Masochistische Schadenfreude
Roger de Weck über die Haltung der Schweiz:
„Seit sechzig Jahren vollzieht sich die europäische Einigung, und regelmässig bricht eine Europa-Krise aus. Die Schweiz wollte sich nie beteiligen am mühseligen, anspruchsvollen, alles in allem erfolgreichen Vorhaben, einen kriegerischen Kontinent zu befrieden, einen grossen Wirtschaftsraum zu öffnen, in den 1970er-Jahren die langjährigen Diktaturen (und heutigen Krisenländer) Griechenland, Spanien und Portugal beim demokratischen Neuanfang zu stützen, in den 1990er-Jahren das befreite Osteuropa aufzufangen.
Oft mussten sich die Europäer überfordern und überwinden. Manchmal haben sie gebastelt, sich durchgewurstelt, ist doch europäische Integration nichts anderes als ein steter Prozess des Interessenausgleichs und der Kompromissfindung unter 27 Mitgliedern. Die EU ist auf dem langen Weg zu einer «europäischen Eidgenossenschaft», die sich laufend finden muss. Eine solche Entwicklung ist zwangsläufig so krisenhaft wie einst das Werden unserer Eidgenossenschaft. Bei jeder Krise wetten aber viele Schweizer schadenfreudig auf das Scheitern der EU. Bislang haben sie immer die Wette verloren und das nächste Mal trotzdem wieder gewettet, stets mit dem gleichen Argument: Jetzt geht es ans Eingemachte! Ähnlich bewerten sie nun das Griechenland-Debakel. Doch Mal für Mal haben sie zweierlei übersehen: Erstens waren alle EU-Krisen Wachstumskrisen, sie bewirkten keine Desintegration, sondern noch mehr Integration. Darauf deutet auch der Fall Griechenland. Härter werden künftig der Druck und die Kontrollen, um alle zur Disziplin anzuhalten. Im Rückblick wird es sich vielleicht als Glücksfall erweisen, dass anhand des kleinen Griechenlands – 2,5 Prozent des EU-Volkseinkommens, also eine bewältigbare Grösse – Europa straffere Regeln setzt und durchsetzt. Der Schock hat bereits Portugal und Spanien bewogen, rascher umzusteuern, um auf den Pfad der Tugend zurückzukehren. Euroland dürfte daraus gestärkt hervorgehen. Und zweitens vergessen die Schadenfrohen, dass gerade die Schweiz als Land der Exporteure und transnationalen Unternehmen schweren Schaden erlitte, wenn der Euro unterginge und die Vielzahl von Währungen zurückkehrte. Euroland ist wie der europäische Binnenmarkt auch für uns ein Riesenvorteil. Das Gedeihen der EU liegt in unserem nationalen Interesse.“
(Sonntagszeitung 2. Mai 2010)
Portal der europäischen Union
Weinprobe
Regelmässige Auswandererblog-Leser wissen, dass ich auch Weinbauer bin. Meine erste bescheidene Ernte ist jetzt reif für die erste Weinprobe. Hier mein (vorläufiger) Kurzbericht zu meinem „La Oueyte“, premier cru, mis en bouteille au garage:
Verkostungsnotiz: Purpurviolett. Die Nase ist eine Wucht und eine Prinzessin zugleich. Gute Komplexität mit Cacao, Ovomaltine, Malz, schwarzer Schokolade und sogar mineralischem Touch. Die Frucht ist elegant mit Cassis und Brombeeren. Im Gaumen ist der Wein äusserst angenehm, pelzig und breit. Hier trifft Eleganz auf Kraft und die Symbiose wird perfekt. Die Tannine treten zuletzt, weit hinten im Gaumen, auf. Dieser Wein wird gross – ist bereits gross: 97–100/100 (Potenzialnote).
Finanziell gesehen muss sich mein Weinanbau lohnen. Ein Glas von meinem Cuvée de Garage wird um die 250 €uro kosten. Noblesse oblige! Vorläufig interessiert mich jedoch nicht der Preis, sondern der Wein, und er zeigt Grösse: mittelintensives Purpur, eine sehr elegante Nase mit toller Struktur; Minze, Caramel, Lakritz, Holz. Viel Eleganz. Fruchtige Noten wie Cassis, Brombeere, Preiselbeere, Mandarine, Passionsfrucht und Tannenspitzen. Im Gaumen setzen sich die Tannine langsam durch. Grossartiger Wein mit viel Substanz und viel Intensität sowohl im Gaumen als auch in der Nase – Cuvée de Garage at its best! 98–100/100.
(Kleiner Hinweis: Beim Beschrieb meines bescheidenen Tropfens habe ich mich an den Bericht von Yves Beck über eine Weinreise ins Bordelais angelehnt…)
Mit einem Wort: ein richtiger Intellektuellenwein!
Convivialité
Es geht weiter…
… mit unserer Photovoltaik-Anlage. Gestern wurden die diversen Stromzähler montiert und das Luftkabel entfernt. Harte Arbeit für Freileitungsmonteure:
Der felsige Untergrund macht die Arbeit auch nicht leichter:
Hier wird künftig unsere Stromproduktion und unser Stromverbrauch gezählt:
Zahlreiche Orchideenexperten…
… sind gegenwärtig oft auf unseren Wiesen zu Besuch. So sieht das dann aus…
.. fast wie bei einem CH-WK…
… da staunen selbst unsere tierischen Nachbarn!
Die unglaubliche Geschichte über France Telecom
Als regelmässige Blogleser wissen Sie, dass wir seit einer Woche keine Internetverbindung mehr haben. Das ist zwar nichts Besonderes und kommt in ländlichen Gebieten immer wieder mal vor.
Also haben wir unsere Schwierigkeiten über die diversen Kundennummern, Endlosschleifen und Wartezeiten an France Telecom gemeldet und selbstverständlich alle häuslichen elektronischen Einrichtungen (live box usw.) einmal mehr in einem Orange-Geschäft im nahe gelegenen Städchen testen lassen…
All‘ diese Abklärungen haben ergeben, dass unsere Einrichtungen ok sind. Also muss es an der Zuleitung, der „ligne“, liegen. Das ist bei uns ein etwa ein Kilometer langes dünnes Erdkabel.
Am letzten Mittwoch kam ein technicien von France Telecom vorbei, um die „Ligne“ zu „messen“ und den Schaden an der Leitung zu lokalisieren. Offenbar ist ihm das nicht gelungen, weil am Samstag kam wieder ein Techniker, dieses mal als „Soustraitant“ im Auftrag von France Telecom. Er sagte es sei eindeutig ein Schaden im Erdkabel und das könne dauern…
Wir haben jedenfalls schon mal begonnen, uns nach anderen Internetanschlussmöglichkeiten zu erkundigen…
Nun, jedenfalls ist am Montag ein dritter Techniker aufgekreuzt, diesmal ausgerüstet mit einem GPS. Er kam nach seinen Abklärungen zum Schluss, dass nun schweres Gerät aufgefahren werde und mit einem Bagger gelocht werden müsse. Das müsse aber eine andere Firma machen und das könne noch einmal vierzehn Tage dauern. Schliesslich müsse man noch die genaue Stelle im Feld orten. Ich habe mich geistig schon auf die Erdbewegungen mitten in meinem schönen Bohnenfeld vorberetet.
Statt weiter zu warten, habe ich heute beschlossen, selber mal unsere Telefonleitung so weit wie möglich zu verfolgen. Zu Fuss und per VTT habe ich mich auf den Weg gemacht:
Das erste oberirdische Zeichen einer (möglichen) Telefonleitung habe ich in unserer Nachbargemeinde in einer Hecke gefunden:
Dieses Kästchen war gefüllt mit Wespennestern, Schnecken, und Spinngeweben…
Ich habe das mal fein säuberlich gereinigt… und schliesslich auch die „Zentrale“ unserer Internetleitung gefunden…
Wahrscheinlich bin ich nicht zutrittsberechtigt, aber die Türsicherung ist schliesslich auch nicht gerade vertrauenserweckend..
„la centrale“, von der mir die diversen Techniker immer versichert haben, dass da alles in Ordnung sei, sieht so aus:
Nun, ich will ja nicht schweizerisch pingelig sein und mache mich auf den Heimweg.
Und oh Wunder, die Internetverbindung funktioniert nach meiner kleinen Säuberungsaktion wieder!!
Jetzt habe ich nur noch ein Problem: wie bringe ich der France Telecom bei, dass sie keinen Bagger bringen müssen???
Internetpanne…
Leider funktioniert unsere Internetlinie wieder einmal nicht mehr… Wir werden graben müssen! A bientôt!
Solarpark zum Zweiten
Ich habe vor ein paar Tagen über den zur Zeit grössten Solarpark Frankreichs berichtet. Hier jetzt noch die versprochenen Bilder:
So sieht der 24 ha grosse Photovoltaik-Park von weitem aus…
und so aus der Nähe…
Auf etwa der halben Fläche sind die Panels noch nicht montiert….
…. bis zur Inbetriebnahme in diesem Sommer gibt es noch viel zu tun!
Die 35 Millionen Euro teure Anlage wir übrigens durch die Firma Solarezo erstellt.
Maissaat
Man beachte den blauen, kondesstreifenfreien Himmel: seit zwei Tagen ist dank dem Vulkanausbruch in Island auch bei uns der Himmel absolut flugzeugfrei….

























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