AUSWANDERERBLOG

Wenn Bänker Bauern werden… (Gastbeitrag Kilian Baumann)

Posted in Politik by ruedibaumann on August 16, 2009

Nachdem geldgierige Bänker mit ihrer verantwortungslosen Investitions- und Bonipolitik die Weltwirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt haben, scheinen sie sich nun der Landwirtschaft zuzuwenden. Schon wieder versprechen sie den Investoren zehn und mehr Prozent Rendite, für Geldanlagen in Ackerböden und Nahrungsmittelproduktion. Verantwortungslose Spekulation auf Kosten bäuerlicher Betriebe, auf Kosten der Umwelt, auf Kosten der Besiedlung ländlicher Räume, auf Kosten der Nahrungssicherheit…
Kritiker wie die Welternährungsorganisation FAO (http://www.fao.org) warnen vor einer Verdrängung kleiner Farmer durch internationale Konzerne und sprechen von Neokolonialismus.

Es ist nur zu hoffen, dass die Staatengemeinschaft rechtzeitig gesetzliche Rahmenbedingungen erlässt, damit die Bänker noch bevor ein neues weltweites Debakel entsteht, zur Raison gebracht werden können!

Schauen Sie sich den Film an: Agrarius AG

… und danach den Arte-Film „Mit offenen Karten“

Ja zu Harmos

Posted in Politik by ruedibaumann on August 14, 2009

Als Auslandschweizer, Doppelbürger, Ex-National- und Ex-Grossräte interessieren wir uns selbstverständlich nach wie vor für die Politk der Schweiz und des Kantons Bern. Wir haben in den letzten acht Jahren denn auch keine einzige Volksabstimmung in der alten Heimat verpasst.
Am 27. September 2009 stimmen wir schriftlich für die Harmonisierung der Volksschule im Kanton Bern, bzw. in der Schweiz (HarmoS-Konkordat).

Der Kantönligeist mit unterschiedlichen Schulsystemen, unterschiedlichen Lehrplänen, unterschiedlicher Schulzeit usw. ist schon lange nicht mehr zu verantworten und muss endlich korrigiert werden.

Das Schulsystem hier in Frankreich ist meines Erachtens viel familienfreundlicher (Tagesschulen), besser (Kindergarten ab 3 Jahren) und erfolgreicher als der Schul-Wirrwar in der Schweiz!

Es gibt gute Gründe für ein klares JA zu Harmos!

Ein Schulsystem für die ganze Schweiz
Schweizweit gelten dieselben Bildungsstandards
Wirtschaft steht geschlossen hinter Harmos
Lehrpläne und Lehrmittel werden besser koordiniert
Flexible Lösungen beim Kindergarten-Eintritt sind weiterhin möglich
80% der Vierjährigen im Kanton Bern besuchen schon jetzt zwei Jahre lang den Kindergarten

Ja zu HarmoS bedeutet Ja zu guter Bildung!

„Die Schweiz steht immer mehr allein“

Posted in Politik by ruedibaumann on August 11, 2009

Jakob Kellenberger, ehemaliger Staatssekretär, sieht die EU-Mitgliedschaft für die Schweiz als beste Lösung. Weil er will, dass die Schweiz dort dabei ist, wo für sie wichtige Beschlüsse getroffen werden.

Die Schweiz steht immer mehr allein

… und ich bin haargenau gleicher Meinung!

1. August-Nachlese

Posted in Politik by ruedibaumann on August 2, 2009

Man liest, hört und sieht, dass Ueli Maurer sieben 1. August-Ansprachen gehalten habe und Moritz Leuenberger keine. Textauszüge lassen vermuten, dass der SVP-Magistrat „huereguet“ viel Blech erzählt hat…
Um beim Blech zu bleiben: Reden ist (manchmal) Silber, Schweigen ist (in diesem Fall) Gold!

Das Kreuz mit der Schweiz

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 9, 2009

Alt-Bundesrat Villiger will die Schweiz retten. Das heisst, eigentlich die UBS. Das bedeutet, dass unter gar keinen Umständen den USA die Namen der 52’000 amerikanischen UBS-Kontoinhaber bekanntgegeben werden dürfen. Weil darunter könnte es – man stelle sich das mal vor – Steuerhinterzieher haben….
Und nach schweizerischer Lesart ist Steuerhinterziehung ein wichtiger Nationalsport oder fast ein Menschenrecht und das gelte es mit allen Mitteln und unter allen Umständen zu verteidigen! Schliesslich hat schon sein FDP-Kollege der ganzen Welt gedroht: „am schweizerischen Bankgeheimnis werdet ihr euch die Zähne ausbeissen…“ (bis Steinbrück kam, aber das ist eine andere Geschichte).
Natürlich ist Villiger ein wenig entäuscht, dass in der Zeit als er noch im Bundesrat mit allen Mitteln das helvetische Bankgeheimnis vertedigte, einzelne UBS-Leute – kaum zu glauben – Multimillionären bei der Steuerhinterziehung geholfen haben sollen! Dabei ging es doch den tapferen Schweizern immer, aber wirklich immer, nur darum, dass es den gwundrigen Müller nichts angeht, wieviele Fränkli sein Nachbar Meier auf dem Sparbüchlein hat.

Nun, Villiger und seine Leute im Bundesrat und bei der UBS werden wie Löwen dafür kämpfen, dass kein einziger Steuerhinterzieher bekannt wird oder sonstwie zu Schaden kommt. Koste es was es wolle! Schlimmstenfalls werden sie eine Sammlung der Glückskette oder der Berghilfe veranstalten oder die AHV oder IV kürzen, aber die Vermögenden dieser Welt werden sie vor dem amerikanischen Fiskus geheimhalten, schützen, verteidigen….

Übrigens: mein Konto bei der UBS: Nr. 234.389.123.908, Kontostand Frs. 2.36

Laizistische Republik – république laïcque

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 2, 2009

Der Laizismus wird in Frankreich strikt praktiziert. Der Staat sieht es als Aufgabe an, seine Bürger gegen religiöse Praktiken, die der öffentlichen Ordnung oder den Rechten des Einzelnen zuwiderlaufen, zu schützen. In französischen öffentlichen Schulen ist es verboten, Lehrer oder Schüler nach ihrer Religion zu fragen. Frankreich betrachtet die religiösen Auffassungen der Bürger als reine Privatsache; es gibt keine amtlichen Statistiken zur Konfessionszugehörigkeit der Bevölkerung. Dies hat unter anderem zur Folge, dass es in der aktuellen politischen Debatte in Frankreich zu Segregation oder Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt keine verlässlichen Zahlen gibt. Der Bau von Gotteshäusern (Kirchen, Minarette usw.) wird als Privatangelegenheit betrachtet und nach den üblichen Bauvorschriften behandelt.
Ganz anders als in der Schweiz werden an Religionsgemeinschaften auch keine staatlichen Zuschüsse ausgerichtet. Unsere alten Dorfkirchen und Kapellen gehören der Gemeinde. Wer will, kann sie für einen beliebigen Anlass mieten. Es gibt keinen staatlich besoldeten Pfarrer oder Geistlichen.
Seit 2004 ist es auch untersagt, in öffentlichen Schulen auffällige religiöse Zeichen zu tragen, wie Schleier, Kippa, Kreuze, Turbane (bei Sikhs) oder Ordenstracht.
Kürzlich hat Präsident Sarkozy vorgeschlagen, das Tragen der Burka (Ganzkörperverhüllung) in der Öffentlichkeit zu verbieten, weil das nicht als religiöses Zeichen zu werten sei, sondern vor allem die Frauen diskriminiere. Jetzt soll darüber in einer Kommission entschieden werden.

(aus Le Monde vom 1. Juli 2009)

„Il n’y a aucune question taboue. On va faire un état des lieux de cette prison de tissu et on va ouvrir un dialogue avec les associations féminines, les associations laïques et les musulmans.“
Déclaration du député communiste André Gerin chargé de présider la mission d’information sur la burqa, mise en place officiellement hier. Avec le plein soutien du gouvernement, quatre groupes politiques de l’Assemblée nationale (UMP, NC, PS, PCF) ont pour mission de dépassionner le débat et d'“ouvrir un dialogue“.

(Le Monde électronique 2. Juli 2009)

Regierungsumbildung

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 24, 2009

So quasi über Nacht hat Präsident Sarkozy seine Regierung umgebaut. Nicht weniger als acht Minister hat er ausgewechselt oder umgeteilt. Zu diesem Umbau gehören auch überrraschende Nominationen wie beispielsweise die von Frédéric Mitterand als neuen Kulturminister. Mitterand ist der Neffe des letzten sozialistischen Staatschefs François Mitterand. Der rechte Sarkozy bezeichnet die Wahl von Ministern, die eigentlich aus dem Lager der Opposition stammen (z. Bsp. Aussenminister Bernhard Kouchner von der PS) als ouverture gegenüber der linken Minderheit. Die Sozialisten sehen das eher als Provokation und verurteilen diese „Abweichler“ als Konvertite. Wetten, dass Sarkozy bald auch eine(n) prominte(n) Grüne(n) in seine Regierung hisst…
Weil Michel Barnier von der UMP ins Europaparlament gewählt wurde (und dort wahrscheinlich einen Posten als Mitglied der Kommission anstrebt) bekommen wir wieder mal einen neuen Landwirtschaftsminister (den siebenten in acht Jahren…)!
Politique à la française!

Nun, wenn wir diese Regierungsumbildung mit der Diskussion um die in drei Monaten anstehende Ersatzwahl eines Bundesrates in der Schweiz vergleichen, dann muss man sich allerdings schon fragen was besser ist. Ich glaube, ein Minister Hansruedi Merz würde in der französischen Regierung keine vierzehn Tage überleben…
Ich persönlich neige zur Ansicht, dass die grande nation trotz aller Unzulänglichkeiten besser regiert wird als die Schweiz. Was meinen Sie?

Ich ärgere mich (fast) täglich…

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 19, 2009

… dass die Schweiz immer noch nicht Mitglied der Europäischen Union ist. Die Schweiz übernimmt zwar brav die Gesetzgebung und die Regelungen der EU, ohne aber selber mitzubestimmen. Die EU-Gegner der SVP gaukeln der Bevölkerung mit populistischen Sprüchen (EU Nie!) vor, wir würden mit unseren direktdemokratischen Abstimmungen alles selber bestimmen. Kein Wort davon, dass diese Abstimmungen durch geheime (!) Geldgeber aus Banken- und Industriewelt finanziert werden. In der EU nennt man das Korruption! Und wenn es mal wirklich um wichtige Anliegen geht, wie beispielsweise das Milliardengeschenk an die UBS, dann kann nicht einmal das Parlament, geschweige denn das Schweizervolk mitreden!

Bedauerlich finde ich, dass die Schweiz als schwarzer Fleck auf der Europakarte, zunehmend ganz einfach nicht mehr wahrgenommen wird, weil sie in allen Ländervergleichen schlicht und einfach fehlt. Täglich erscheinen in den europäischen Medien Quervergleiche zwischen den 27 Staaten der EU über alle erdenklichen gesellschaftlich wichtigen Fragen. Vergleiche zwischen Staatsfinanzen, Verschuldung, Sozialpolitik, medizinische Versorgung, Landwirtschaft, Ausbildung, Hochschulen, Energiepolitk, Umweltfragen usw. usf. werden aufgearbeitet und grafisch dargestellt. Nur die Schweiz fehlt.

Gestern abend fand auf France3 eine interessante Diskussion zur Frage statt, ob allenfalls Frankreich im Vergleich mit seinen Nachbarn die gegenwärtige Weltwirtschaftskrise besser meistere. Alle Nachbarn wurden miteinbezogen, das heisst alle… ausser der Schweiz!
Frankreich sei krisenresistenter weil sein Sozialmodel (égalité! solidarité!) für besseren Ausgleich sorge, weil die Einkommensunterschiede geringer seien, weil 60% der Französinnen und Franzosen Wohnungseigentümer seien, weil sie immer noch ihre Rechnungen bezahlen könnten, weil sie nicht exportabhängig seien, weil ihre Grossbanken vernünftig gehandelt hätten…

Der Vergleich mit der Schweiz hätte mich interessiert. Der Austausch, der Vergleich, auch die Rangierung im europäischen Vergleich ist für alle anderen Länder eine Selbstverständlichkeit, auch Anlass zu lernen, es besser zu machen! Die Schweiz steht freiwillig abseits und geht zunehmend vergessen. Ich ärgere mich über die selbstgefälligen, dummen EU-Gegner, aber noch fast mehr über die Höseler in anderen Parteien, die es nicht wagen, endlich den Beitritt laut und deutlich zu fordern.
Wider besseres Wissen werden jungen Schweizerinnen und Schweizern wichtige Zukunftsperspektiven verbaut.
Armes Land, das sich vor der europäischen Integration und Mitgestaltung so fürchtet und stattdessen jetzt wieder drei Monate darüber streitet, aus welchem Kaff ein neuer Bundesrat kommen soll…

Grüne Gemeinde

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 12, 2009

Bei den Europawahlen vom Wochenende wurde in unserer Gemeinde Traversères bei einer Stimmbeteiligung von 64% zum ersten Mal mehrheitlich grün gewählt! Bravo!
Die Resultate:
Liste des Verts (José Bové) 28.21%
Liste de la majorité (UMP) 17.95%
Liste du parti socialiste (PS) 10.26%
Liste du centre (MoDem) 5.13%
Liste du PCF et du Parti de gauche 0.00%

Die 10 Sitze der Grossregion Südwesten für das Europaparlament wurden denn auch an diese 5 Parteien vergeben (UMP 4 Sitze, Vert 2, PS 2, MoDem 1, PCF 1).

José Bové in Auch

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 12, 2009

Am 6./7. Juni sind Europawahlen. Zurzeit touren die Kandidatinnen und Kandidaten durch die Gegend um auf sich aufmerksam zu machen. Gestern abend fand in Auch im Maison de Gascogne eine Wahlveranstaltung der Grünen (europe-ecolgie.fr) mit ihrem Spitzenkandidaten für den Südwesten, José Bové, statt. Wir haben die Gelegenheit wahrgenommen, zusammen mit fünf Besuchern aus der Schweiz, zu hören und zu sehen, welche Themen im ländlichen Frankreich im Europawahlkampf debattiert werden.

Nach einem Bioznacht referierten die fünf VertreterInnen der lokalen, nationalen und europäischen Grünen vor 100 bis 200 Interessierten darüber, was in den nächsten fünf Jahren im Europäischen Parlament für wichtige Entscheidungen anstehen. José Bové als ehemaliger Sekretär der Bauerngewerkschaft Conféderation paysanne erläuterte die anstehenden wichtigen Entscheide im Rahmen der Pac (Politique agraire commune), machte auf die ungerechte Verteilung der europäischen Direktzahlungen aufmerksam, sprach sich dafür aus, das bescheidene Budget der EU (1,25% des BIP) auf 3, 5 oder gar 10% auszubauen um endlich die globalen Probleme richtig anzugehen und nicht ewig in nationalen Egoismen zu verharren… Natürlich will er seinen Kampf gegen die gentechnisch veränderten Organismen (GVO) auf europäischer Ebene verstärkt weiterführen!

Die anwesenden SchweizerInnen versuchten indessen herauszufinden, welche Fahne zu welchem der 27 EU-Staaten gehört…. Eine Schweizerfahne war jedenfalls nicht auszumachen….