AUSWANDERERBLOG

Links und rechts in der Politik

Posted in Politik by ruedibaumann on April 13, 2007

Der Gegensatz zwischen rechts und links in der Politik ist nicht mehr so klar wie früher. Daniel Cohen hat gestern in der Le Monde zwei hauptsächliche Masstäbe genannt: den kulturellen und den wirtschaftlichen Liberalismus.
Die politische Linke ist kulturell liberal indem sie beispielsweise Minderheiten verteidigt, die gleichen Rechte für gleichgeschlechtliche Paare fordert, das Recht auf Schwangerschaftsabbruch befürwortet usw.. Die politische Rechte hingegen ist gesellschaftlich und kulturell konservativ, verteidigt die Institution Familie und traditionelle Moralwerte.
Auf wirtschaftlichem Gebiet ist genau das Gegenteil der Fall: die liberale Rechte befürwortet die individuelle Initiative und die Konkurrenz, die Linke hingegen ist wirtschaftlich konservativ und will die alten Werte der Solidarität und der Sozialrechte retten.
Darum beschränkt sich der Gegensatz rechts-links nicht einfach auf die Linie liberal-antiliberal, sondern er verlagert sich vielmehr auf die Diagonale kulturell-konservativ und oekonomisch-liberal auf der rechten Seite und kulturell-liberal und oekonomisch-konservativ auf der linken Seite des Politspektrums. Gemäss verschiedenen Untersuchungen würden sich etwa 60% der Französinnen und Franzosen so definieren lassen.
Aber daneben gebe es zwei „heterodoxe“ Gruppen die sich nicht so einteilen lassen: diejenigen die konsequent kulturell und oekonomisch liberal sind oder eben im Gegensatz dazu die kulturell und wirtschaftlich Konservativen.
Zu der ersten Gruppe gehören die sogenannten „bobos“ (bourgeois bohèmes), kulturell liberal (also politisch „links“) und wirtschaftlich auch liberal (also politisch „rechts“). Dazu rechne man etwa 15% der französischen Bevölkerung.
Und schliesslich die rundum Konservativen, die sogenannten „défiants„, die alle alten Werte verteidigen, und nicht weniger als 25% der Wählerinnen und Wähler umfassen sollen.
Wahrscheinlich weil das alles so kompliziert geworden ist, wissen 40% der französichen WählerInnen auch eine Woche vor den Präsidentschaftswahlen immer noch nicht wen sie wählen sollen….

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  1. Avatar von Unbekannt Alexander Müller said, on April 13, 2007 at 10:54 am

    Vereinfacht kann man wie folgt unterscheiden:Linke wollen einen starken Staat, der alles regelt und für die nötige Umwerteilung vom produktiven Teil der Bevölkerung zum unproduktiven Teil der Bevölkerung sorgt. Es erstaunt daher nicht, dass Linke für den Ausbau der Sozialsysteme, höhere Steuern und die Abschaffung des Steuerwettbewerbs sind. Ebenfalls haben linke politisch eher eine internationale Ausrichtung. So singen sie lieber die Internationale als die Nationalhymne.Rechte wollen weniger Staat, mehr Eigenverantwortung, mehr Freiheit (Wilhelm Tell) und tiefere Steuern. Der Wettbewerb soll spielen. Rechte sind wirtschaftsfreundlicher eingestellt. Sie sind patriotischer. Rechte wollen keinen Beitritt zur EU, sehen aber durchaus die Notwendigkeit ein, dass unsere Wirtschaft international ausgerichtet sein muss. Sie unterscheiden zwischen internationaler Ausrichtung der Wirtschaft und politischer Integration in ein politisches Gebilde.Zwischen Ultra-Links und Ultra-Rechts gibt es zahlreiche Grauzonen, mit in den einzelnen Punkten verschiedenen Ansichten. Die Konservativen bilden dabei eigentlich das Zentrum…die Mitte-Parteien.

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  2. Avatar von Unbekannt Alexander Müller said, on April 13, 2007 at 10:58 am

    Meine Einschätzung bezieht sich auf die Schweiz und nicht auf Frankreich.

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