Berlin wird abgerissen, Berlin wird gebaut
Wir sind drei Tage in Berlin. Am Alexanderplatz. Und zu Fuss unterwegs Unter den Linden, am Brandenburgertor, im Bundestag, in der Glaskuppel des Reichstags, am Mahnmal des Holocausts, am Potsdamerplatz, in der neuen Nationalgalerie, auf dem Kuhdamm, auf der Museumsinsel, an der Spree, auf dem Gendarmenmarkt, in Kreuzberg, im Tiergarten, auf dem Fernsehturm, in Prenzlauerberg, im Nicolaiviertel, am Checkpoint Charly, im Martin Gropiusbau, im Bauhausmuseum, in der Topographie des Terrors…..
Tolle Stadt, soviel Geschichte an einem Ort und gleichzeitig soviel Veränderung…
Hier wird der letzte Rest des Palast der Republik (DDR) abgerissen und heute soll bekannt werden, wie das Berliner Schloss aussehen soll, das an dieser Stelle wieder aufgebaut wird….
…. hingegen bleibt der Fernsehturm am Alexanderplatz als Wahrzeichen der früher geteilten Stadt bestehen.
Landschaft einst und jetzt
Wingreis ist eine alte Rebbausiedlung am linken Bielerseeufer. Vor hundert Jahren hat es da so ausgesehen…
Inzwischen wurde das Dorf durch die Bahnlinie und die Autostrasse gänzlich vom Seeufer abgetrennt. Als Kompensation wurde dafür ein kleiner Jachthafen angelegt. Kein Wunder, dass die Einheimischen, unterstützt durch Umwelt- und Landschaftsschutzorganisationen seit Jahrzehnten die Verlegung von Bahn und Strasse in den Berg verlangen. Schön wär’s!
Hüslischwyz
Es ist eng in der Schweiz. Auch unser Bauernhof wird zunehmend durch die Hüslischweiz eingeengt. Wir haben zwar Bahnanschluss mit Halbstundentakt. In 17 Minuten sind wir in Bern in 15 in Biel. Dafür haben wir auch den Lärm der Hauptstrasse. Die Autobahn A 6 ist nicht weit. Wenn im Herbst die Blätter fallen wird die Hüslischweiz sichtbar. Allerweltsarchitektur. Kein schönes Bild. Und trotzdem, Heimat.
Camille Claudel
Im Schloss Laverdens findet zur Zeit (aber nur noch wenige Tage) eine vielbeachtete Ausstellung über Werk und Leben der unglücklichen Camille Claudel statt.
„Camille Claudel setzte sich in den Kopf, Bildhauerin zu werden, obwohl man Frauen zu ihrer Zeit die Eignung für diesen Beruf absprach. Mit achtzehn begegnete sie dem vierundzwanzig Jahre älteren Bildhauer Auguste Rodin. Er verliebte sich in sie, mochte sich aber nicht zwischen ihr und seiner Lebensgefährtin entscheiden. Nach zwölf Jahren brach Camille Claudel die skandalöse Liebesbeziehung ab und versuchte, als Künstlerin aus seinem Schatten herauszutreten – doch sie zerbrach daran und wurde von ihrer Familie zwangsweise in eine Irrenanstalt eingewiesen, in der sie die letzten dreißig Jahre ihres Lebens verbrachte.“ (Biografie, Kurzfassung).
Rodins Skulpturen sind weltberühmt. Aber möglicherweise wurden mehr Werke von Camille Claudel gestaltet als ihr wirklich zugeschrieben werden. Jedenfalls zeugen die ausgestellten Arbeiten von einem Jahrhunderttalent. Der Film über das Leben der Camille Claudel hat dazu beigetragen, dass die Künstlerin inzwischen in Frankreich höher eingeschätzt wird als Auguste Rodin selbst.
La valse…
… und wenn Camille plötzlich selber auftauchen würde….
(Photomontage Stephanie)
Château Laverdens im Gers
Durch diese hohle Gasse…
…zwar nicht Gessler, aber vielleicht Napoléon, wer weiss… aber lassen wir das. Die Eichen dürften jedenfalls über dreihundert Jahre alt sein.
Salon d’antiquités
In und um das Schloss Terraube in der Lomagne fand am letzten Sonntag ein bemerkenswerter Antiquitätensalon statt. Hier ein paar Impressionen
Saemann, 1600 €…
Badewanne, teurer…
Hauseingang, unbezahlbar….
Entdeckungen – Découvertes
In Le Somail, nördlich von Narbonne direkt am Canal du midi gelegen, findet man ein eindrückliches Buchantiquariat, ein kleines Paradies für Bücherwürmer und Leseratten. Von Maupassant in einer ledergebundenen Ausgabe bis zum „Paris Match“ vom November 1947 findet man hier (fast) alles was einmal gedruckt wurde: Le Trouve Tout du Livre!
Canal du midi
Der Canal du midi ist ein faszinierendes Bauwerk, eine Ingenieurleistung erster Güte! Gebaut in den Jahren 1667 – 1681 (in nur 14 Jahren!) von Pierre-Paul Riquet und tausenden von Arbeitern begeistert der Kanal noch heute alle Seeleute, Wanderer, Freizeitkapitäne, Velofahrer, Naturschützer und Ingenieure und gilt zurecht als Weltkulturerbe!
Ich habe per Velo erst mal die Strecke Toulouse-Narouze abgefahren. Der Kanal verbindet dank der Garonne aber eigentlich les deux meres, den Atlantischen Ozean mit dem Mittelmeer. Die Strecke von Toulouse bis Sète am Mittelmeer beträgt 240 km und mittels 63 Schleusenanlagen wird eine Scheitelhöhe von 194m überwunden! Luftlinie Bordeaux-Mittelmeer 450 km.
Alles Wissenswerte und viele Bilder über den Canal du midi findet man hier!
Ironie der Geschichte: Die Ruhe des Kanals wird teilweise durch die Autobahn A61 beeinträchtigt, auf der nun alle Transporte abgewickelt werden… Und für mich als Velowanderer hat es eindeutig zuwenig Beizen am Canal….
Hausgeschichte(n)
Unsere Ferme hat eine wechselvolle Geschichte. Nach und nach haben wir im Laufe der Jahre von älteren Dorfbewohnern gehört wer, wann und wie auf La Oueyte gebauert hat.
Von Zeit zu Zeit kommen auch Leute vorbei, die auf der Suche ihrer Familienwurzeln wertvolle Hinweise liefern. Gestern waren Leute aus Nizza hier, deren Grossvater, Monsieur Roucquau, Ende vorletztes Jahrhundert noch hier geboren und jahrelang Maire in Traversères war. Langsam können wir Schritt für Schritt die Geschichte unseres Hofes rekonstruieren:
Jahr 2000: wir kaufen die stillgelegte Ferme La Oueyte mit 70 ha zum Preis von 600’000 sfr., bauern seither biologisch und setzen Gebäude, Umgebung und Felder wieder instand.
1963 – 2000: die Familie Prost (pieds noir = Algerienheimkehrer) bewirtschaften den Hof und bauen vieles um. Ein alter Turm und ein Pigeonnier werden (leider) abgebrochen. Es werden Milchkühe, Gänse und Enten gehalten. Da keines der vier Kinder weiterbauern will, wird der Hof mittels EU-Subventionen anfangs der 90er Jahre stillgelegt.
vor 1963: die Bauernfamilie Forget bewirtschaftet den Hof für einige Jahre um dann ganz in der Nähe einen grösseren Hof zu kaufen
nach 1945: deutsche Kriegsgefangene werden auf dem heruntergekommenen Betrieb einquartiert und müssen die Mauern die den Hof umgeben abbrechen und eine Zufahrtsstrasse bauen. Es wird gesagt, sie hätten ihre Waffen in ein altes Cheminée eingemauert…
während dem zweiten Weltkrieg: eine ältere Frau aus der Umgebung (M. Cassaigne) erzählt uns, dass sie zusammen mit ihrer Mutter auf dem Hof aufwachsen durfte, nachdem ihr Vater die junge Familie verlassen hatte.
vor dem Krieg: ein früherer Besitzer sei Konkurs gegangen und musste Haus und Hof verlassen….
um die Jahrhundertwende: die angesehenen Familie Roucquau, Gemeindepräsident, und Peyrusse, Député wohnen und bauern auf La Oueyte und in Aulin. Alte eindrückliche Familiengräber auf dem Friedhof sind heute noch Zeugen aus dieser Zeit.
Bern, schönste Stadt der Schweiz
Die jahrelangen Umbauarbeiten haben sich gelohnt: Bern präsentiert sich von seiner schönsten Seite! Ich bin, wie alle, von den Wasserspielen vor dem Bundeshaus begeistert und finde den Baldachin geradezu genial. Gratulation an die rotgrüne Stadtregierung und Empfehlung an alle AuslandschweizerInnen: Bern ist mehr denn je eine Reise wert!
Bern vom Aargauerstalden aus…
… und der neue Baldachin beim Bahnhof
Viel wissenswertes über Bern im Stadtwanderer





















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