Laizistische Republik – république laïcque
Der Laizismus wird in Frankreich strikt praktiziert. Der Staat sieht es als Aufgabe an, seine Bürger gegen religiöse Praktiken, die der öffentlichen Ordnung oder den Rechten des Einzelnen zuwiderlaufen, zu schützen. In französischen öffentlichen Schulen ist es verboten, Lehrer oder Schüler nach ihrer Religion zu fragen. Frankreich betrachtet die religiösen Auffassungen der Bürger als reine Privatsache; es gibt keine amtlichen Statistiken zur Konfessionszugehörigkeit der Bevölkerung. Dies hat unter anderem zur Folge, dass es in der aktuellen politischen Debatte in Frankreich zu Segregation oder Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt keine verlässlichen Zahlen gibt. Der Bau von Gotteshäusern (Kirchen, Minarette usw.) wird als Privatangelegenheit betrachtet und nach den üblichen Bauvorschriften behandelt.
Ganz anders als in der Schweiz werden an Religionsgemeinschaften auch keine staatlichen Zuschüsse ausgerichtet. Unsere alten Dorfkirchen und Kapellen gehören der Gemeinde. Wer will, kann sie für einen beliebigen Anlass mieten. Es gibt keinen staatlich besoldeten Pfarrer oder Geistlichen.
Seit 2004 ist es auch untersagt, in öffentlichen Schulen auffällige religiöse Zeichen zu tragen, wie Schleier, Kippa, Kreuze, Turbane (bei Sikhs) oder Ordenstracht.
Kürzlich hat Präsident Sarkozy vorgeschlagen, das Tragen der Burka (Ganzkörperverhüllung) in der Öffentlichkeit zu verbieten, weil das nicht als religiöses Zeichen zu werten sei, sondern vor allem die Frauen diskriminiere. Jetzt soll darüber in einer Kommission entschieden werden.
(aus Le Monde vom 1. Juli 2009)
„Il n’y a aucune question taboue. On va faire un état des lieux de cette prison de tissu et on va ouvrir un dialogue avec les associations féminines, les associations laïques et les musulmans.“
Déclaration du député communiste André Gerin chargé de présider la mission d’information sur la burqa, mise en place officiellement hier. Avec le plein soutien du gouvernement, quatre groupes politiques de l’Assemblée nationale (UMP, NC, PS, PCF) ont pour mission de dépassionner le débat et d'“ouvrir un dialogue“.
(Le Monde électronique 2. Juli 2009)

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