Süsse Ernte
In der Schweiz beginnt heute die Zuckerrübenernte. Weil die kontingentierte Anbaufläche etwas erhöht wurde, beginnt die Verarbeitungskampagen früher als üblich. Die 7000 Zuckerrüben-Produzenten der Schweiz freuen sich auf eine gute Ernte. Anbau und Ernte der Zuckerrüben ist inzwischen vollständig mechanisiert. Unkraut-, Krankheits- und Schädlingsbekämpfung erfolgt inzwischen ausschliesslich durch chemischen Pflanzenschutz.
Das war früher anders: die Zuckerrüben-Pflänzchen mussten auf den Knien von Hand vereinzelt und das Unkraut auch von Hand entfernt werden. Harte Kinderarbeit war das in der „guten, alten Zeit“.
Farmer John
Vom Geschäftsführer der Kleinbauernorganisation habe ich eine Film-DVD erhalten über das Leben des Farmer John. Ein Bauernleben aus den USA, bodennah erzählt mit viel Gefühl für die Sorgen und Nöte einer ganzen Bauerngeneration. Ein cooler Film mit überraschendem Ausgang. „Die Ackererde schmeckt gut heute“, sagt Farmer John am Ende des Films. Ich fand viele Parallelen zu meinem Bauernleben….
Hier der Trailer (in englisch):
THE REAL DIRT ON FARMER JOHN Theatrical Trailer
Herbstweide
Wir haben nach der Ernte etwa 40 Hektaren Weide-und Grasland eingezäunt. Seit ein paar Tagen weiden nun etwa 40 Kühe unseres Nachbars Jean- Michel auf den Futterflächen. Die sogenannten „Landes“ sind lockere Eichenwälder und ideale Weideflächen für die Wiederkäuer. Die Beweidung ist wichtig, damit nicht Dornen und Gebüsche überhand nehmen und wir uns im Frühjahr weiterhin über die Orchideenpracht freuen können!
Die zahlreichen Eichen sind aber auch ideale Schattenspender für die Kühe. Immerhin soll es heute wieder 29 Grad warm werden.
Die Kuhherde ist während dem Fressen immer in Bewegung. Eine Leitkuh gibt den Parcour vor, die Herde folgt. Fast wie bei der SVP.
Die Früchte der Arbeit
Stephanies Tagwerk (von links nach rechts):
Zucchini-Cake, süss-saure Quitten, Pasta-Gemüse in Olivenöl (Zucchini, Peperoni, Tomaten, Auberginen), Feigenkonfitüre, Feigen in Zuckersirup, Brombeerkonfiture……
Brombeeren (Rubus fruticosus)
Auf unserer Ferme wachsen sehr viele Brombeeren (ronce). In den Feldern sind sie lästig als sehr hartnäckiges Unkraut. Ich werde jetzt mit Kulturmassnahmen vesuchen ihnen zu Leibe zu rücken, nachdem ich mit Grubber und Déchaumeur wenig Erfolg hatte. In den nächsten zwei Jahren will ich mit Luzerne-Anbau und mehrmaligen tiefen Schnitten pro Jahr die Brombeernester aushungern.
Erwünscht sind die süssen Früchte hingegen in unseren Hecken. Wir sind jetzt fast täglich auf Sammeltour. Man schafft etwa 1 Kilogramm pro Stunde.
Die Brombeeren lassen sich zu zahlreichen Köstlichkeiten verarbeiten und sollen sehr vitaminreich sein: 55 Brombeerrezepte.
Über die Arbeit
Ich geniesse die Freiheit zu arbeiten wann und wie ich will. Ich bin gerne am morgen früh oder abends spät auf dem Feld. Die Sonnenaufgänge hier im Südwesten sind unbeschreiblich…. douce France! Oder am Abend der langsame Sonnenuntergang, kitschig rote Wolkenstreifen, die Sonne ein Feuerball, davor die Siluette einer frei stehenden schwarzen Eiche… sagenhaft!
Der herrliche Geruch der bearbeiteten Erde, scheue Rehe am Waldrand, nervöse Rebhühner, hin und wieder ein stolzer Fasan, manchmal weidende Wildschweine, majestätisch kreisende Raubvögel…. wer hat schon so einen phantastischen Arbeitsplatz?
Ich erlaube mir auch am Sonntag zu arbeiten weil ich niemand störe. Die nächste Ferme ist kilometer weit entfernt.
Wir haben darauf gehofft, einen stillgelegten Nachbarhof noch zuzupachten. Leider hat sich die zuständige Erbengeneinschaft entschieden, den 50-Hektaren-Hof vorläufig nicht zu verpachten. Schade!
Mit unseren rund 70 Hektaren bin ich als Cerealier arbeitsmässig nicht ausgelastet. Klar, alles ist eine Frage der Organisation. Wir könnten mehr Gemüse, mehr Reben, mehr Obstbäume usw. pflanzen. Aber schliesslich arbeiten wir ja um zu leben und wir leben ja nicht nur um zu arbeiten!
Panne
Es ist immer das Gleiche: Pannen ereignen sich immer am Wochenende, wenn alle Ersatzteillager und Wekstätten geschlossen sind. Nach rund 20 mm Niederschlägen lässt sich der sonst steinharte Boden (argilleux calcaire) sehr gut bearbeiten. Es „härdet“ wie man so schön sagt, wunderbar. Aber jetzt ist ein Teil meines Déchaumeurs gebrochen und Ersatzteile gibt es frühestens nächste Woche. Dabei habe ich erst 12 Hektaren der 40 Hektaren bearbeitet. Zwangspause…..
Steigende Preise wegen Klimawandel
Der kühle und nasse Sommer hat in Frankreich zu einer insgesamt schlechten Getreideernte geführt. Die Wetterbedingungen waren ideal für Pilzkrankheiten und haben entsprechend auf die Weizenerträge gedrückt (66,5 quintaux de blé par hectare, 3 quintaux de moins qu’en 2006). Frankreich ist weltweit der fünftgrösste Getreideproduzent.
Aber auch in anderen getreideproduzierenden Ländern herschten schlechte Wetterbedingungen, wie beispielsweise die extreme Trockenheit in Australien und in der Ukraine, und haben die Erträge einbrechen lassen.
Auf der anderen Seite nimmt der Verbrauch zu: Biotreibstoffe (Aethanol) und die Verwertung über Tiermägen (Milch und Fleisch) haben zwar einen sehr schlechten Wirkungsgrad aber erhöhen die Nachfrage.
Dazu kommt, dass sich auch in Indien und China dank steigendem Wohlstand die Ernährungsgewohnheiten ändern, was ebenfalls zu einem vermehrten Getreidekonsum führt.
Das Resultat all dieser Faktoren ist relativ dramatisch: seit 2004 ist der weltweite Weizenkonsum höher als die Produktion und die Weltvorräte waren seit 28 Jahren noch nie so tief!
Diese Entwicklung hat die Weltmarktpreise explodieren lassen: innerhalb eines Jahres sind sie um 86% angestiegen!
Auch wenn die Rohstoffkosten (Produzentenpreis für Weizen) im Brotpreis nur wenige Prozente ausmachen, scheint sich jetzt weltweit eine Spirale zu höheren Nahrungsmittelpreisen zu drehen (teureres Getreide, teureres Viehfutter, teurere Milch, teurere Milchprodukte usw.).
In der EU wird in den nächsten Tagen darüber beraten, ob die zwingenden Stillegungsflächen (10% der einzelnen Betriebsfläche müssen nicht zuletzt aus Naturschutzgründen Brachflächen sein) aufgehoben werden sollen!
Auch wenn man sich als Bio-Getreideproduzent grundsätzlich über höhere Getreidepreise freut, bin ich nicht sicher, ob die Entwicklung nicht mehr Schaden als Nutzen bringt.
Affaire à suivre!
Dreschen wie annodazumal…
Battage à l’ancienne heisst ein jährliches Fest hier in Auterrive. Dabei wird mit bald hundertjährigen Maschinen Getreide geerntet (Bindemäher, Lieusen) und auch mit alten Dreschmaschinen gedroschen. Als Zugkräfte werden wieder alte Ochsengespanne oder alte, eisenbereifte Traktoren eingesetzt. Daneben, toute la journée, exposition de materiel ancien. Unter den Pappeln, am Ufer des Gers wird natürlich auch ausgiebig getafelt (Repas des battusaires sous la peupleraie). Im Holzofen wird Brot gebacken, es gibt Grillades und Folklore gascon.
Retrouvez la vie d’autrefois tout un week-end!











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