AUSWANDERERBLOG

Hochrechnung

Posted in Politik by ruedibaumann on April 19, 2007

Am kommenden Sonntagabend um 20:00 Uhr genau ist es soweit und wir wissen, welche zwei PräsidentschaftskandidatInnen in die Endausmarchung steigen können. Immer noch sitzt der Schock vom 21. April 2002 tief, als alle Welt die Endausscheidung zwischen Chirac und Jospin erwartete und plötzlich anstelle des sozialistischen Kandidaten der rechtsextreme Le Pen an den Fernsehschirmen erschien… Möglich wurde diese verheerende Konstellation, weil die Linke ihr Stimmenpotential auf verschiedene Linksaktivisten aufgesplittert hatte.
Ich hoffe für Frankreich, dass sich dieses Szenario am Sonntag nicht wiederholt! Auszuschliessen ist das leider nicht ganz, buhlen doch nicht weniger als 6 Gauchisten links von Ségolène um Stimmenprozente und -promille….
Denkbar ist diesmal, dass neben dem wohl gesetzten Sarkozy der Centrist Bayrou eine echte Endauscheidung zwischen „la Gauche et la Droite“ im zweiten Wahlgang vermasselt!

Übrigens: die erste Hochrechnung darf in Frankreich (unter Strafandrohung) erst nach der Schliessung aller Wahlurnen nicht vor 20:00 Uhr publiziert werden. Mal sehen, ob sich die Bloggerszene im In- und Ausland an diese rigorose Vorschrift hält.
Etwas ist heute schon klar: die Stimmbeteiligung wird sehr viel höher sein als bei den kürzlichen Regieruns- und Kantonsratswahlen im Kanton Zürich!

Ségolène Royal dans le sud-ouest

Frankreich vor den Wahlen

Posted in Politik by ruedibaumann on April 15, 2007

Frankreich müsse sich anpassen, wolle aber nicht. Oder Frankreich sei wie Jemand, der mit einem Zweitklassticket erste Klasse fahren wolle. Frankreich kennt die 35-Stunden-Woche, Pensionsalter 58, Mutter- und Vaterschaftsurlaub und Ganztagesschulen und -krippen ab zwei Jahren. Die französische Krankenkasse entschädigt Arzt, Zahnarzt, Augenarzt und Optiker. Frankreich hat viele Kinder und die schnellsten Züge. In Frankreich herrscht Liberté, Égalité, Fraternité und Solidarité.
Frankreich ist keine Insel und Frankreich muss wählen und weiss nicht wen….
Douce France….

La Ouaitte

Sie haben die Wahl

Links und rechts in der Politik

Posted in Politik by ruedibaumann on April 13, 2007

Der Gegensatz zwischen rechts und links in der Politik ist nicht mehr so klar wie früher. Daniel Cohen hat gestern in der Le Monde zwei hauptsächliche Masstäbe genannt: den kulturellen und den wirtschaftlichen Liberalismus.
Die politische Linke ist kulturell liberal indem sie beispielsweise Minderheiten verteidigt, die gleichen Rechte für gleichgeschlechtliche Paare fordert, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch befürwortet usw.. Die politische Rechte hingegen ist gesellschaftlich und kulturell konservativ, verteidigt die Institution Familie und traditionelle Moralwerte.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist genau das Gegenteil der Fall: die liberale Rechte befürwortet die individuelle Initiative und die Konkurrenz, die Linke hingegen ist wirtschaftlich konservativ und will die alten Werte der Solidarität und der Sozialrechte retten.
Darum beschränkt sich der Gegensatz rechts-links nicht einfach auf die Linie liberal-antiliberal, sondern er verlagert sich vielmehr auf die Diagonale kulturell-konservativ und oekonomisch-liberal auf der rechten Seite und kulturell-liberal und oekonomisch-konservativ auf der linken Seite des Politspektrums. Gemäss verschiedenen Untersuchungen würden sich etwa 60% der Französinnen und Franzosen so definieren lassen.
Aber daneben gebe es zwei „heterodoxe“ Gruppen die sich nicht so einteilen lassen: diejenigen die konsequent kulturell und oekonomisch liberal sind oder eben im Gegensatz dazu die kulturell und wirtschaftlich Konservativen.
Zu der ersten Gruppe gehören die sogenannten „bobos“ (bourgeois bohèmes), kulturell liberal (also politisch „links“) und wirtschaftlich auch liberal (also politisch „rechts“). Dazu rechne man etwa 15% der französischen Bevölkerung.
Und schliesslich die rundum Konservativen, die sogenannten „défiants„, die alle alten Werte verteidigen, und nicht weniger als 25% der Wählerinnen und Wähler umfassen sollen.
Wahrscheinlich weil das alles so kompliziert geworden ist, wissen 40% der französichen WählerInnen auch eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen immer noch nicht wen sie wählen sollen….

Vote utile

Posted in Politik by ruedibaumann on April 12, 2007

Von den 12 Präsidentschafts-KanditatInnen haben 8 keine Wahlchancen. Zudem ist davon auszugehen, dass niemand im ersten Wahlgang vom 22. April gewählt wird. Zum alles entscheidenden zweiten Wahlgang können nur die zwei Bestplazierten antreten. Darum ist es wichtig, dass die StimmbürgerInnen schon im ersten Wahlgang ihre Stimme nicht an völlig chancenlose KandidatInnen „vergeuden“.
Man muss nach den unzähligen Sondages davon ausgehen, dass der rechte Sarkozy im ersten Wahlgang am meisten Stimmen macht. Damit am 6. Mai wirklich eine Wahl zwischen „la Droite et la Gauche“ stattfinden kann, sollten alle vernünftigen Leute schon im ersten Wahlgang Ségolène Royal wählen und ihre Stimmkraft nicht an irgend einen oder eine der (zu) zahlreichen LinksaktivistInnen verschenken. Vote utile heisst das hier, wirksam wählen!
Ich bin gespannt, ob die Franzosen und FranzösInnen bei ihrer Stimmabgabe diese Überlegungen einbeziehen, um ein ähnliches Wahldebakel wie 2002 zu verhindern….

Vote utile

Sarko mot à mot

Schamlos kapitalistisch….

Posted in Politik by ruedibaumann on April 3, 2007

In Südamerika werden ganze Landstriche durch reiche Ausländer aufgekauft. Wie die „Le Monde“ berichtet, besitzen beispielsweise die italienischen Modemacher Benetton in Argentinien 900 000 Hektaren Land! Man muss sich das vorstellen: das entspricht etwa der gut nutzbaren landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz! Kein Wunder, dass die Gebrüder Benetton inzwischen die grössten Schafproduzenten in Argentinien sind.
Aber auch der Amerikaner Ted Turner, der Brite Joseph Lewis, der Belgier Huber Grosse, die Filmschauspieler Richard Gere und Matt Damon sind Grossgrundbesitzer in Argentinien.
Auch Schweizer und französische und spanische Weinbaufirmen gehören zu den grossen Landkäufern.
Man könne kaufen was man wolle, wo man wolle, selbst in Nationalparks, heisst es da.
Dafür werden dann Kleinbauern und Indigene vertrieben. Die Landwirtschaft funktioniert zunehmend ohne Bauern. Der grossflächige Anbau von gentechnisch verändertem Soja für den Export führt zu rein idustriellen Anbauformen. Leidtragende sind die traditionellen Bauern, die Umwelt, die Natur!

Es scheint, dass in der kapitalistischen Welt mehr und mehr das menschliche Mass, der Anstand verlorengeht. Die Schere zwischen reich und arm geht immer weiter auf. Das zeigt sich ja offensichtlich auch bei den schamlosen Gehältern der sogenannten Topmanagern.

Der wild gewordene globale Kapitalismus braucht dringend universale staatliche Regulierungen und Leitplanken! Es ist höchste Zeit, die schreienden Ungerechtigkeiten zu stoppen!

Europa macht glücklich

Posted in Politik by ruedibaumann on März 25, 2007

EU 50jährig

Das Wunder Europa: von den Schlachtfeldern zur demokratischen Union. 500 Millionen Menschen versuchen zusammen eine bessere Welt zu schaffen! Seit 50 Jahren sind sie erfolgreich!

Der Fleck in der Mitte ist ein Steuerschlupfloch für alternde Milliardäre, böse Zungen reden von der Seniorenresidenz Helvetien…

www.europa.eu/50

Endspurt

Posted in Politik by ruedibaumann on März 20, 2007

12 KandidatInnen haben die notwendigen 500 Unterschriften von Gewählten zusammengebracht, um nun endgültig um die Gunst der Französinnen und Franzosen bei den Präsidentschaftswahlen kämpfen zu können. 7 davon zählen sich zur Linken, 3 zur Rechten und 2 wollen zur Mitte gehören.
Die 12 KandidatInnen erhalten nun beispielsweise alle die genau gleichen Sendezeiten am Fernsehen, einen Staatsbeitrag von 800 000 € für die Wahlkampagne und gleiche Werbeflächen bei den Mairies (Gemeindeschreibereien). Selbst die Reihenfolge der Plakate wurde durch eine unabhängige Ziehung nationweit festgelegt.
Auch wenn gemäss Umfragen nur 3 KandidatInnen ernsthafte Wahlchancen zugebilligt werden, ist der Wahlkampf eine hervorragende Plattform für Parteien und Bewegungen, politische Tatsachen und Meinungen zu präsentieren.
Kandidaten, die mindestens 5% Wähleranteil erreichen, werden die Wahhlkampfkosten zurückerstattet.

Parteispenden, wie sie in der Schweiz in grossem Umfang von Banken, Versicherungen, Chemie- und Maschinenindustrien geheim an bürgerliche Parteien gezahlt werden, sind in Frankreich unter Strafandrohung verboten!

Stell dir vor, in der Schweiz hätten die Grünen die gleichen Werbezeiten und Flächen wie die SVP des Herrliberger-Milliardärs oder der Bahnhofstrasse-Freisinnigen!

Égalité wird in der Grande Nation im Gegensatz zur Schweiz auch im politischen Wettbewerb ernst genommen!

Nationalrat

Posted in Politik by ruedibaumann on März 19, 2007

„Politik ist ein anstrengendes Geschäft. Im Bundeshaus wird, entgegen der öffentlichen Meinung, viel und hart gearbeitet. Die Aktenberge, durch die sich die Bundesparlamentarier täglich kämpfen sollten, sind beachtlich. Weil gar nicht alles zu bewältigen ist, kommt ein latent schlechtes Gewissen hinzu. Dies oder jenes sollte noch aufgearbeitet werden, die Kantonalsektion darf nicht vernachlässigt werden, die vielen schriftlichen Anfragen sollten alle rechtzeitig beantwortet werden und so weiter. Zudem steht jede und jeder unter dem Druck, ständig um öffentliche Aufmerksamkeit zu buhlen. Es zählt wenig, als stiller Schaffer in den Kommissionen zu wirken, wenn die Öffentlichkeit keine Notiz davon nimmt. In einem Gremium von 200 engagierten Menschen, die alle darauf bedacht sind, öffentlich möglichst stark und positiv wahrgenommen zu werden, ist es ausgesprochen schwierig, sich zu profilieren.
Die Medienvertreter spielen dabei natürlich die entscheidende Rolle und das ist allen auch vollkommen bewusst. Fernsehkameras und Fotografen ziehen Parlamentsabgeordnete an wie das Licht die Motten. Viele sind wenig wählerisch, wenn es darum geht, sich ins rechte Licht zu rücken und sie scheuen nicht davor zurück, dem Journalisten genau die Antwort zu liefern, die er hören will, auch wenn sie haarscharf an der Wahrheit vorbeigeht. Ein Bild wiegt mehr als tausend Worte, heisst es, bewegte Bilder wiegen also zehntausend und noch mehr Worte. Aber auch das Drängeln auf die Rednertribüne ist enorm. In grossen Fraktionen braucht es da schon sehr viel Ellenbogeneinsatz, um bei einem wichtigen Geschäft als Fraktionssprecher amtieren zu dürfen. Wenn man im Nationalratssaal ausnahmsweise einmal Zeit hat, aufmerksam zuzuhören, dann stellt man fest, dass sehr viel Gescheites gesagt wird, natürlich auch viel Unsinn, aber in der Regel ist beides sehr gut vorbereitet.“

Das und noch viel mehr steht in meinem Buch Bauernland. Erhältlich in allen Buchhandlungen.

Das war 1994….. wie schnell die Zeit vergeht!

Tagesanzeiger, 1994

Bundesratsblog

Posted in Politik by ruedibaumann on März 15, 2007

Autor Zgraggenschaag

Die Affiche ist von zgraggenschagg, der Anlass der Bundesratsblog von moritzleuenberger

Unser Aufruf vom Dezember 06 hat Früchte getragen…..

Hässliche Schweizer

Posted in Politik by ruedibaumann on März 10, 2007

Es gibt sie, die hässlichen Schweizer. Sie gelten als reich, überheblich, putzwütig, unsolidarisch, fremdenfeindlich, populistisch und dumm. Sie stammen aus den Reihen der SVP, AUNS, Weltwoche und anderen dubiosen rechtsextremen Parteien. Sie möchten der EU den Krieg erklären und mit ihren Kraftmeiereien allen Nichtschweizern zeigen wo Bartli den Most holt. Sie meinen alles besser zu wissen, und merken nicht, dass sie auf der Welt keine Freunde mehr haben.

Ich habe einzelne davon gesehen und gehört, gestern abend in der Arena-Sendung des Schweizer Fensehens. Gute Nacht!