Kleine Schweiz
Ich habe gestern in Bern nicht nur fast die ganze Grüne Grossratsfraktion getroffen, sondern daneben noch fast oder ganz zufällig (in dieser Reihenfolge):
Grossrätin und Nationalratsspitzenkandidatin Kathy Hänni
den Stadtwanderer, Meisterpolitilogen und belesenen Historiker Claude Longchamp
den sozialdemokratischen schweizerischen Postchef Ulrich Gygi
den Theologen, Organisten, Freiburger Grossrat und Topgeneralsekretär der Grünen Schweiz Hubert Zurkinden
die Stadträtin und dossiersichere Fraktionssekretärin der Grünen Schweiz Gabriela Baader
die unermüdliche Grüne Nationalrätin, VCS-Chefin und Ständeratskandidatin Franziska Teuscher
den humorvollen, sozialdemokratischen Stadtpräsidenten von Bern Alexander Tschäppät
den hartnaeckigen Naturschützer und Pronaturachef Otto Sieber
den umtriebigen Gentechkritiker und Geschäftsführer der Kleinbauernorganisation Herbert Karch
Das gibt’s nur in der kleinen Schweiz, dass man auch nach Jahren auf einem Stadtbummel in der Hauptstadt auf so viele altbekannte PolitikerInnen, PolitaktivistInnen und AmtsträgerInnen trifft…
Gelebte, direkte Demokratie!
Kammermusik-Konzert
Bei jedem CH-Aufenthalt ist für uns Landbewohner ein Besuch der Stadt Bern selbstverständlich. Zufällig habe ich beim Stadtbummel über Mittag die Grüne Grossratsfraktion getroffen. Und weil die ParlamentarierInnen der Kulturgruppe gerade auf dem Weg zum Konservatorium waren, bin ich spontan zu einem Kammermusikkonzert eingeladen worden. Bettina Keller, selber Grossrätin der Grünen, bildet zusammen mit Marlyse Capt (Violine) und Kathrin Bögli (Violoncello) das Klaviertrio ONIMA. Gegeben wurde Rachmaninow und Mozart (ONIFRAU ;-)). So lässt man sich gerne überraschen! Ich habe übrigens noch zahlreiche weitere interessante Leute getroffen, davon morgen mehr.
Übrigens: ONIMA ist zu hören an den Kammermusikkonzerten Hondrich am Sonntag 4. Februar 2007, 17.00 Uhr. Viel Vergnügen!
E-mail katharina.waefler@bluewin.ch
Sanglier
Papa Liares (der Vater unseres Maires Jean-Michel Liares) ist Präsident der hiesigen société de chasse. Er hat uns heute Sanglier-Fleisch gebracht. Kottelettes von einem Sanglier, das die Jäger vor zwei Tagen hier erlegt haben. Das ist ein schöner Brauch in der France rurale, dass die Jagdvereine den Bauern in der Gegend einen Teil ihrer Beute bringen, als Dank dafür, dass sie auf ihrem Land ihr Metier ausüben dürfen. Die Kottelettes sind schön ausgemetzget und wir werden sie für kommende (Fest-)Essen einfrieren.
Und natürlich nimmt man die Gelegenheit wahr, bei einem Gläschen Floc de Gascogne einwenig zu plaudern. Henri Liares ist 71 Jahre alt, arbeitet zusammen mit seiner Frau auf dem grossen Hof, den er bereits vor Jahren seinem Sohn übergeben hat. Er betreut noch die 60 Mutterkühe und die Gänse und ist, wie fast alle hier, begeisterter Jäger und Naturbeobachter.
Wir haben auch über alte Zeiten gesprochen, über früher, über die Zeit als er hier zur Schule ging, als Frankreich von den Deutschen besetzt war. Er war neun Jahre alt, als tausend deutsche Besatzer hier in der Nähe eine Ferme eingekreist haben, in der sich hundert französische Widerstandskämpfer versammelt hatten. Die deutsche Wehrmacht hat auf der Stelle 76 Résistance-Kämpfer erschossen. Ganze Familien wurden ausgelöscht, selbst unbeteiligte Zeugen auf den Nachbarhöfen wurden an diesem 7. Juli 1944 kaltblütig ermordet.
Ein eindrückliches Monument mit den Gräbern der Toten, neben den verbleibenden Grundmauern des Hofes und selbst den Ueberresten des Lastwagens, der den Franzosen als Munitionstransportert diente, ist Zeuge des schrecklichen Geschehens. Ich habe den Ort in meinem Beitrag vom 10. November 06 beschrieben und bebildert.
Henri Liares hat einzelne Opfer gekannt, kennt viele ihrer Angehörigen und er hat in dieser Zeit auch die nächtlichen Schiessereien gehört.
Ich frage mich immer wieder, wie die Täter von damals weiterleben konnten. Einzelne dürften ja heute noch leben. Sind sie je an diese Orte zurückgekehrt?
Und ich frage mich, wie Franzosen damit umgehen, wenn heute die Enkel derer, die damals Greueltaten verübt haben, hier Ferienhäuser kaufen? Tu sais, c’etait la guerre…. nous aussi, nous étions en Algerie…..sagte dazu Papa Liares.
Kaminfeuer
Es hat Nebel im Valée du Gers. Und es ist kalt. Zeit Jahresrückblick zu halten, am besten vor dem warmen Kaminfeuer. Einen witzigen Jahresrückblick in mehreren Folgen habe ich bei meinem Bauernkollegen Zgraggen Schagg im Urnerland entdeckt. Viel Vergnügen!
swissinfo-Kolumne
Dank elektronischer Post sind wir auf unserem abgelegenen Hof in der France profonde täglich mit der Familie, unseren Freunden und Bekannten im In- und Ausland verbunden.
Eigentlich haben wir gar nicht mehr das Gefühl, in ein abgelegenes, dünn besiedeltes Gebiet ausgewandert zu sein, obwohl die Schweiz tausend Kilometer entfernt ist.
Wir kommunizieren mit Bauernkollegen in ganz Europa, kaufen und verkaufen Saatgut, Occasionsmaschinen und andere Landwirtschaftsprodukte. Das Internet ersetzt uns Fachbücher, Lexika, Atlas und Diktionär.
Wir lesen die Schweizer Tageszeitungen am Bildschirm und können uns kaum mehr vorstellen, wie viel komplizierter, langsamer und mühsamer die Korrespondenz und auch die Informationsbeschaffung früher über die gute alte Brief- und Paketpost abgewickelt werden musste.
Wie es weitergeht steht in der Dezember-Kolumne auf swissinfo mehr…
Madrid
Madrid 650 m über Meer, über 5 Millionen Einwohner, 73 Museen…
Wir haben die (Innen-) Stadt erwandert, Tapas und vino tinto genossen, gestaunt ab dem täglichen Verkehrsstau (warum tut man sich das an?) und die Madrilenen beobachtet. Wir haben zusammen mit Heerscharen japanischer Touristen das Museo del Prado, das Centro de Arte Reina Sofia und das Thyssen-Museum besucht und uns auf den vielen prächtigen Plätzen wieder erholt. Viel zu viel für ein paar Tage…
Grosse Ehre!
Kaum zu glauben, ich wurde in der Blogger-Rangliste von Claude Longchamp trotz meiner wackeligen ADSL-Verbindung in der France profonde im November auf Platz eins gewählt! Das ist ein schönes Geburtstagsgeschenk! Hier die Laudatio vom Stadtwanderer:
1. auswandererblog (vormals 3)
„endlich hat es ruedi baumann geschaft, mich voll und ganz zu überzeugen. unermüdlich berichtet er aus der südwestecke frankreichs, schreibt auch viel über die schweiz, sodass er zwar weg, aber eigentlich immer noch da ist. und dann trifft man ihn unerwartet in der buchhandlung, pflegt den gedankenaustausch, und erzählt sich ein wenig über die unterschiede in der bloggerszene der schweiz und in frankreich: ruedi sagt mir, seit er den stadtwanderer lese, müsse er ganz anders durch bern gehen, immer und überall hinauschauen, um zu sehen, was er vorher immer übersah! gut so, antwortete ich ihm, den aufrechten gang üben, ist immer gut, gerade auch für blogger. danke ruedi für deinen unermüdlichen aufrechten gang auch ausserhalb berns!“
Und hier die ganze Rangliste stadtwanderer
Scheisselektronik
Die Kontrollanzeige in meinem Traktor (MF 6270) leuchtete rot: Warnanzeige verstopfter Getriebeoelfilter 15 Mikron und Anzeige des Schmieroeldrucks 5 bar. Motor sofort abstellen! Ich bin am Hackstriegeln, Unkrautbekämpfung im Getreide. Gemäss Bedienungsanleitung soll ich zwei Filter auswechseln. Also hole ich die Ersatzteile bei meinem Traktorenverkäufer in Preignan, 30 km Autofahrt. Nein, wir haben seit kurzem die MF-Traktorenvertretung nicht mehr, also auch keine Ersatzteile mehr. Also auf zum nächsten möglichen Ersatzteillager, schliesslich ist Freitagnachmittag und ich möchte wegen dem schönen Wetter übers Wochenende weiterarbeiten. Autofahrt 70 km nach Vic-Fezensac, mechanische Werkstätte mit Massey-Ferguson Traktorenvertretung.
Die zwei Oelfilter sind am Lager, zwar teuer, über hundert Euro. Filterwechsel ohne Getriebeoel abzulassen dürfte schwierig werden, also nehme ich noch 40 Liter Ersatz-Getriebeoel mit. Zahlen mit der Kreditkarte ist leider bei uns nicht möglich, sagt mir der freundliche Magaziner. Was bleibt mir anders übrig als vorerst noch einen Geldautomaten „en ville“zu suchen. Es ist schon dunkel auf meinem Weg zurück auf den Hof.
Ich wechsle die beiden Filter aus, ohne die 70 Liter Getriebeoel abzulassen. Uff!
Endlich, die Warnanzeige auf der Instrumententafel erlischt, ich kann die dringende Feldarbeit weiterführen. Eine halbe Stunde später leuchtet die Anzeige wieder rot!
Was jetzt. Der Mechaniker hat gesagt, vielleicht sei es nur die Sonde, die Elektrosonde. Aber das mit der Elektronik sei eben schwierig. Scheisselektronik….
Waren das noch Zeiten, als man Landmaschinen und Traktoren mit Gabelschlüssel, allenfalls Hammer und Ambos in der Dorfschmiede reparieren konnte!
Ich hoffe, dass sich die Elektroniksonden wieder erholen und morgen wieder grün leuchten!
ADSL-Panne
Wir sind zurück in der France profonde, nach zwei Wochen CH-Besuch. Leider funktioniert unser ADSL-Anschluss nicht mehr, so dass bloggen eine Geduldsprobe wird. Unsere Telefonleitung musste schon x-mal repariert werden. Bei Drainagearbeiten habe ich selber die Zuleitung zum Hof wiederholt zerrissen, weil ich über deren Verlauf nichts wusste…. Mal sehen was der französische service public taugt und wie lange es geht, bis unsere Verbindung „zur Welt“ wieder klappt!
Blogger-Rangliste
Claude Longchamp erstellt in seinem stadtwandererblog monatlich eine Hitliste der (für ihn) 10 besten Blogs. Der Auswandererblog kann sich bereits seit 3 Monaten in diesem Ranking halten:
Hier eine kleine Auswahl der jeweiligen „Laudatien“ über meinen Blog:
August 06:
Auswandererblog Rang 2
„es ist bevorzugter „bericht aus der eu“. der autor war mal in der svp, er war mal bei den grünen, er war mal schweizer, und er will grad französischer eu-bürger werden. sogar nationalrat war er, und er hat die schweiz im unfrieden verlassen. das hält den politsch bekannten auswanderer ruedi baumann wach, die schweiz von aussen zu betrachten, als blogger und als kommender buchautor. obwohl auch neu in der liste, gleich unser zweitliebster blog!“
September 06:
Auswandererblog Rang 3
„meinen nutzerInnen schon längst bekannter, bilaterales schweizisch-europäisches blog aus der feder von ruedi baumann; sein früher konventionelles tagebuch ist ein renner als buch und auf meinem blog.“
Oktober 06:
Auswandererblog Rang 3
„er ist der longseller in meiner favoritenliste. war noch nie ganz top, aber immer vorne dabei. ruedi baumann, der frührere präsident der grünen, und jetzt bauer im südwesten frankreichs, hat ein waches auge dafür bewahrt was in der schweiz geht, und berichtet unermüdlich darüber, was in der schweizerischen käseglocke aus europäischer sicht passiert. danke: platz 3.“







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