AUSWANDERERBLOG

Schöner Nadelwald

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Juni 22, 2021

Schöner Fichtenwald am Frienisberg

Heute vor genau zwanzig Jahren…

Posted in Agrikultur, Bauernland, Patrimoine et architectures, Uncategorized by ruedibaumann on Juni 21, 2021

„Es war spätabends und entsprechend finster in dieser gottverlassenen Gegend, als wir am 21. Juni 2001 ankamen. Wie abgemacht, lag der Hausschlüssel unter einem Stein neben dem Haupteingang der Maison du Maître, aber wir hatten weder Strom noch Wasser und auch das Telefon funktionierte nicht. So biwakierten wir in unserm neuen, unmöblierten Heim bei Kerzenlicht auf dem Fussboden, das Wasser holten wir aus dem nahen Senkbrunnen und zur nächsten Telefonkabine fuhren wir einige Kilometer. Die ersten Wochen verbrachten wir mit Aufräumen, Reparieren, Entsorgen, Einkaufen und Anstreichen. Daneben knüpften wir erste Kontakte zu den Bauernfamilien in der Gegend. Unsere Gemeinde zählt nur 65 Einwohner, die nächsten Nachbarn sind anderthalb Kilometer entfernt. Wir stellten uns beim Maire vor und schlugen uns mit der französischen Bürokratie herum, mit der Electricité de France und der Telecom.
Während vier Jahren hatten wir etwa 30 Betriebe besucht, bis wir in der France profonde den passenden fanden. Die hügelige Region 100 km westlich von Toulouse gilt als Abwanderungsgebiet und ist am schwächsten besiedelt von ganz Frankreich. Die Böden sind hart und steinig, kalk- und tonreich und oft sehr trocken. Unser Hof umfasst eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 70 Hektaren, alles an einem Stück, mit alten, aber charaktervollen Gebäuden. Die früheren Besitzer waren so genannte Pieds noirs gewesen, die 1963 von Algerien hierherkamen. In den letzten 10 Jahren war der Betrieb mit Hilfe von EU-Subventionen stillgelegt. Einerseits ideal für uns, weil wir vom ersten Tag an mit biologischem Landbau beginnen konnten, andererseits waren Hof und Felder stark vernachlässigt und zugewachsen. Aber was gibt es Schöneres, als etwas wieder instand zu stellen, Böden zu rekultivieren, zu säen und zu ernten und das alles in einer landschaftlich zauberhaften Gegend? Inzwischen haben wir das Dach des Wohnhauses saniert, eine Heizung eingerichtet, die Wasserversorgung erneuert und alle Zimmer gestrichen. Auf 40 Hektar Acker wuchsen in den letzten Jahren Sonnenblumen, Brot- und Futtergetreide und Févéroles (Bohnen). Wir haben Drainagerohre verlegt und Bachläufe saniert, einen kleinen Rebberg und einen Garten mit Gewächshaus angelegt.
Die nötigen grossen landwirtschaftlichen Maschinen mieteten wir am Anfang, inzwischen haben wir die wichtigsten Geräte und Apparate, Schaufelbagger und Frontlader angeschafft. Nicht ohne vorher alle Maschinenausstellungen in der Region zu besuchen und ausführlich mit den Maschinenhändlern zu feilschen. Am Ende des ersten Betriebsjahrs leisteten wir uns zu Weihnachten einen neuen, topmodernen 120 PS starken Massey-Ferguson. Da kam die alte Freude wieder hoch, die Erinnerung an Grossvaters Traktor und die alten Zeiten.
Weil wir nicht grossflächig bewässern können, sind die Erträge unseres Hofs, bei dessen Bewirtschaftung uns gelegentlich die Söhne helfen, nur etwa halb so hoch wie in der Schweiz. Der Absatz der Bioprodukte erfolgt über landwirtschaftliche Genossenschaften, allerdings zu Marktpreisen, die zwei- bis dreimal tiefer liegen als in der Schweiz. Die Weideflächen bestossen wir kurzfristig mit 40 Mutterkühen unseres Nachbarn, dem Gemeindepräsidenten. Damit ist uns gedient, weil wir zeitlich eine gewisse Unabhängigkeit aufrecht erhalten können, und ihm, weil er mit der zusätzlichen Weidefläche die Futterknappheit in den heissen und trockenen Sommermonaten ausgleichen kann.
Für die ersten fünf Jahre konnten wir mit der Regierung einen sogenannten Contrat Territorial d’Exploitation abschliessen, einen detaillierten Naturschutzvertrag, der die Umstellung auf Biolandbau, die fünf Kilometer Heckenpflege, die Erhaltung der artenreichen Wiesen, den pfluglosen Ackerbau, die Grünstreifen entlang der Bachläufe usw. regelt. Dafür bekommen wir Entschädigungen in der Grössenordnung von umgerechnet jährlich zwanzigtausend Schweizer Franken. Daneben erhalten wir die ordentlichen EU-Direktzahlungen in ähnlicher Höhe. Die Einhaltung der Flächen und Kulturen wird mit detaillierten Flugaufnahmen und professionellen Kontrolleuren überwacht.
Zur Zeit laufen die Vorbereitungen und hitzige Diskussionen an Bauernversammlungen für die künftigen Einheitszahlungen) der EU, die 2006 eingeführt werden. Damit keine Routine einkehrt, bewerben wir uns zur Zeit um eine Pachtlandfläche von rund 30 Hektar, angrenzend an unseren Betrieb, um damit mittelfristig den Vollerwerbsbetrieb zu sichern.
Wir, und die vielen Besucher aus der Schweiz, freuen uns täglich an den intakten Landschaften, – die majestätischen Eichenalleen wirken fast wie Kathedralen -, wir staunen über Flora und Fauna, haben wir doch inzwischen auf unseren Wiesen 26 verschiedene wilde Orchideenarten entdeckt. Den Schritt nach Europa haben wir noch keinen Tag bereut. Wir haben hier gute neue Freunde gewonnen und werden uns bald einbürgern lassen können. Wenn wir allerdings aus der Schweiz hören, dass die erleichterte Einbürgerung für Ausländer in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde, schämen wir uns manchmal auch einwenig für unser Land.“

(Auszug aus meinem Buch „Bauernland““ 2006, Nagel und Kimche)

Inzwischen sind wir zwanzig Jahre in Frankreich, natürlich schon 15 Jahre eingebürgert und immer noch begeistert von Land und Leuten. Den Betrieb haben wir schlussendlich nicht vergrössert, dafür viele bauliche Projekte realisiert (Photovoltaikanlage, Solarpanel, Isolierverglasung, Scheunendach, Denkmalpflege usw.), die Produktepalette erweitert (Soja, Kichererbsen, Mischkulturen, Luzerne…). Die Orchideenvielfalt hat noch zugenommen und damit auch die Besuchergruppen. Abgenommen haben die EU-Direktzahlungen, dafür hat die Biodiversität zugenommen. Wegen unseren Enkel*innen sind wir öfter in der Schweiz und geniessen das Grosselterndasein. Aber das steht ja alles in diesem Blog mit inzwischen 4000 Beiträgen!

Im Land der Neinsager

Posted in Agrikultur, Bauernland, Politik by ruedibaumann on Juni 17, 2021

Hier in den Wynigenbergen, Emmental, Oberaargau…

Was mir auffällt: Grosses Beizensterben auf dem Land! Überall geschlossene Gasthöfe und Wirtshäuser. Daneben viele teuer renovierte Bauernhäuser, neue Masthallen und Ställe… die Direktzahlungen in der Landwirtschaft wirken! Aber in den Dörfern fehlen mehr und mehr die Begegnungsorte, die Dorfbeizen! Vielleicht müsste es für die Gasthäuser auch Direktzahlungen geben….?

Damit die Blumen auch in der Schweiz wieder blühen…

Posted in Agrikultur, Bauernland by ruedibaumann on Mai 13, 2021

2 x Ja zu den Agrarinitiativen!

Das blaue Wunder

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Mai 3, 2021

Unser Nachbar hat lin gesät. Leinsamenmenproduktion für gesunde Ernährung und eine Augenweide für uns Landschaftsschützer:innen.

Eichen, fest verankert in unserem steinigen Boden

Posted in Bauernland by ruedibaumann on April 26, 2021

Und nicht vergessen, Ja stimmen für sauberes Trinkwasser, Ja zur Pestizidinitiative und Ja zum CO2-Gesetz

3 x JA

Landmaschinen

Posted in Bauernland by ruedibaumann on April 22, 2021

Auf unserem 70-Hektaren Betrieb werden die Landmaschinen sehr stark beansprucht. Nachdem der grösste Teil unseres Maschinenparks nun schon zwanzig Jahre alt ist (die Occasionen auch wesentlich älter), zeigen sich zunehmend Ermüdungserscheinungen und Maschinenschäden. Unser Broyeur (Schlegelhäcksler) hatte vor einem Jahr einen Getriebeschaden. Seither versuchte ich in Italien und anderswo für das alte Modell (Perugini) ein Ersatzgetriebe aufzustöbern… erfolglos. Heute habe ich mich nach entsprechender Evaluation entschlossen, einen neuen Broyeur zu kaufen. Für die nächsten 20 Jahre….6000 €.

Drolen

Posted in Agrikultur, Bauernland by ruedibaumann on April 14, 2021

„Drolen“ ist berndeutsch und bedeutet hier in unserem Fall walzen mit dem Cultipacker, auf dass die Biosaat Luzerne aufläuft. Jetzt wünschen wir uns nur noch einen leichten Landregen…

ÜBRIGENS: Haben Sie gestern Abend auch zufällig den Club auf SFR1 geschaut? Der Zahlenakrobat Ritter hat sich im Zusammenhang mit der Trinkwasserinitiative ganz schön in seinem Zahlensalat verhaspelt. Eigentlich müsste er sich mal für e i n e Argumentation entscheiden: Einerseits behauptet er, die Nahrungsmittel würden bei Annahme der Initiative 30% teurer, anderseits will er als oberster Bauer höhere Preise! Was nun?

Ritter hat dafür gesorgt, dass die Konzernverantwortungsinitiative am Ständemehr knapp gescheitert ist. Dabei behauptet er, die Anliegen der Bauern seien ihm eine Herzensangelegenheit und die Konzerne hätten keinen Einfluss im Bauernverband. Aha, warum bezahlen dann Syngenta und Bayer den Abstimmungskampf gegen die Trinkwasser- und Pestizidinitiative in der Schweiz?

Trockenheit

Posted in Agrikultur, Bauernland by ruedibaumann on August 6, 2020

Anfangs Mai litten wir unter starken Regenfällen, seither ist es trocken, sehr trocken. Was noch nicht geerntet ist oder laufend bewässert werden kann bringt kaum Ertrag.

Bei uns ist seit zwei Monaten kein Tropfen Regen mehr gefallen. Sojapflanzen und Sonnenblumen leiden entsprechend… trauriger Anblick! Besserung ist nicht in Sicht.

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Hofbesucher

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Juli 29, 2020

Die Besucher auf unserem Hof sind in Coronazeiten spärlicher geworden… Dafür sagen uns jetzt immer häufiger Fuchs und Hasen „Gute Nacht“…

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