AUSWANDERERBLOG

Schafskälte

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on April 18, 2007

Ich weiss, die sogenannte Schafskälte erwartet man sonst üblicherweise erst im Juni. Aber in den letzten Tagen war es hier im Südwesten empfindlich kalt und richtiges Hudelwetter.
Ein Blick auf die Meteokarten bewies, dass gleichzeitig in der Schweiz hochsommerliche Temperaturen herrschten. Pech für alle weitgereisten Sonnenhungrigen! Sonst haben wir hier immer 5 bis 10 Grad wärmer als in der Schweiz. Wir versprechen, dass es ab sofort wieder besser wird…..

Marinuccis in den Landes

Bauernregel

Temperatur im Moment: hier 15 Grad, Bern 8 Grad Meteo France

Das richtige Mass

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 17, 2007

Wie gross muss ein Bauernbetrieb sein, um überleben zu können. Wie rationell muss er betrieben werden?
Diese Fragen beschäftigen die Landwirtschaftspolitik weltweit seit Jahren. Sie werden meistens überall gleich beantwortet: grösser und rationeller als heute!

Im Département Indre, in Zentralfrankreich, haben zehn Landwirte ihre bereits ansehnlichen Ackerbaubetriebe zu einem Grossbetrieb von 3000 Hektaren zusammengelegt und sich gleichzeitig ganz aus der eigentlichen Hofarbeit in die strategische Führung zurück gezogen.

Bauern-Verwaltungsrat

Sie bilden zusammen so etwas wie einen Verwaltungsrat, der sich wöchentlich in einem Sitzungszimmer versammelt, um alle für diese grosse Exploitation wichtigen Fragen zu diskutieren und zu entscheiden.

Auch treffen sich die Besitzer regelmässig zu Feldbegehungen, um an Ort und Stelle die notwendigen oder schon erledigten Kulturmassnahmen besichtigen zu können.

Daneben haben sie Zeit, um anderen Aktivitäten nachgehen zu können.
Denn die eigentliche Arbeit auf dem Feld wird von sieben Traktorführern und drei Chauffeuren erledigt, selbstverständlich alle mit geregelten Arbeitszeiten und mit Handy und Fahrzeugen ausgerüstet.

Gemanagt werden diese Feldarbeiter von zwei Technikern, die dem „Bauernverwaltungsrat“ direkt unterstellt und verantwortlich sind. Diese Techniker, die selber auch nicht Hand anlegen und nur vom Büro aus bauern, sind also die operative Leitung des Unternehmens.

Denn es hat sich bald gezeigt, dass nicht jeder der zehn bisherigen Bauern auch noch ein wenig befehlen kann. Darum haben sie sich darauf geeinigt, dass ausschliesslich die Techniker den Leuten auf dem Feld Befehle erteilen dürfen.

Ein moderner Grossbetrieb

Aus ursprünglich zehn vielseitigen Familienbetrieben mit ein bis zwei Arbeitskräften und dezentralen Entscheidungsstrukturen entstand ein Grossbetrieb mit zehn Feldarbeitern ohne Entscheidungsbefugnis, zwei Technikern plus Sekretariatspersonal für die operative Leitung und eine zehnköpfige Bauernkommission die ausschliesslich für strategische Fragen zuständig ist.

Ist das die Zukunft der Landwirtschaft? Unsere Antwort steht hier, in der swissinfo-Kolumne von diesem Monat!

Düngung

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 16, 2007

Um in der Landwirtschaft gute Erträge zu erzielen brauchen die Pflanzen Nährstoffe. In der Regel werden Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kali (K) gedüngt. In den Gewässern fördern die P-Dünger das Algenwachstum und führen zu Problemen in den Mittellandseen. Insbesondere in Regionen wo zu viele Nutztiere pro Flächeneinheit gehalten werden.
Die N-Dünger werden in den Ackerbauregionen grösstenteils in Form von chemischen Handelsdüngern (Kunstdünger) ausgebracht. Durch die N-Düngung ist die Nitratbelastung in vielen Trinwasserfassungen über gewisse Grenzwerte gestiegen. Zuviel Nitrat im Trinkwasser und Gemüse kann Krebs verursachen.
Im Biolandbau sind mineralische Dünger (Chemische Kunstdünger) untersagt. Gedüngt wird nur mittels organischen Hofdüngern oder anderem organischen Material wie Buchon de plume (Hühnerfedern), Knochen- oder Algenmehl usw.. oder Gründüngung.
Die Stickstoffdüngung wirkt sich sehr direkt auf die pflanzlichen Erträge und den Eiweissgehalt (beim Getreide) aus.

Wir haben uns entschlossen keine (teuren) organischen Dünger zuzukaufen, sondern zu versuchen, den N-Bedarf unseres Weizens mittels den Pflanzenresten der Vorfrucht zu decken. Das heisst, dass wir in der Fruchtfolge vor dem Getreide eine Leguminosepflanze anbauen, die die Fähigkeit hat, den N aus der Luft zu binden. Das können Bohnen, Erbsen, Klee oder Luzerne sein.
Natürlich sind durch diese reduzierte Düngung die Erträge deutlich tiefer als in der konventionellen Landwirtschaft (-30%). Zurzeit sieht man den Unterschied in der Farbe der Getreidefelder: stark gedüngte Äcker sind dunkelgrün, fast blaugrün, schwach gedüngte Biofelder hingegen eher hellgrün oder fast gelblich.
Dafür bleibt das Grundwasser sauber und die Umwelt intakt! Aber ich gebe gerne zu, dass mein Agronomen-Herz manchmal etwas blutet, wenn ich meine schwach gedüngten Felder mit denjenigen gewisser Nachbarn vergleiche….

Frankreich vor den Wahlen

Posted in Politik by ruedibaumann on April 15, 2007

Frankreich müsse sich anpassen, wolle aber nicht. Oder Frankreich sei wie Jemand, der mit einem Zweitklassticket erste Klasse fahren wolle. Frankreich kennt die 35-Stunden-Woche, Pensionsalter 58, Mutter- und Vaterschaftsurlaub und Ganztagesschulen und -krippen ab zwei Jahren. Die französische Krankenkasse entschädigt Arzt, Zahnarzt, Augenarzt und Optiker. Frankreich hat viele Kinder und die schnellsten Züge. In Frankreich herrscht Liberté, Égalité, Fraternité und Solidarité.
Frankreich ist keine Insel und Frankreich muss wählen und weiss nicht wen….
Douce France….

La Ouaitte

Sie haben die Wahl

Orchideengalerie

Posted in Orchideen by ruedibaumann on April 14, 2007

Täglich entdeckt Stephanie neue, noch seltenere Exemplare….. Orchis morio!

Orchis morio

Links und rechts in der Politik

Posted in Politik by ruedibaumann on April 13, 2007

Der Gegensatz zwischen rechts und links in der Politik ist nicht mehr so klar wie früher. Daniel Cohen hat gestern in der Le Monde zwei hauptsächliche Masstäbe genannt: den kulturellen und den wirtschaftlichen Liberalismus.
Die politische Linke ist kulturell liberal indem sie beispielsweise Minderheiten verteidigt, die gleichen Rechte für gleichgeschlechtliche Paare fordert, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch befürwortet usw.. Die politische Rechte hingegen ist gesellschaftlich und kulturell konservativ, verteidigt die Institution Familie und traditionelle Moralwerte.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist genau das Gegenteil der Fall: die liberale Rechte befürwortet die individuelle Initiative und die Konkurrenz, die Linke hingegen ist wirtschaftlich konservativ und will die alten Werte der Solidarität und der Sozialrechte retten.
Darum beschränkt sich der Gegensatz rechts-links nicht einfach auf die Linie liberal-antiliberal, sondern er verlagert sich vielmehr auf die Diagonale kulturell-konservativ und oekonomisch-liberal auf der rechten Seite und kulturell-liberal und oekonomisch-konservativ auf der linken Seite des Politspektrums. Gemäss verschiedenen Untersuchungen würden sich etwa 60% der Französinnen und Franzosen so definieren lassen.
Aber daneben gebe es zwei „heterodoxe“ Gruppen die sich nicht so einteilen lassen: diejenigen die konsequent kulturell und oekonomisch liberal sind oder eben im Gegensatz dazu die kulturell und wirtschaftlich Konservativen.
Zu der ersten Gruppe gehören die sogenannten „bobos“ (bourgeois bohèmes), kulturell liberal (also politisch „links“) und wirtschaftlich auch liberal (also politisch „rechts“). Dazu rechne man etwa 15% der französischen Bevölkerung.
Und schliesslich die rundum Konservativen, die sogenannten „défiants„, die alle alten Werte verteidigen, und nicht weniger als 25% der Wählerinnen und Wähler umfassen sollen.
Wahrscheinlich weil das alles so kompliziert geworden ist, wissen 40% der französichen WählerInnen auch eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen immer noch nicht wen sie wählen sollen….

Vote utile

Posted in Politik by ruedibaumann on April 12, 2007

Von den 12 Präsidentschafts-KanditatInnen haben 8 keine Wahlchancen. Zudem ist davon auszugehen, dass niemand im ersten Wahlgang vom 22. April gewählt wird. Zum alles entscheidenden zweiten Wahlgang können nur die zwei Bestplazierten antreten. Darum ist es wichtig, dass die StimmbürgerInnen schon im ersten Wahlgang ihre Stimme nicht an völlig chancenlose KandidatInnen „vergeuden“.
Man muss nach den unzähligen Sondages davon ausgehen, dass der rechte Sarkozy im ersten Wahlgang am meisten Stimmen macht. Damit am 6. Mai wirklich eine Wahl zwischen „la Droite et la Gauche“ stattfinden kann, sollten alle vernünftigen Leute schon im ersten Wahlgang Ségolène Royal wählen und ihre Stimmkraft nicht an irgend einen oder eine der (zu) zahlreichen LinksaktivistInnen verschenken. Vote utile heisst das hier, wirksam wählen!
Ich bin gespannt, ob die Franzosen und FranzösInnen bei ihrer Stimmabgabe diese Überlegungen einbeziehen, um ein ähnliches Wahldebakel wie 2002 zu verhindern….

Vote utile

Sarko mot à mot

Orchideeen wählen Ségolèèèn!

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 11, 2007

Warum die wilden Orchideen Ségolène wählen würden?
Weil Orchideen nur auf ungedüngten Wiesen wachsen und sie gewillt ist, den Biolandbau zu fördern und die naturnahe Landwirtschaft auf Kosten der industriellen Agrarproduktion zu unterstützen. Beides hat sie in ihrem Departement Poitou-Charante bereits bewiesen!

Orchis purpurea

Die Plakate aller zwölf KandidatInnen wurden inzwischen fein säuberlich und demokratisch, in der ausgelosten Reihenfolge, durch den Bürgermeister höchst persönlich auf unserem Dorfplatz aufgehängt!

Traversères, elections présidentielle 2007

„Vote utile“ heisst übrigens, dass man so wählt, dass nicht wieder der fremdenfeindliche Rechtsnationalist und bekennende Blocherfan LePen in den zweiten Wahlgang kommt…

Blühender Raps

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 10, 2007

Grandios, ein blühendes Rapsfeld vor dem Haus! In der Gascogne ist der Frühling ausgebrochen. Mai ist im April!

Colza, La Oueyte, 9.4.2007

Ein selten schönes Exemplar

Posted in Orchideen by ruedibaumann on April 9, 2007

Orchis arachnitiformis oder einfach ein selten schönes Exemplar einer wilden Orchidee!

Orchis arachnitiformis