AUSWANDERERBLOG

Eins im Andern

Posted in Literatur by ruedibaumann on März 23, 2016

Monique Schwitter erhielt für ihren Roman „Eins im Andern“ den Schweizer Buchpreis.

Die Kritiker sind sich nicht einig, ob ihr Roman diese Auszeichnung verdient. Von Wohlstandsmelancholie reden die einen, von einem grossen Liebesroman die andern.

Ich habe mich von dem esoterisch-religiös anmutenden Titelbild nicht abschrecken lassen und das Buch gelesenen. Durchaus mit Vergnügen. Aber lesen Sie selbst.

 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.09.2015
Den hymnischen Besprechungen ihrer männlichen Kollegen zu Monique Schwitters neuem Roman „Eins im Andern“ kann sich Rezensentin Kristina Maidt-Zinke ganz und gar nicht anschließen. Überkonstruiert erscheint ihr der Roman, in dem die Autorin auf die zwölf Männer ihres Lebens zurückblickt, elf von ihnen die Namen der Apostel gibt und dabei leider nicht mehr zwischen autobiografischer Authentizität und Redundanz zu unterscheiden vermag, so Maidt-Zinke. Ironie und Kunstfertigkeit sucht die Kritikerin ebenfalls vergebens und mit zunehmender Erschöpfung hinterlässt der Roman bei ihr den Eindruck von mit „Bildungsgut unterfüttertem Dauerpathos“. Die Lektüre mag für Männer bauchpinselnd sein, für Frauen ist sie enttäuschend, schließt die Rezensentin.
Lesen Sie die Rezension bei buecher.de
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 08.08.2015
Sanften Blick und harten Tritt attestiert Rezensent Phillip Theisohn Monique Schwitter verzückt nach der Lektüre ihres neuen Romans „Eins im Andern“. Gebannt folgt er hier der an einem Buch arbeitenden Erzählerin, die wie beim Abendmahl zwölf Männer, vielmehr Apostel um sich versammelt und sich nach jeder endenden Beziehung fragt, wohin die Liebe geht, wenn sie geht. Und so begegnen dem Kritiker in diesem dramaturgisch komplexen, mit biblischen Motiven spielenden Text zahlreiche mysteriöse, teils malträtierte Männer; der in seiner Erschöpfung an Giacomettis „Taumelnden Mann“ erinnernde Thadeusz etwa oder Andreas, dessen Oberlippe von einer Ratte zerbissen wird. Nach diesem großen Liebesroman, der die „Bestie“ Liebe auch in Form von kafkaesk anmutenden Tieren auftreten lässt, möchte der Rezensent am noch weiter in den Kanon der Liebesliteratur eintauchen – etwa mit Kleists „Penthesilea“ oder Büchners „Woyzeck“.

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Eine Antwort

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  1. Franz Schweizer said, on März 23, 2016 at 8:52 am

    Das Buch von Meral Kureyshi – «Elefanten im Garten» – das ebenfalls für den Buchpreis nominiert war, ist aus meiner Sicht ein sehr bemerkenswertes Buch und ein äusserst gelungener Debütroman. Dazu kommt natürlich, dass Meral die Oberstufe bei uns in Neuenegg besucht hat. Als ihre Lehrer sind wir natürlich besonders stolz.

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