Le droit du sol
Hier in Frankreich spricht man von „droit du sol“ und meint damit das kardinale Prinzip der französischen Republik, dass wer auf französischem Boden geboren wird, automatisch auch die französische Staatsbürgerschaft erhält. In Frankreich geborene Kinder ausländischer Eltern erhalten heute automatisch die französische Staatsbürgerschaft sobald sie erwachsen werden und mindestens fünf Jahre in Frankreich gelebt haben.
Le droit du sol ist buchstäblich in den Genen der Franzosen eingeschrieben, wenn man bedenkt, dass 25% Franzosen mindestens einen ausländischen Grosselternteil haben (mich übrigens eingeschlossen… 😉 ).
Seit den 80er Jahren kennen – mit Ausnahme der Schweiz – die meisten europäischen Staaten „le droit du sol“.
Diese automatische Einbürgerung ist anerkannterweise eine der wertvollsten Integrationsmassnahmen. Bekämpft wurde sie bisher nur von dem rechts-populistischen, fremdenfeindlichen Front National (FN). Erstaunlich und betrüblich ist nur, dass jetzt sogar einzelne Exponenten der bürgerlichen UMP beginnen „le droit du sol“ öffentlich in Frage zu stellen.
Es wäre viel besser, wenn man hier und überall mehr über die Vorteile und die Gewinne der Zuwanderung und Integration sprechen würde. Was wäre Frankreich oder jede andere erfolgreiche Nation ohne die vielen grossartigen Leistungen von Zugewanderten! Das gilt übrigens auch für die Schweiz, gerade für die Schweiz!
1:12
Am 24. November wird bekanntlich in der Schweiz über die 1:12 Initiative abgestimmt. Selbstverständlich werde ich als Auslandschweizer vorbehaltlos ein Ja in die Urne werfen (bzw. elektronisch abstimmen), damit folgender Text in die Bundesverfassung aufgenommen wird:
„Der höchste von einem Unternehmen bezahlte Lohn darf nicht höher sein als das Zwölffache des tiefsten vom gleichen Unternehmen bezahlten Lohnes. Als Lohn gilt die Summe aller Zuwendungen (Geld und Wert der Sach- und Dienstleistungen), welche im Zusammenhang mit einer Erwerbstätigkeit entrichtet werden.“
Natürlich wird im Vorfeld der Abstimmung von Economiesuisse und rechtsbürgerlichen Kreisen einmal mehr der Teufel an die Wand gemalt und vom Untergang der Schweiz fabuliert, wenn gewisse Abzocker künftig „nur“ noch etwa eine halbe Million Jahressalär garnieren düften…
Lasst euch nicht für dumm verkaufen und stimmt Ja zu einer etwas gerechteren Lohnpolitik!
Grüner Katzenjammer
Bei den deutschen Wahlen haben die Grünen ein Debakel erlebt. Der Absturz zeichnete sich bereits währen dem Wahlkampf ab. Die grünen Freunde haben darauf gesetzt, dass man ehrlicherweise Steuererhöhungen und neue Steuern schon im Wahlkampf ankündigen muss…
Jetzt ist der ganze Bundesvorstand zurückgetreten, um einen Neuanfang zu ermöglichen.
Nicht eben besser geht es den französischen Grünen. Eben wurde bekannt, dass ein prominentes Mitglied, Noel Mamère, Abgeordneter, Bürgermeister in Bègles und ehemaliger Präsidentschaftskandidat aus der Partei austritt. Dabei macht er schwerwiegende Vorwürfe an seine Parteifreunde. Die Grünen seien nur noch ein Syndikat der Gewählten und würden ihre gesellschaftliche Rolle überhaupt nicht mehr wahrnehmen (Artikel in der heutigen Le Monde).
Eigentlich sind die Grünen zunehmen Opfer ihres eigenen Erfolgs: Langjährige Forderungen wie die Energiewende, die oekologische Steuerreform, die gesellschaftliche Oeffnung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren, der Verzicht auf Gentechnologie in der Landwirtschaft usw. sind inzwischen Realität oder zumindest auf guten Wegen. Die erforderliche gesetzgeberische Kleinarbeit ist zwar notwendig aber medial viel weniger attraktiv.
Ich glaube, auch bei den Grünen ist ein Generationenwechsel unumgänglich. Die Partei, die einmal mit einem Rotationsprinzip unter den Abgeordneten angetreten ist, hat inzwischen zu viele graue Häupter in ihren Führungsetagen.
Ämterkumulation, etwas das wir vor Jahrzehnten dem Politestablishement zum Vorwurf gemacht haben, ist leider auch bei diversen Grünen nicht mehr tabu!
Schlechte Aussichten für die Schweizer Grünen für die nächsten Wahlen? Nicht notwendigerweise, wenn die richtigen Entscheide rechtzeitig gefällt werden und frische Kräfte (Junge Grüne!) das Bild der Partei prägen (würden).
Wie weiter?
Oradour-sur-Glane
François Hollande und Joachim Gauck besuchen heute Mittwoch Oradour-sur-Glane hier im Südwesten (Limousin), das 1944 Schauplatz einer der schlimmsten Massenmorde an Zivilisten der Nazis war.
Die Dorfruinen von Oradour sind heute eine wichtige, stumme Gedenkstätte für Frankreich und ganz Europa.
Am 10. Juni 1944 wurden fast alle Einwohner des Dorfes von der SS-Division “Das Reich “ ermordet. Alle Männer wurden auf einem Platz zusammengetrieben, Frauen und Kinder in die Kirche eingesperrt. Dem folgenden Massaker entkamen nur wenige Einwohner. Die Männer wurden erschossen und nicht weniger als 207 Kindern und 247 Frauen starben qualvoll in der brennenden Kirche.
Auch innenpolitisch ist das Massaker von Oradour seit jeher eine sehr heikle Angelegenheit. Beteiligt waren nicht nur Deutsche, sondern auch Elsässer, die in die deutsche Wehrmacht eingegliedert wurden.
Weil Beteiligte nach der Verurteilung nach dem Krieg amnestiert wurden, hat das zu jahrzehntelangen Spannungen zwischen der Region Limousin und dem Elsass geführt.
Eine gute Gelegenheit für François Holland und den deutschen Bundespräsidenten Jochaim Gauck, an diesem traurigen Ort der europäischen Geschichte zu demonstrieren: Nie wieder!
Militärdienst in Europa
In Europa haben fast alle Länder vernünftigerweise die obligatorische Wehrpflicht abgeschafft.
In der Schweiz geht das leider einmal mehr (siehe Frauenstimmrecht oder UNO- und EU-Beitritt) etwas länger und braucht mehrere Volksabstimmungen.
Am 22. September stimmen wir über die Abschaffung der obligatorischen Wehrpflicht ab.
Ich empfehle ein vorbehaltloses JA!
Es gibt sinnvollere Beschäftigungen als Krieg zu spielen!
Präsidialer Besuch
Dem neuen französische Umwelt-und Energieminister Philippe Martin, Député du Gers, ist es wohl zu verdanken, dass der französische Präsident François Holland unserem Département einen zweitägigen Besuch abstattet. Gestern hat er in Auch übernachtet, den lokalen (Bio-) Markt besucht und u. a. diverse neuer Stadtteile und das Kloster in Flaran besichtigt.
Leider ist er am Abend an unserem Dorffest, fête de Traversères, nicht aufgetaucht…;-)
«Werum kenne mir üs nid besser?»
Die 1.August-Rede unseres Sohnes heute Abend in Grossaffoltern, jetzt schon auf dem Auswandererblog:
Neuer Minister
Unser Député (Abgeordneter in der Nationalversammlung) wird neuer Umweltminister in Frankreich.
Hierzulande werden Minister manchmal blitzartig ausgewechselt. Nachdem die bisherige Umweltministerin Delphine Batho heute morgen noch die ihr auferlegten Budgetkürzungen öffentlich kritisiert hat, war sie heute Abend bereits nicht mehr im Amt!
Als neuer Minister für Umwelt, nachhaltige Entwicklung und Energie ist Philippe Martin ernannt worden. Er ist einer unserer beiden Parlamentsabgeordneten. Das Departement Gers zählt nur zwei, notabene sozialistische, Abgeordnete. Zudem präsidiert Philippe Martin auch das Regionalparlament (conseil général) des Gers.
Allerdings sind die Ämterkumulationen (cumul des mandats) seit der Präsidentschaft Hollands verpönt und sollen demnächst untersagt werden. Philippe Martin wird aber auch als Minister Abgeordneter bleiben, seine Funktionen aber an seine Suppleantin abtreten.







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