1. Mai in Paris
An den Strassenecken im Quartier latin werden Muguets (porte bonheur) verkauft. Auf dem Place de l’Opéra lässt der Front national seine Truppen aufmarschieren mit Sprechchören: „Justice, Honetée, la France au Français…“. Hinter dem Denkmal der Jeanne d’Arc eine Theatergruppe die die nationalistischen Töne der Rechtsextremen vor dem Denkmal gleich auf die Schippe nimmt…
Am Place de la République ein Multikultifest der Gewerkschaften, Linksalternativen, Anarchisten, Menschenrechtsaktivisten… An unzähligen Ständen wird grilliertes Fleisch und Gemüse aus diversen Kulturkreisen angeboten. Bratenduft überall auf dem Platz.
Marschmusik und Marseillaise hier, dröhnender Sound aus allen Weltgegenden da.
Die Ordnungshüter diskret im Hintergrund oder mitten im Getümmel. Nach dem cortège folgen gleich die Kehrichtwagen und -männer und räumen alles sauber auf!
Friedlicher 1. Mai in Paris. Wenn man die Bilder aus Zürich sieht fragt man sich: Warum können das die demokratischen Schweizer nicht (mehr)?
Front national auf dem Place de l’Opéra….
… und Gewerkschaften auf dem Place de la République
Umstrittene Autobahn A65
Mit 10 950 km Autobahnen verfüg Frankreich über das längste Autobahnnetz in Europa. Und eigentlich hat man sich im Rahmen der Grenelle de l’environnement (nationaler runder Tisch zu Umweltfragen) darauf geeinigt, keine weiteren Grossprojekte mehr zu bauen. Der zuständige Minister Jean-Louis Borloo hatte zugesagt: „C’est fini, on n’augmentera plus les capacités routières.“
Aber da ist immer noch die umstrittene neue Verbindung von Bordeaux nach Pau, quer durch die Gascogne, die autoroute A65 die von den Einten unbedingt gebaut und von den Anderen unbedingt verhindert werden soll. Eine Autobahn von 150 km Länge die die Gemüter erhitzt und eigentlich bereits Ende 2010 eröffnet werden sollte.
Gebaut würde die Autobahn von einem privaten Konsortium ohne finanzielle Mitbeteiligung des Staates. Finanzieren muss sich die neue Strasse aus den zu erwartenden Konzessionseinnahmen (peage).
Zur Zeit verkehren täglich etwa 7 500 Fahrzeuge zwischen Pau und Lagnon und dieser Verkehr würde die neue Strasse bei weitem nicht rechtfertigen. Aber die Bauunternehmungen rechnen weiterhin mit starken Verkehrszunahmen, während die Umweltschützer wohl zu recht darauf aufmerksam machen, dass wegen den steigenden Treibstoffpreisen künftig nur noch mit geringen Wachstumsraten zu rechnen sei und schlussendlich die Steuerzahler für die Rieseninvestitionen (1,1 Mia €uro) zu Kasse gebeten würden. Neben den klassischen Konflikten zischen Umwelt und Wirtschaft stellt sich hier auch die Frage der Rentabilität dieses Streckenabschnitts.
So oder so, die A65 wird eine teure Verbindung und viel Natur und Umwelt zerstören und beeinträchtigen.
Site officiel du concessionaire
Liste des autoroutes de France
Und am Schluss noch dies:
„En raison d’un mouvement de grève, le journal Le Monde ne paraît pas ce jeudi 17 avril (édition datée 18 avril).
Le Journal Electronique de cette édition n’est donc pas disponible.“
Ich solidarisiere mich mit den Journalisten von Le Monde, die mit ihrem Streik gegen die Entlassung von 160 KollegInnen und gegen die wachsende Einflussnahme finanzkräftiger Kreise protestieren. Wir wollen keine „Weltwoche“ in Frankreich…
Preisexplosion bei den Grundnahrungsmitteln
An der Elfenbeinküste, in Burkina Faso, in Senegal, in Haiti, in Mexico sind wegen den stark gestiegenen Weizen-, Mais- und Reispreisen gewalttätige Unruhen ausgebrochen, die zahlreiche Verletzte und Tote zur Folge hatten. In diversen asiatischen Ländern nehmen die Spannungen zu. Die Ärmsten der Armen wehren sich dagegen, dass die Preise ihrer Grundnahrungsmittel innert weniger Monaten explodiert sind und damit für sie Mehl und Brot unerschwinglich geworden ist.
Gemäss der FAO (UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) sind die Getreidereserven weltweit auf einen beängstigenden, seit einem Vierteljahrhundert nie mehr erlebten Tiefstand gesunken. Die angespannte Situation wird daher nach Ansicht vieler Experten noch lange anhalten.
Jean Ziegler hat heute morgen auf Radio France Inter einmal mehr die jahrelange, katastrophale Politik des Weltwährungsfonds (FMI) für die desastreuse Situation verantwortlich gemacht. Die afrikanischen Staaten seien in kolonialistischer Manier gezwungen worden, für den Export zu produzieren (Kakao, Kaffee usw.), statt die Ernährung der örtlichen Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sicherzustellen.
In einem differenzierenden Artikel hat „Le Monde“ am 5. April folgende Mittel zur Krisenlimitierung aufgeführt:
Importe erleichtern durch Zollsenkungen (Burkina Faso, Marokko, Indien, Mongolei, Türkei, Brasilien und andere hätten das schon gemacht…)
Exporte limitieren
China, Vietnam, Argentinien, Russland versuchen es durch fiskalische Massnahmen, andere durch Verbote: Egypten, Sambia, Pakistan, Äthiopien…
Produktion steigern
China will die Subventionen an die Bauern erhöhen und die EU hat die seit 1992 bestehende Verpflichtung der Bauern, 10% ihrer Anbaufläche stillzulegen, aufgehoben…
Ich muss zugeben, dass man als französischer Céréalier die massive Getreidepreiserhöhung natürlich sehr begrüsst hat. Jede Medaille hat aber zwei Seiten.
Gar kein Verständnis habe ich hingegen dafür, dass der französische Getreideproduzentenverband nach wie vor in einer landesweiten Plakatkampagne entlang der Nationalstrassen für Agrotreibstoffe aus Weizen, Mais, Soja und Raps wirbt…
Erstaunlich ist ja, dass eigentlich nur kleine Mengen der weltweiten Getreideproduktion auf dem Weltmarkt erscheinen (17,2% Weizen, 12,5% Mais, 7% Reis).
Das heisst aber auch, dass nur multilaterale Lösungen im Rahmen der Weltgemeinschaft möglich sind. Was wir schon als Landwirtschaftsschüler über die Weltagrarmärkte gerlernt haben gilt immer noch: Ein wenig zu wenig ist viel zu wenig, ein wenig zu viel ist viel zu viel…. Einzelmassnahmen eines Staates haben sofort wieder Einfluss auf die Situation in anderen Staaten.
Als EU-Bauer sah man sich jahrzehntelang mit Überschussproblemen und -vorwürfen konfrontiert, plötzlich scheint alles anders….
Auf diesem Blog zum Stichwort Hunger
Jetzt wird gesäubert!
Der gedemütigte Goldküsten-Milliardär und Bundesratsversager lässt seine Partei säubern. Den Stall ausmisten soll sein inzwischen zum Meisterknecht avancierte Ziehsohn aus dem Toggenburg. Die neue Bundesrätin Evelyne Widmer-Schlumpf soll wegen Majestätsbeleidigung nullkommaplötzlich aus der Partei und dem Bundesrat ausgeschlossen werden und mit ihr alle, die nur einen Deut von der stal(l)inistischen Parteidiktatur abweichen.
In der Berner SVP haben zwar einzelne Mutige diese „braunen Tendenzen“ öffentlich kritisiert, die Mehrheit wird wohl als kleinmütige Höseler wie ihr Präsident den Kopf einziehen und sich dem parteiführenden Geldadel unterziehen. Schliesslich stehen lukrative Posten und Pöstchen auf dem Spiel!
Apropos Geldadel: Nicht ausgeschlossen wird selbstverständlich SVP-Nationalrat und Unternehmer Spuhler. Als UBS-Verwaltungsrat hat er zwar aktiv mitgeholfen, 40 Milliarden in den Sand zu setzen. Für diese nebenamtliche Tätigkeit, von der er ja auch nichts versteht, bezieht er schliesslich nur unwesentlich mehr als ein Bundesratssalär…
Wie man hört, soll die SVP-Kampfkasse jetzt auch noch zusätzlich durch die Bundesratsrente von Oberjuhee Blocher gespiesen und vom Autoimporteur und Alt-Nationalrat Frey aufgestockt werden.
Wahrlich, schöne Aussichten für die Plakatwände und Abstimmungskämpfe in der Alpenrepublik, die das Land in Zukunft noch einwenig härter, kälter, egoistischer und steuergünstiger erscheinen lassen, als es ohnehin schon ist.
France – Suisse: match nul!
Seit sieben Jahren bauern wir nun schon in der Gascogne. Unser Hof liegt am End der Welt, verloren in den sanften Hügeln des Gers. Im Süden grüsst die verschneite Pyrenäenkette. Auf unsern Feldern wächst biologisches Getreide, Sonnenblumen, Bohnen und Luzerne. Gemüse und Früchte aus dem eigenen Garten bestimmen unsern Speisezettel und hoffentlich bald mal die Trauben vom eigenen Rebberg unsere Weinkarte. Die nächsten Nachbarn sind zwei Kilometer weit weg, die Gemeinde zählt 67 Seelen, zwei kaum je genutzte Kirchen, einen Pétanque-Platz und zwei Vereine: das Comité de Fête und die Société de chasse. Die nächste Bäckerei ist 12 Kilometer weit weg, die Post 15 und das nächste Städtchen 20 Kilometer. Nach Paris ist es von Bern aus weniger weit als von hier.
Verloren in der France rurale, könnte man denken. Aber weit gefehlt: wir fühlen uns am Nabel der Welt. Jeden Tag bringt uns la poste die „Le Monde“ auf die Ferme (service publique française!); wir empfangen hunderte von TV-Sendern (wenn wir wollen) und kommunizieren täglich per Internet. Immer noch verfolgen wir interessiert, was in der Schweiz passiert, und wir ertappen uns oft, dass wir Vergleiche anstellen.
Wer ist besser? Die Schweiz oder Frankreich?
Die schweizerische Administration ist effizient und verlässlich, die französische ist eher träge und undurchsichtig. Die französische Küche ist nicht besser als die schweizerische, aber bei der Gastfreundschaft liegt zweifelsfrei Frankreich vorn. Mit Handwerkern haben wir in beiden Ländern sowohl schlechte wie auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Das Gesundheitswesen in der Schweiz ist eindeutig teurer und luxuriöser als dasjenige in Frankreich, aber bisher sind wir hier immer gut versorgt worden, nur halt eben nicht so komfortabel und ein wenig billiger.
Irgendwie laufen unsere Vergleiche immer auf ein Unentschieden hinaus.
Europa
Seit einem Jahr sind wir dank einer vernünftigen europäischen Einbürgerungspolitik stolze Franzosen. Wir sind (wie könnte es anders sein?) interessiert an der französischen Politik und haben regen Anteil genommen an den Präsidentschaftswahlen, die leider nicht so ausgingen, wie wir uns das erhofft hatten. Es ergeht uns hier genau gleich wie bei Wahlen und Abstimmungen in der Schweiz: wir stehen oft auf der Verliererseite. So hat uns zum Beispiel auch das französische Nein zur europäischen Verfassung masslos geärgert. Dieser Protest an der Urne richtete sich damals allerdings eher gegen die französische Regierung als gegen die Europäische Union. Denn hier wird die EU im Allgemeinen nicht als Übel oder gar als Bedrohung wahrgenommen, sondern als hoffnungsvolles Zukunftsprojekt. Frankreich will international weiterhin eine wichtige Rolle spielen und alle wissen, dass das nur dank einer engen europäischen Zusammenarbeit möglich ist. Am 1. Juli dieses Jahres wird Frankreich turnusgemäss für ein halbes Jahr die EU präsidieren. Und Sarkozy wäre nicht Sarkozy ,wenn er sich diese Chance der verstärkten Einflussnahme entgehen liesse. Er hat schon mal eine Reihe von Reformen angekündigt!
Angesagt ist unter anderem eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik, was unseren Alltag direkt beeinflussen wird (und wahrscheinlich auch den der Schweizer Bauern, nur dass es viele nicht wahrhaben wollen!).
EURO = Währung, Fussball oder was?
In Frankreich denkt man nicht an Fussball, wenn man Euro hört. Mit Euros bestreitet man hier sein Leben. Und im Südwesten ist Fussball ohnehin nur die zweitwichtigste Nebensache der Welt, die wichtigste ist… Rugby!
Bei grossen internationalen Events schalten aber auch die Gascogner kurz mal auf Fussball. Bei der letzten Fussball-WM haben wir die Spiele France-Suisse jeweils gemeinsam mit unseren französischen Freunden am TV verfolgt. Kuchen, Wein und das geselliges Beisammensein haben uns über die langweiligen Spiele hinweg getröstet: France – Suisse: match nul.
Fussballgott sei Dank sind Frankreich und Schweiz bei der Euro (= Fussball) nicht in der gleichen Gruppe – und im Final gibt es ja kein Unentschieden!
(geschrieben für die NEBS, Neue Europäische Bewegung Schweiz)
Ämterkumulation, cumul des mandats
Eigentlich wissen alle, dass Doppelmandate in der Politik verpönt sind. Und trotzdem empfinden sich viele PolitikerInnen, einmal gewählt, so wichtig, dass sie glauben, unbedingt zwei oder mehrere Mandate zur gleichen Zeit ausüben zu müssen. Die französische Politlandschaft strotzt nur so von unersättlichen <a href="index.html?s=
Neue Politlandschaft
So sieht die neue Karte der conseils généraux nach den kantonalen Wahlen aus. Die Mehrheit der 101 Departemente wird nun links regiert. 8 Departemente haben zusätzlich ins Lager der (vereinigten) Linken gewechselt.
40 Jahre nach der Mai-Revolution ist Frankreich auf lokaler und kantonaler Ebene mehrheitlich links und erträgt auf nationaler Ebene einen rechten Präsidenten, der die „héritage du mai 68“ rückgängig machen will…

Grafik aus Le Monde vom 18. März 2008
Vor 10 Jahren regierte die Rechte noch in 77 Departementen, jetzt steht es 56 zu 45 zu Gunsten der Linken! Hand aufs Herz, das ist nicht weil die Linken plötzlich viel die besseren Kandidaten haben, sondern dank den Eskapaden des …. Staatschefs.
Frühling in Frankreich
Nach dem erdrutschartigen Sieg der Linken bei den Municipales und den Cantonales beginnt in Frankreich heute morgen alles zu blühen…
…die wilden Kirschen….
…die Pflümli….
…les cerises.
Sarkozys rechte Regierungspartei ist verbüht wie die Aprikosen und Pfirsiche…
….und steckt im Dreck wie die Kartoffeln!
„Large victoire de la gauche aux municipales
Toulouse, Strasbourg, Caen, Reims, Metz, Amiens, Blois… Le Parti socialiste et ses alliés détiennent ce matin 183 villes de plus de 30 000 habitants, soit 38 de plus qu’en 2001 (contre 124 à droite). Seule Marseille résiste à cette vague rose avec la victoire de Jean-Claude Gaudin (UMP). Metz, en revanche, va connaître son premier maire de gauche depuis… 1848. Plusieurs ministres ont été battus : Xavier Darcos, Rama Yade, Christine Albanel et Christine Lagarde. A Pau, le président du MoDem, François Bayrou, rate la mairie pour moins de 1% des voix. Le scrutin a été marqué par une abstention de 38 % dans les communes de plus de 3 500 habitants : un record depuis 1959.“
Le Monde électronique
Kommunalwahlen
Toulouse, seit 37 Jahren von der Rechten regiert, hat erstmals eine linke Mehrheit und reiht sich ein in diesen erfreulichen Trend bei den französischen Kommunal- und Kantonalwahlen:
Mehr als 30 grosse Städte haben Sarkozys UMP in die Wüste geschickt und links gewählt!
Zur Feier des Tages: Claude Nougaro: Toulouse
La ville en rose!
Monsanto: mit Gift und Genen
Nicht verpassen: Heute um 21:00 Uhr auf Arte TV ein kritisches Firmenporträt über Monsanto, dem grössten und hässlichsten Agro-Chemie-Multi und seinen unzimperlichen Gentech-Verbreitungs-Methoden…










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