergrund, Sichtverbindung zum Biohof Inselmatt (Feldstecher mitnehmen)
Lac de Neuchâtel, Chasseral…
Z’Bärn
Schön wieder mal in Bern zu sein. Ich sitze im Tibits bei einem kühlen Bier, beobachte die Leute, treffe (zufällig) alte Bekannte, lese wieder mal im Berner „Bund“ (in Papierform und nicht nur elektronisch) zum Beispiel über den alten ETH-Professor Potryskus, der immer noch von seinem Gentechnologie-Reis träumt….
Schöne, ruhige Ferienzei!
Schweiz-Visite
Wir sind auf dem Biohof Inselmatt z’Visite. Es ist fast so heiss wie in SW-Frankreich. Die Angus- Aubrac- Herde hat es gut auf der schattigen Waldwiese…
Ca y est!
Endlich, endlich hat die ERDF heute unsere Photovoltaik-Anlage ans Netz angeschlossen (was lange währt kommt endlich gut)! Und hier ist auch schon der Beweis: der Zähler weist die allererste Kilowattstunde aus
Geschichten zu unserem Solardachund dessen Entstehungsgeschichte.
Geschlüpft!
Die jungen Grauschnäpper sind geschlüpft und die Eltern haben viel zu tun mit der Fütterung und Pflege des Nachwuchses.
Rücktritt
Bundesrat Moritz Leuenberger hat auf Ende Jahr seinen Rücktritt angekündigt. Ein Bundesrat, der sich auf der Weltbühne nicht zu verstecken braucht. Ein geistreicher, witziger, humorvoller Redner, dem man zuhören mag. Einer der wenigen Politiker in Bern, der sich klar und deutlich für den EU-Beitritt der Schweiz ausspricht. Ein kluger Kopf, für den die Nachhaltigkeit, der Service public, die Demokratie, die Kultur immer im Zentrum steht.
„Ich träume gelegentlich davon, in einer Gesellschaft zu leben, in der es keine Röstigräben gibt zwischen Kultur, Politik und Intelligenz, davon, dass sich alle für Politik, auch Tagespolitik, interessieren, und sich einbringen.“
(Moritz Leuenberger in einer Rede zum 70. Geburtstag von Hugo Lötscher, 13. Januar 2000)
Seine gelegentlichen Abstecher auf das Glatteis der (Selbst-)Ironie werden wir künftig in der Schweizer Regierung schmerzlich vermissen !















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