AUSWANDERERBLOG

Was kostet die Welt?

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 21, 2006

Man hört, dass Roger Köppel die „Weltwoche“ gekauft hat. Und Chefredaktor will er auch noch gleich werden. Dafür verlässt er die deutsche Zeitung „Die Welt“. Was er dafür bezahlt hat will er nicht sagen, dafür sagt er, alles müsse sich dem wirtschaftlichen Erfolg unterordnen. Rechtsbürgerlicher Journalismus, gelenkt von dubiosen Geldgebern notabene, soll diesen wirtschaftlichen Erfolg erzwingen. Schöne neue Welt(woche)! Vorbei die Zeiten der kritischen Recherchen, vorbei die Zeiten als die „Weltwoche“ noch eine Zeitung von Weltruf war! Zum Glück gibt es noch die „Le Monde“!

swissinfo newsticker

…und das meint die Sonntagszeitung am 23.7.06

DE WECK
Hohn statt Humor
Wer den Gegner achtet, setzt sich mit seinen Argumenten auseinander. Wer den Widersacher missachtet und am liebsten ausschaltete, unterstellt ihm niedrige Beweggründe. Hier verläuft die Grenze zwischen dem Liberalismus jeder Sorte und dem Fundamentalismus jeglicher Couleur. Klar zieht sich die Linie zwischen Kritik und Hass.

Was das zu tun hat mit der « Weltwoche » , deren Aktienmehrheit bald Roger Köppel gehört? Die Zeitschrift beruft sich auf den Liberalismus und besudelt anders Gesinnte. Auszug aus der jüngsten Ausgabe: Warum wenden sich die früheren Swisscom- Chefs Markus Rauh und Jens Alder gegen das Asyl- Gesetz? Für die « Weltwoche » keine Frage, dass ihr « wahres Motiv durchscheint: die Rache » . Eine « unselige Heimzahlung » an Justizminister Blocher, den beide « für ihr berufliches Scheitern verantwortlich machen » . Rauh sei ein « verbitterter Ausraster » .
Lässt sich damit « da! s interessanteste Blatt im Lande » machen, so Köppel? Meh Dräck: Alle Kampfblätter sind im Zwiespalt, entweder zu verflachen oder die Dosis zu steigern, weil kein Gefühl eintöniger und berechenbarer ist als Hass. Das erklärte Programm eines der « Weltwoche » – Kolumnisten war es denn auch, anders Gesinnte zu « verletzen » .

Doch sobald die Aggression zum Prinzip erhoben wird, fehlt die Genauigkeit, um zu treffen. Satiren und Polemiken sind journalistische Präzisionswerke, die eine genuss- und im Grunde liebevolle Arbeit am Argument verraten. Wohingegen Kampfblätter an Stereotypen hängen. Ihre Waffe ist der Hohn statt des Humors. So sorgt bei der « Weltwoche » eine Hand voll Männer fürs wöchentliche Fuder Ressentiments, das die Arbeit und selbst Glanzleistungen der übrigen Redaktion erdrückt.
Das von einem Aristokraten
und einem Homme de Lettres, von Karl von Schumacher und Manuel Gasser gegründete Blatt war seit 1933 kritisch, manchmal garstig, ab ! und zu bitterböse. Nicht selten und gleichwohl zu selten war e! s anstössig. Die Wochenzeitung konnte gehässig sein – kaum je war sie hasserfüllt. Ob Roger Köppel jenen Zug, den er in die « Weltwoche » trug, jetzt abtragen wird? Stellt er sich im « neuen Lebensabschnitt als Unternehmer, Verleger und Journalist » in die Tradition der beiden Gründer? Dann wird er den Hass zurückweisen, statt ihn weiter zu instrumentalisieren.

Präsidentschaftswahlen

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 2, 2006

2007 sind in Frankreich Präsidentschaftswahlen. Schon seit Monaten versuchen sich die möglichen KandidatInnen eine möglichst gute Ausgangsposition zu schaffen. Laufend werden WählerInnen Umfragen publiziert, wer denn nun wo in der Beliebtheitsskala steht. Während der amtierende Präsident Chirac neue Tiefenrekorde notiert (gerade noch 17% würden ihn wählen) und der literarisch angehauchte Premierminister de Villepin (16%) gar nicht mehr an eine Kanditatur denken kann, ist der seit Jahren hyperaktive Chef der Rechtspartei UMP und Innenminister Nicolas Sarkozy (46%) einziger ernst zu nehmender Aspirant der Regierungsmannschaft.
Aber seit Wochen werden alle diese Politelefanten durch die sozialistische Ségolène Royal mit sensationellen Umfragewerten von immer über 50% richtiggehend in den Schatten gestellt. Weder das Lavieren des früheren Premiers und Verlierers der Präsidentschaftswahlen 2002 Lionel Jospin, noch das werben und scharren der linken Möchtegernpräsidenten, Fabius, Strauss-Kahn, Lang usw., konnten der Popularität der Ségolène etwas anhaben.

Also können wir uns auf eine echte Wahl zwischen dem rechten Sarkozy und der Linken Royal freuen…. sollte man meinen. Aber da gibt es noch die zahlreichen linksextremen Splittergruppen die alle ihre eigenen Kanditaten nominieren werden. Sowohl José Bové, mediengewandter GVO-Maismäher, wie die Chefin der Kommunisten und der Sekretär der marxistischen Liga wollen plötzlich Präsident werden. Gemeinsam mit dem rechtsextremen LePen haben sie entscheidend dazu beigetragen, dass letztes Jahr in Frankreich die EU-Verfassung abgelehnt wurde. Und auch die ewig zerstrittenen Grünen (2%) werden sich schliesslich noch auf eine Führungsfigur einigen.
Insgesamt sind zur Zeit etwa 36 Personen um das höchst Amt in der fünften Republik im Rennen. Das Wahlsystem lässt für den ersten Wahlgang praktisch alle zu (ich werde es mir auch noch überlegen müssen….), um dann im zweiten Wahlgang zwischen den zwei bestplazierten KanditatInnen zu entscheiden. 2002 hat die extreme Zersplitterung auf der Linken dazu geführt, dass im Final nur noch zwischen rechts und rechtsextrem ausgewählt werden konnte: Chirac oder LePen.
Aber offenbar haben die französischen Super-Linken auch aus diesem Debakel keine Lehren gezogen.

Kleinkrämer

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 29, 2006

Wieder einmal ist in der Schweiz ein Bericht über die EU, bzw. ein Bericht ob und wann und wie und ob überhaupt die Schweiz dereinst der EU beitreten soll, erschienen. Einmal mehr listet der Bundesrat kleinkrämerisch alle Nach- und Vorteile auf und kommt zum Schluss, die bilateralen Verträge seien ideal für unser Land und es bestehe vorläufig kein Handlungsbedarf.
Das wird ja schon so sein. Aber stellen wir uns einmal vor, alle anderen Staaten Europas würden sich gleich verhalten. Es würde keine Europäische Union geben. Alles in Europa würde nach wie vor in unzähligen Verträgen zwischen den Nationen bilateral geregelt. Unser Land könnte dann jeweils nicht nur einen Vertrag mit der EU abschliessen um irgend ein Problem zu lösen, sondern müsste bei jedem Detail 25 verschiedene Regelungen treffen. Die EU-Gegner sollten sich einmal diesen babylonischen Wirrwar vorstellen. Hand aufs Herz: die Rosinenpickerei der Helvetier ist nur möglich, weil die übrigen europäischen Länder solidarisch zusammenarbeiten!
Leider ist die derzeitige Zusammensetzung des Bundesrates nicht dazu angetan, mit einem mutigen Befreiungschlag dem Land wieder Hochachtung in Europa und der Welt zu verschaffen.