Der Bauer, der eine eigene Meinung hat
Kilian Baumann, Nationalrat der Grünen und Biobauer, ist einer der Einzigen seiner Branche, der den mächtigen Bauernverband kritisiert. Warum tut er sich das an?


Verbrannte Erde

Es ist zum heulen! Ich kenne diese Ackerparzelle (3 ha) sehr gut. Während Generationen haben wir selber das Feld pachtweise biologisch bewirtschaftet. Wegen einem Eigentümerwechsel wurde die Pacht gekündigt und die Parzelle überteuert (> 300’000 sfr.) an einen weit entfernten Baulandbauern verkauft! Die Bewirtschaftung wird nun industrialisiert, die Kleegraswiese mit dem umstrittenen (kanzerogenen?) Totalherbizid Glyphosat abgebrannt! Notabene auf einem Feld, das als Quellgebiet für diverse laufende Brunnen dient! Traurige Realität in der CH-Agrarpolitik!
Das Verwirrspiel des Bauernverbandes
Seit vielen Jahren betreibt der Schweizerische Bauernverband ein Verwirrspiel mit der Öffentlichkeit. Er beklagt im Januar an der Pressekonferenz den tiefen Durchschnittsverdienst in der Landwirtschaft und ermuntert damit zu Traktorumzügen und Protesten. Aber unter dem Jahr bekämpft die Agrarlobby politisch alles, was die Situation jener Betriebe verbessern könnte, welche den Einkommensdurchschnitt nach unten ziehen.
Der entscheidende Schlüssel für eine Verbesserung der Lage liegt bei den Direktzahlungen des Bundes, für die jährlich 2.7 Milliarden Franken Steuergelder aufgewendet werden. Das sind über 50’000 Franken im Durchschnitt pro Betrieb und Jahr! Heute werden Direktzahlungen linear nach Flächengrösse verteilt. Kleine Betriebe bekommen wenig, grosse Betriebe zu viel. Für die ganz Grossen gibt es mehrere Hunderttausend Franken pro Jahr. Je weniger Betriebe überleben, desto grösser werden die Zahlungen. Es wird überinvestiert, nicht zuletzt um Einkommenssteuern zu sparen. Die Folgen sind Übermechanisierung und Preistreiberei um jede Hektare freiwerdendes Acker- und Wiesland.
Bei Einführung der Direktzahlungen im Jahr 2000 verhinderten Einkommens- und Vermögenslimiten sowie eine Obergrenze pro Betrieb und Jahr soziale Ungleichheiten und damit die Verschwendung von Bundesgeldern. Diese Rahmenbedingungen waren von der Kleinbauern-Vereinigung über Volksinitiativen und Referenden mit Hilfe der Bevölkerung erzwungen worden. Doch das bürgerlich dominierte Parlament hat am Zügel des Bauernverbandes das System in den letzten fünfzehn Jahren schrittweise liberalisiert.
Ebenso konsequent bekämpft der Bauernverband, der über zu tiefe Lebensmittelpreise klagt, in der Allianz mit den Wirtschaftsverbänden die Stärkung der Kaufkraft der Konsumenten. Augenfällig war dies in der Kampagne gegen die 13.AHV. In dieser Abstimmung zeigte sich, dass viele Bauernfamilien, die mit Existenzproblemen kämpfen, der Parole des Verbandes nicht gefolgt sind.
Die 17 Franken Stundenlohn, die als Gradmesser für die angebliche Armut verwendet werden, sind eine Art bauernschlaue Schwindelei des Verbandes. Gemessen am verfügbaren Einkommen sind die Unterschiede zwischen Landwirten und übriger Bevölkerung weit weniger gross. Verfügbar ist jener Teil des Einkommens, welcher nach Abzug der unvermeidbaren Ausgaben eines Haushaltes für Steuern, Versicherungen, Wohnen und Nahrung zur Verfügung verbleibt. Bauern deklarieren ihre Steuern als Selbständigerwerbende, der Hausteil wird zum Landwirtschaftsbetrieb gerechnet. Zusammen mit den Selbstversorgungsmöglichkeiten haben Bauernfamilien weit weniger unvermeidbaren Aufwand, so dass der Lohnrückstand zu einem beträchtlichen Teil kompensiert wird.
Der Bauernverband profitiert vom Goodwill der Bevölkerung gegenüber den kleinen und mittleren Bauern. Die alljährlichen Armutsklagen gehören zum unredlichen Verwirrspiel der Agrarlobby, das es aufzudecken gilt. Eine Wiedereinführung von Direktzahlungsgrenzen und verbunden damit die Erhöhung der Zahlungen an kleine und mittelgrosse Betriebe wäre der erste Schritt zur Verbesserung der Lage.
Gastbeitrag von Herbert Karch, ehem. Geschäftsführer der Kleinbauern-Vereinigung
„Wir Erben“

Solothurner Filmtage 22. – 29.1. 2025, nominiert für den Prix du publique
Ab 30.1.2025 in den Kinos
Gezeichnet 24
An der Vernissage im Museum für Kommunikation in Bern wurden die besten Pressezeichnungen ausgezeichnet. Die Ausstellung dauert vom 13. Dezember 2024 bis 23. Februar 2025.
Mit dabei an der Vernissage waren drei Generationen Grüne: Lisa Mazzone, Regula Rytz und Ruedi Baumann.

We need to talk
Zur Abwechslung mal in englisch….

Machtkampf
„Bei den anhaltenden Protesten in Frankreich gegen das EU-Mercosur-Abkommen spielt der Machtkampf zwischen den Bauernverbänden eine wesentliche Rolle. Bei den Wahlen der Landwirtschaftskammern im Januar 2025 geht es für die Verbände um politischen Einfluss.
Die Demonstrationen der Landwirte werfen nicht nur Bedenken hinsichtlich der Folgen der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und den Mercosur-Ländern für die französische Landwirtschaft auf, sondern sind auch ein Teil des aktuellen Wahlkampfs zwischen den Agrarverbänden.
Am 15. Januar 2025 können die französischen Landwirte ihre Vertreter für die örtlichen Landwirtschaftskammern wählen. Diese Vertreter fungieren dann als Sprecher des Agrarsektors gegenüber den Behörden.
Während die Verbände das EU-Mercosur-Abkommen einstimmig ablehnen, ist auf der Straße eine Spaltung zu beobachten.
„Die Demonstrationen im vergangenen Winter waren bereits vom Wahlkampf geprägt, aber seitdem überbieten sich die Verbände gegenseitig, weil alle auf sich aufmerksam machen wollen“, sagte Véronique Lucas, Agrarsoziologin beim INRAE (Französisches Nationales Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt), gegenüber Euractiv.
Bei den letzten Wahlen im Jahr 2019 ging der Nationalverband der landwirtschaftlichen Betriebsinhaber (Fédération Nationale des Syndicats d’Exploitants Agricoles, FNSEA) mit 54 Prozent der Stimmen als Sieger hervor. Den zweiten und dritten Platz belegten die rechtsgerichtete Coordination rurale und die linksgerichtete Confédération Paysanne mit 21 und 20 Prozent der Stimmen.
Ein Wahlsieg bedeutet Einfluss in den Landwirtschaftskammern und erhebliche öffentliche Mittel.
Seit den 1950er dominiert der konservative nationale Dachverband FNSEA die französische Landwirtschaft, er ist der Agrarindustrie nahestehend und gilt als exportfreundlich.
„Diese Hegemonie gibt es auch in anderen europäischen Staaten, wie in den Niederlanden“, erklärte der Experte, und weniger in föderalen Staaten wie Spanien und Italien, wo es mehr Pluralismus bei den Bauernverbänden gibt.
Gewerkschaftskriege
Bei den Protesten auf den Straßen Frankreichs in dieser Woche „kämpft jeder seinen eigenen Kampf“, sagte der Präsident der Coordination Rurale in Dordogne, Rémi Dumaure, gegenüber France bleu. Die regionale Vertretung der Coordination Rurale hat beschlossen, sich während der Demonstrationen nicht mit den anderen Gewerkschaften zu verbünden.
Die Rivalität zwischen FNSEA und der Coordination rurale hat sich verstärkt, seit Letztere im vergangenen Jahr mit Verkehrsblockaden besonders aktiv war. Im Februar entlud sich die Spannung auf der Landwirtschaftsmesse International de l’Agriculture in gewalttätigen Ausschreitungen.
„Die Coordination rurale hat bei den letzten Wahlen mehr Stimmen erhalten und ist seitdem in den Medien präsenter“, sagte Lucas und bezog sich dabei auf die Berichterstattung bestimmter konservativer Sender wie Cnews und BFM TV.
Die Confédération paysanne versucht, sich über ihren in Brüssel ansässigen Partner Via Campaesina auf europäischer Ebene im Mercosur zu positionieren. Die beiden Organisationen demonstrierten am vergangenen Mittwoch (13. November) in Brüssel als Reaktion auf einen Aufruf der wallonischen Organisation Fugea.
Wandel unwahrscheinlich
Mehrere Experten sagten gegenüber Euractiv, dass die FNSEA wohl kaum ihre Führungsposition bei den Wahlen im Januar verlieren werde.
Die Agrarsoziologin Lucas betonte jedoch, dass viele andere Themen die Wahl beeinflussen könnten: „Die Auswirkungen des Klimawandels, die Entwicklung von Tierseuchen, die Reaktion der Regierung auf die Anliegen der Landwirte – es gibt viele Faktoren, die entscheidend sein werden.“
Bündnisse zwischen der Confédération paysanne und der Coordination rurale sind weiterhin unwahrscheinlich. IIm vergangenen April hatten sie sich zusammengeschlossen, um das EU-Mercosur-Abkommen zu blockieren und Präsident Emmanuel Macron aufzufordern, sich für die Verbesserung der Einkommen der Landwirte einzusetzen.
Ein politischer Abschluss des Mercosur-Abkommens könnte Anfang 2025 nach den Wahlen der Landwirtschaftskammern erreicht werden. Das bedeutet, dass die Demonstrationen in der Zwischenzeit fortgesetzt oder sogar intensiviert werden könnten.“ (Bericht aus Euractiv von heute)

„Wir Erben“

Bild Marco Frauchiger
«Meine Eltern wollen uns ihr Lebenswerk vererben. Wir müssen reden. Über Erwartungen und Ideale. Über Privilegien und Bürden. Aber auch über Geld.» So formuliert Regisseur Simon Baumann seine Motivation zu seinem neuen Dokumentarfilm – und die ist in jeder Szene spürbar. Hartnäckig, mutig und mit liebevollem Witz geht Baumann diesen Fragen nach, beobachtet aus der Distanz, die ihm der Blick durch die Kamera ermöglicht, wie die beteiligten Familienmitglieder mit dem anfallenden Erbe umgehen und was es bei ihm selbst auslöst.
Selten ist über das Tabuthema Erben so offen, mutig und gleichzeitig so gelassen diskutiert worden. Der Film legt Familiengeschichten frei, streift Geschlechterdynamiken und individuelle Sehnsüchte, zugleich führt er, von der Familie ausgehend, immer wieder auf eine übergeordnete Ebene. Denn in der Art und Weise, wie wir als Erben mit unserem Erbe umgehen, das macht der Film klar, liegt letztlich auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Interview im „Der Beobachter“ von Helene Aecherli
Kinostart 30. Januar 2025
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