Die Zeit heilt Wunden
Im „Gärbi-Ischlag“ in Grossaffoltern bewirtschaften wir seit Generationen eine steile aber schön glegene Waldparzelle mit Panoramablick über das Dorf auf die Berner Alpen (Eiger, Mönch und Jungfrau)…
Am 26. Dezember 1999 hat der Orkan Lothar das ganze Waldstück fast total zerstört…
..alles war am Boden, alte Buchen, Fichten, Tannen…
Wir haben uns damals entschieden, einen Teil nicht zu räumen und auf Naturverjüngung zu setzen.
Am Anfang war das ein strubes Bild: unzugänglicher, mit Dornen überwucherter Urwald machte sich breit.
Aber jetzt, zehn Jahre später hat sich der Wald prachtvoll verjüngt. Vor allem junges Laubholz, Eschen, Buchen und Ahorn spriessen um die Wette!
Die Moral der Geschichte: Zeit heilt Wunden oder die Natur ist stärker!
Wedele mache…
Wedele mache das war früher. Jetzt entsteht aus Sträuchern und Stämmen bis zu 50cm Durchmesser Hackholz. Blitzschnell und ohne grosse körperliche Anstrengung. Dafür mit viel Lärm. Übrigens: „Wedele“ sind im Bärnbiet kleine Holzbündel aus Sträuchern und Ästen und werden bei uns zum Heizen des Backofens verwendet.
Der zukünftige Farmer
Rückblick in die Zukunft…. Ich war schon vor 50 Jahren Traktorfahrer. Natürlich auf einem Massey-Ferguson. Mehr darüber in „Bauernland“, Nagel & Kimche.
Hofchronik
Hin und wieder tauchen Besucher bei uns auf, die oder deren Vorfahren hier auf „La Oueyte“ gelebt haben. Dank diesen Leuten können wir mehr und mehr die wechselvolle Geschichte unseres Hofes rekonstruieren. Oft haben sie uns auch Kopien von alten Fotos überlassen, die die baulichen Veränderungen dokumentieren oder Szenen aus dem Arbeitsleben unserer Vorgänger zeigen. Ich komme ein andermal darauf zurück.
Gestern hat Jean-Louis Nieto das Haus seiner Vorfahren zum ersten Mal gesehen. Sein Vater, Jean-Louis, ist in La Ouaïte aufgewachsen und hat seinem Sohn oft von diesem Haus erzählt. Sein Grossvater, Julien Nieto, der hier charbonnier (Köhler) war, hat den Hof 1942 verkauft und ist nach Seissan gezogen, wo er ein Café betrieben hat. Jean-Louis Nieto lebt heute in Toulon an der Côte d’azur.
links: Marc Monferran, menusier in Gimont
rechts: Jean-Louis Nieto.
Mist ist des Bauern List…
Jean-Michel hat uns zwei Fuder gut verrotteten Mist gebracht. Das reicht leider nur für den Potager. Die übrigen 70 ha unseres Hofes müssen mit Gründüngung (Luzerne, Févéroles usw.) auskommen.
Ferme en France
So sieht heute ein typischer französischer Bauernhof aus. Natürlich die ganze Dachfläche mit Solarpanels bestückt, Boden meist nicht befestigt und alles ein wenig unordentlich (für schweizerische Massstäbe…). Hier und heute ein Beispiel aus dem Département Haute Garonne (31).
Übrigens: Die Stromproduktion mittels Solarpanel hat sich in Frankreich innert zwei Jahren verzehnfacht! 2008 waren 81 Megawatt (MW) installiert, 2010 sind es bereits 850 MW und es sind bereits bis 3000 MW projektiert! Nun will die Regierung die Einspeisetarife um 12% senken. (1 MW sind 1 Mio Watt oder 1000 kW Leistung. Unsere Solaranlage erbringt eine Leistung von 12 kW…)
Traumlandschaften
Das Gers ist eine intakte Kulturlandschaft. Sanfte Hügel, mäandrierende Bachläufe, Wälder, Hecken und Einzelbäume und vielseitige landwirtschaftliche Kulturen. So schöne Kulturlandschaften gibt es, glaube ich, in der Schweiz leider nicht mehr…
Schweizer Bauer
Der „Schweizer Bauer“ ist eine der landwirtschaftlichen Fachzeitschriften Helvetiens. Bodenständig, bürgerlich, Publikationsorgan für Viehschauen und Flurbegehungen… und natürlich wie die Bevölkerungsmehrheit sehr EU-kritisch.
Esther Bravin hat mir ein paar Fragen gestellt:
Schweizerbauer: Warum sind Sie nach Frankreich ausgewandert?
Ruedi Baumann: Aus wirtschaftlicher Notwendigkeit. Meine Frau und ich waren beide im Parlament. Nach zwölf Jahre haben wir uns entschlossen, zurückzutreten (ich hasse Sesselkleber)! In der Zwischenzeit hatten wir unseren Hof unserem Sohn abgetreten. Für mich als Linker wäre es schwierig gewesen, wieder eine Stelle als Agronom zu bekommen. Zuerst versuchten wir erfolglos in der Schweiz einen Betrieb zu pachten. Dann haben wir nach vierjähriger Suche in der Gascogne im Südwesten Frankreichs eine Ferme gefunden. Rein agronomisch ist die Lage nicht optimal, es ist hügelig, die Böden sind tonreich, hart, trocken und es ist heiss. Zum bewässern müssten wir zuerst einen See anlegen. Aber der Hof hat viel Charme, tausende von wilden Orchideen, bietet viel Lebensqualität. Natürlich vermissen wir Kinder und Freunde.
S.B: Sie schreiben täglich in Ihrem Auswanderblog. Warum?
R.B: Ich setze mich mit der Umgebung in Frankreich auseinander. Mit dem Blog behalte ich aber auch viele Kontakt zur Schweiz, selbst mit damaligen politischen Gegnern. Mein Auswandererblog (http:auswandererblog.blueblog.ch) wird täglich von 1500 Leuten besucht und vernetzt Bauern auf der ganzen Welt die an Bildern und Texten von ennet der Grenze interessiert sind.
S.B: Was ist in Frankreich gleich wie in der Schweiz?
R.B: Die komplizierte Bürokratie ist gleich, auch die landwirtschaftliche Politik ist ähnlich. Es gibt zu viele Massnahmen, die wenig Wirkung haben.
S.B: Was ist in Frankreich besser?
R.B: Die Europäische Union ist viel transparenter. Beispielsweise sind Informationen zu den ausbezahlten Direktzahlungen frei zugänglich. Alle können jederzeit auf dem Internet nachschauen, wer wie viel Direktzahlungen erhält. Hier in der Schweiz gibt es viel Geheimniskrämerei. Frankreich hat auch eine perfekte Bodenpolitik. Der Kauf von Agrarboden ist in Frankreich staatlich reguliert. Jeder verkaufte Parzelle muss öffentlich publiziert werden, und jeder kann sich bewerben. Gibt es mehrere Bewerber, entscheidet eine staatliche Kommission nach vernünftigen Kriterien. In Frankreich gibt es vier Bauernverbände, politisch von rechts bis links. Die Delegierten werden mittels Urnenwahlen demokratisch gewählt, anders als in der Schweiz. Auch die Lebensqualität als Bauer ist in Frankreich besser. Zurzeit gehören wir mit unseren 70 ha zu den mittelgrossen Bauernbetrieben der Region und geniesse die Weite. Wenn ich in Genf über die Grenze fahre, habe ich jedes Mal das Gefühl, dass ich die Enge der Schweiz hinter mir lasse. Beim Zurückkommen sehe ich, dass die Schweiz immer mehr verbaut wird. Die schönste Agrarfläche im Mittelland wird noch stärker von Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben beansprucht. Das ist ein Stich ins Herz jedes Bauers.
S.B: Welche Vorteile haben Schweizer Produzenten?
Höhere Direktzahlungen, aber natürlich auch höhere Kosten. Landpreise sind in der Schweiz viel höher. Ich habe in Frankreich 5’000 Euro für eine Hektare bezahlt, in der Schweiz kostet sie rund 100’000 Franken. Ohne elterlichen Betrieb oder Millionenvermögen ist es in der Schweiz unmöglich, Bauer zu werden. In Frankreich sorgt der Staat dafür, dass Bauernhöfe auch an Junglandwirte gehen, die nicht aus der Landwirtschaft kommen. Wegen der Kleinräumigkeit der Schweiz sind die Nebenerwerbsmöglichkeiten allerdings in der Schweiz leichter zugänglich.
S.B Wie könnte die Situation der Schweizer Landwirtschaft verbessert werden?
R.B: Ich bleibe bei meiner früheren Meinung: mit der Initiative der Kleinbauervereinigung. Das Direktzahlungssystem sollte grundsätzlich vereinfacht werden. Nur ökologische Direktzahlungen sind gerechtfertigt und sie müssen auf eine maximale Höhe pro Betrieb limitiert werden werden. Dazu braucht es Einkommens- und Vermögensgrenzen bei der Gewährung von staatlichen Zuschüssen. Das andere wäre eine Bodenpolitik, die diesen Namen verdient. Es sollte nicht möglich sein, derart hohe Gewinne mit Umzonung zu machen. In der EU läuft der gängige Pachtvertrag mindestens 18 Jahre.
S.R: Wie könnte die Agrarpolitik die Landwirtschaft besser fördern?
R.B: Die Schweiz ist in einer EU-politischen Sackgasse, wir haben den Beitritt verpasst. Die Schweiz kann nicht mitbestimmen nur noch nachvollziehen und allenfalls zahlen. Die EU entwickelt sich weiter und die Schweiz hat ihren früheren Vorsprung im Biolandbau und bei den Solardächern längst eingebüsst.
S.B: Was sollte die Schweizer Agrarpolitik von der EU übernehmen?
R.B: Eigentlich alles. Der Freihandelsabkommen mit der EU ist keine Lösung, vielleicht ist es ein erster Schritt zum längst fälligen EU-Beitritt. Die Schweiz sollte der EU beitreten, ihr Regierungssystem reformieren und die wertvollen direktdemokratischen Elemente in Europa einbringen.
S.B Fühlen Sie sich in Frankreich integriert?
R.B: Ja, sehr. Alle sind zuvorkommend und freundlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der Schweiz ein Auslandbauer gleich willkommen wäre. Ich erlebe die Leute als wahnsinnig positiv. Das Dorffest in unserer kleinen Gemeinde mit 60 Einwohnern versammelt jeweils 150 Leute. Wir essen und trinken zusammen an grossen Tischen unter freiem Himmel, wie bei Asterix und Obelix.
Bauern in England
Unweit der Fernlea Farm ist ein grosser neuer Landwirtschaftsbetrieb mit 260 ha Fläche entstanden. Hauptbetriebszweig ist die Munimast auf Tiefstreue (grobe Holzschnitzel). Daneben wird Weidemast mit Mutterkühen und Schafen betrieben.
Die Ställe sind nigelnagelneu…
Der Betriebsleiter erkundigt sich nach dem Stand der Bauern in France und Switzerland.
Die Mastmuni schauen interessiert zu.
Das neue Farmhaus deutet an was der Betriebsleiter bestätigt: Die Labour-Regierung in den letzten Jahren sei sehr gut gewesen für die Landwirtschaft Grossbritanniens. Jetzt aber sehe er schwarz für die Zukunft. Bäuerlicher Zweckpessimissmus?
Nostalgiereise nach SW-England
Gut vorbereitet waren wir uns auf unsere Reise dank dem hervorragenden Reisebericht von Simon und Kathrin auf subergwest.
Anlass für die Reise war mein Praktikumsaufenthalt vor 45 Jahren auf einer Farm in Devon. Wir wollten herausfinden, was sich in der britischen Landwirtschaft in einem halben Jahrhundert verändert hat…
Beginnen wir mit der Fernlea Farm, meinem einstigen Wirkungsort als Junglandwirt.
Wir haben die Farm gefunden
eingewachsen
heruntergekommen
verlottert
und stillgelegt
Auch die Felder und Hecken sind vernachlässigt, dabei habe ich seinerzeit das alles in einem einwandfreien Zustand hinterlassen…. 😉
Die einstigen Besitzer, Tony und Jean Lacey sind vor dreissig Jahren weggezügelt und haben anderswo ihr Glück versucht. In einem alten Stallboden, den wir 1965 betoniert haben, ist noch ihr Name eingraviert. Wo und ob sie noch leben konnte uns leider in der Gegend niemand sagen. Mehr dazu in Bauernland.

























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