AUSWANDERERBLOG

Landschaftsschutz

Posted in Politik by ruedibaumann on April 25, 2016

Landschaft.jpg

Foto Franziska Rothenbühler „Der Bund“

Langsam setzt sich in der schönen Schweiz die Erkenntnis durch, dass die ausufernde Zersiedlung der Landschaft begrenzt werden muss. Jahrzehnte nach dem Erlass des Raumplanungsgesetztes und diversen Ergänzungen kommt man mehrheitlich zum Schluss, dass die Bauzonen zu gross geraten sind, dass man nicht immer auf der grünen Wiese weiterbauen kann, dass der Schutz des Kulturlandes verstärkt werden muss und damit weiteres bauliches Wachstum nur noch durch eine Verdichtung innerhalb des Siedlungsgebietes realisiert werden kann.

Die Bauern selber machen mit diversen Volksinitiativen auf kantonaler und eidgenössischer Ebene darauf aufmerksam, dass der Kulturlandschutz höhere Priorität verdient. Soweit so gut.

Wenn man nun aber aufmerksam die Schweizer Landschaft betrachtet, dann fällt auf, dass gerade in freien Landwirtschaftsflächen vermehrt Bauten entstehen, die den schönen Grundsätzen des Landschafts- und Kulturlandschutzes diametral entgegenlaufen! Pouletmasthallen, Hallen für Legehennen, Schweinemast- und Zuchtbetriebe, Reithallen, landwirtschaftliche Aussiedlungen die eher einem Industriebetrieb gleichen als einem Bauernhof…. usw.

Oft sind es die Bauern selber, die ziemlich rücksichtslos intakte Landschaften mit hässlichen Bauten und Einrichtungen maximal beeinträchtigen. Offenbar ist hier die notwendige Sensibilisierung noch nicht weit fortgeschritten: Kulturlandschutz selbstverständlich, aber doch nicht bei uns…

Dass im Tourismusland Schweiz künftig für Wohn- und Gewerbebauten nicht mehr einfach überall darauf losgebaut werden darf, ist verständlich. Wenn aber an privilegierten Wohnlagen ohne weiteres grosse Hühner- und Schweineställe gebaut werden dürfen, dann stimmt etwas nicht mehr! Ferienland Schweiz und Tierfabriken, das geht einfach nicht!

Ähnlich verhält es sich mit bäuerlichen Unternehmen: die landwirtschaftlichen Genossenschaften (Landis) zeichnen sich mit ihren Verkaufsläden geradezu damit aus, mit ebenerdigen, einstöckigen hässlichen Bauten und grossen Parkflächen einen maximalen Kulturlandverschleiss zu betreiben!

Sorge tragen zum Bauernland, Rücksicht nehmen auf die Landschaft, damit sind immer alle einverstanden. Im Konkreten aber – auf eine neue Masthalle zu verzichten, Verkaufsläden bodensparend zu realisieren, zwingende Aussiedlungen landschaftsschonend zu gestalten… da besteht noch viel Verbesserungsbedarf!

Übrigens: früher gab es doch so etwas wie eine Bauern- und Dorfkultur mit schönen Riegbauten, Stöcklis und prächtigen Bauerngärten. Da waren Einzelhöfe eine erwünschte Bereicherung der Landschaft.

Und heute? Ich vermisse jedenfalls bei den meisten landwirtschaftlichen Aussiedlungsbetrieben eine neue architektonische Handschrift, ich meine nicht „bluemetes Trögli“, sondern zeitgemässe Bauten, die sich in die Landschaft einfügen (auch mit Photovoltaik) und nicht nur unsere Augen beleidigen…

„Welche Bausau hat diesen Saubau…“, Sie wissen schon. Oder fällt das alles nur uns Auslandschweizern auf?

 

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2 Antworten

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  1. ulrich ineichen said, on April 25, 2016 at 1:13 pm

    lieber ruedi, recht hast du, wenn du recht hast und die gängige praxis für landw. neubauten hinterfrägst. das landschaftliche unglück neuer hühner- und anderer ställe jedoch nur auf den bauwilligen bauern reduzieren zu wollen, ist nicht recht. ebenso unrecht ist, ihnen verständnis für ästhetik abzusprechen. viel häufiger wäre aus schillers wilhelm tell zu zitieren: „…, wenn es dem bösen nachbarn nicht gefällt.“. der schönste riegelbau im dorf wird niemals mehr einen schweinestall aufnehmen dürfen.
    ueli

  2. Walter Blattmann said, on April 27, 2016 at 10:26 am

    teiweise richtig, aber eben auch nicht. Es war in den 60er Jahren, als Krippendorf sein Buch „Die Landschaftsfresser“ publizierte. Provokativ und wurde in den meisten Kreisen nicht verstanden. Es war auch die Zeit der grossen Auseinandersetzung mit der Raumplanung. Thema: Mehwertabschöpfung: Ungeheuerlich und vor allem von den Nutzniessern nicht goutiert. Wie weit die Bauern an der heutigen Enwicklung mitschuldig sind – ich glaube erheblich und wiederum nicht – schwierig die Sache. Luzius Burckhardt meint; Landschaft sei das was wir in unserem Kopf aus ihr machen. Das Problem scheint, dass sich eben die Aesthetik mit in die Thematik einmischt. Die Winzer scheinen da nicht mehr zum Bauernstand zu gehören. Sie bauen teilweise grossartige neue Höfe / Kellereien. An den Architekten scheint es also auch nicht zu liegen. Wer mit dem Eigentum machen kann was er will, scheint das Problem auch nicht zu vereinfachen. Ich wünschte mir. U. Ineichen würde versuchen den Blog von dir Ruedi zu verstehen. Du bist zwar ein akademisch gebildeter Bauer, aber man kann sich das Gefühl für das Ganze auch ausserhalb des akademischen holen. Das Ganze schent eben zu einem guten Teil mit Bildung und (verzeihung) Kultiviertheit zu tun zu haben. Der schönste Riegelbau im Dorf verdient eben gerade keinen Schweinestall. Da scheint eine tiefsinnige Erkenntnis drin zu liegen.


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