Europawahlen
„Immerhin, ein Viertel der Schweizer Wohnbevölkerung kann mitreden, wenn in zehn Tagen in den 27 EU-Staaten die 720 Abgeordneten des Europaparlaments gewählt werden. Es sind Doppelbürgerinnen und -bürger, aber auch Arbeitskräfte aus den EU-Staaten, die in ihrer Heimat wahlberechtigt sind. Das illustriert, wie stark die Schweiz als Land mittendrin mit dem Schicksal des Staatenbundes um uns herum verknüpft ist. Die Europawahl zwischen dem 6. und 9. Juni betrifft uns – ob wir es wollen oder nicht.“ (Der Bund vom 27. 5. 24)
Ich gehöre zu den Privilegierten und kann als schweizerisch- französischer Doppelbürger an den Europawahlen teilnehmen. Allerdings ist es nicht ganz einfach, sich in dem französischen Parteien und Kandidatenfeld eine Übersicht zu verschaffen. Die Kandidaten sind kaum bekannt, der Wahlkampf ist kurz und Wahlveranstaltungen gibt es in ländlichen Regionen eher wenige. Frankreich kann insgesamt 74 Parlamentsabgeordnete nach Brüssel schicken. Alle Parteien bewerben fast nur die sog. „tête de liste“, manchmal auch Personen die schlussendlich gar nicht ins Europaparlament gewählt werden (wollen). Grüne und Linke haben eine schlechte Ausgangslage, nicht zuletzt wegen der Aufspaltung in diverse Gruppierungen und Schattierungen. Auch die Anhänger von Macron dürften es schwer haben. Es wird allgemein ein Rechstsrutsch erwartet. Die Ausgangslage für die Sonderwünsche der Schweiz wird schlechter werden.
Aus meiner politischen Mottenkiste…
Die Ereignisse liegen inzwischen über ein Vierteljahrhundert zurück: Volksabstimmung über die Kleinbauerninitiven zur Oekologisierung der Landwirtschaft. Wie man sieht, waren die Bauern in Abstimmungskämpfen nie zimperlich…




Dank dem Nein zu den Initiativen mussten inzwischen die Hälfte der (Klein-)Bauern aufgeben…
13. AHV verprassen…
Zu Besuch bei den Neinsagern. Im Kanton Luzern wird auf den grünen Matten nach dem langen Winter überall Bschütti eingerieben. Ist auch dringend notwendig: hier soll es mehr Schweine haben als Leute.
Zum ersten mal in meinem Leben in Schwyz: die Nebel hangen tief in der Rotenfluh-Mythenregion. Der Ortsrundgang in Schwyz zeigt viele Herrenhäuser des Landpatriziats, finanziert durch das frühere Söldnerwesen. Der Hauptplatz wird von Pfarrkirche und Rathaus dominiert und durch den regen Autoverkehr belebt. Ein Gemälde der Schlacht bei Sempach ziert die Fassade. Der Landbote der Innerschweiz berichtet über die gestrigen Regierung- und Parlamentswahlen: die SVP hat gewonnen, alle anderen Parteien haben verloren. Hauptthema war die Asylproblematik. Die Kandidatenplakate werden entfernt oder mit neuer Werbung überklebt.
Überall wird Personal gesucht. Das Bundesbriefmuseum ist am Montag geschlossen. Im Restaurant am Rathausplatz darf noch geraucht werden.

Weiterfahrt mit Postauto und Südostbahn zum Kloster Einsiedeln. Entlang dem Rothenturm-Hochmoor, wo die Schweizer Armee vor langer Zeit einen Waffenplatz errichten wollte. Mit einer Volksinitiative und mit einer der wenigen gewonnenen Abstimmungen konnte das im letzten Moment verhindert werden.

Einsiedeln, auch hier war ich noch nie, obschon das Kloster Einsiedeln jährlich von hunderttausenden Besuchern und Pilgern besucht wird. Es trieft von Gold und Reichtum! Jede Mutter Gottes und jede Türfalle ist vergoldet. Spenden und Legate sind willkommen.

Die Reise geht weiter an den Zürichsee. Die Goldküste glänzt in der lichten Abendsonne. Einzelne privilegierte private Seeanstösser haben die Schweizerfahne gehisst: schliesslich hat eine deutliche Mehrheit am Sonntag Nein gesagt zu einem öffentlichen Seeuferweg…

Letzte Etappe: Spaziergang durch die Zürcher Bahnhofstrasse. Am Paradeplatz steht immer noch das eindrückliche Gebäude der Crédit Suisse. Die UBS wird renoviert. Überall die jungen, smarten Banker wie eh und je, ausser dass sie jetzt alle weisse Apple-Kopfhörer im Ohr haben.
Reiche Schweiz, teure Schweiz, verbaute Schweiz, schöne Schweiz.
Schweizer Solarpreis
Das denkmalgeschützte Bauernhaus von 1813 im bernischen Münsingen produziert inzwischen mit seiner PV-Anlage jährlich 78’400 kWh und damit 142% des eigenen Energiebedarfs (6 Wohnungen)!
Die Energiewende ist möglich!


Baulandbauern

Vor einem halben Jahrhundert, 1973, habe ich die oben stehende Diplomarbeit an der ETH geschrieben. Seither ist in der Schweiz (und nicht nur hier) viel Land verbaut worden. Bauernland! Aktive oder ehemalige Bauern haben Bauland veräussert und sind Millionäre geworden. Jetzt beklagen sich die Bauern über das Wirtschaftswachstum, über die 10-Millionenschweiz und die mangelnde Ernährungssicherheit….
Aber es waren und sind die Bauern und vor allem ihre rechtsbürgerlichen Vertreter in der Politik, die ein griffiges Bodenrecht, eine richtige Mehrwertabschöpfung und eine vernünftige Raumplanung verhindert haben und weiterhin verhindern.
Leider helfen da heute auch Traktorendemonstrationen nicht weiter…
Weiter auf dem Nostalgietrip…

Das war 1971! Unsere erste politische Partei: Team 67
Erste Sitze im Einwohnerrat von Spreitenbach!
Wir Erben
Letzte Filmaufnahmen für einen vielversprechenden Dokumentarfilm:
https://www.tonundbild.ch/wir-erben

Demnächst in diesem Theater!
FNSEA
Die FNSA https://www.fnsea.fr ist die grösste Bauerngewerkschaft Frankreichs. In den letzten Tagen gross in Erscheinung getreten mit den eindrücklichen Traktorenkonvois auf den französischen Autobahnen. Die Fédération National des Syndicat d’Exploitation Agricole ist nur eine von vier Bauerngewerkschaften. Daneben gibt es die JA (Jeunes Agriculteurs), die CR (Cordination Rurale) und die Confédération paysanne. Dabei gibt es erhebliche Differenzen in der politischen Ausrichtung der einzelnen Organisationen. Die Confédératon paysanne würde ich als links grün bezeichnen, ähnlich der schweizerischen Kleinbauernorganisation. Die Cordination Rurale steht politisch ganz rechts und steht dem Rassemblement National von Marine LePen nahe.
Die FNSA (auch Fédé genannt) ist am ersten mit dem Schweizerischen Bauernverband SBV vergleichbar. Ihr Präsident Arnaud Rousseau ist selber ein grosser Céréalier (700 Hektaren Betrieb) und Verwaltungsratspräsident in zahlreichen Finanz- und Wirtschaftsorganisationen (u.a. Avril mit duzenden von agroindustriellen Gesellschaften).
Die enge Verbandelung mit der ganzen internationalen Agroindustrie macht es der FNSEA zunehmend schwierig, die Bäuerinnen und Bauern, „les paysans sur le terrain“ zu vertreten.
Affaire à suivre…





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