AUSWANDERERBLOG

Rapsernte

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 27, 2007

In der Gegend ist die Rapsernte im Gang. Alles Wissenswerte über Colza hier!

Rapsernte Juni 07

Das gleiche blühende Rapsfeld am 22. April dieses Jahres

Blonde d’Aquitaine

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 26, 2007

Die wichtigste Rinderrasse im Gers hat einen schönen Namen: Blonde d’Aquitaine.
Es ist eine schwere, grossrahmige Fleischrasse. Die Mutterkühe herrschen vor, Milchproduktion ist eher selten. Es gibt auch keine eigentliche Käsekultur in der Region.

Blonde dAquitaine

Rassenmerkmale, Bedeutung

Traktorenfriedhof

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 25, 2007

In Tachoires, 12 km von unserer Ferme, ist die nächste Landmaschinen-Reparaturwerkstätte. Und das Schöne daran: der Patron sammelt seit Jahrzehnten alte Traktoren. Wohl gegen 100 alte Stahlrösser rosten hier vor sich hin. Für mich werden Erinnerungen wach…

Tachoires, Traktorenfriedhof

„Es wird erzählt, mein Grossvater habe sich als einer der ersten Bauern bereits in den dreissiger Jahren einen Traktor angeschafft, noch mit Eisenrädern und einer Kurbel zum Anlassen. Es war ein Schweizer Traktor, ein legendärer Hürlimann, natürlich noch ohne Hydraulik und Zapfwelle, aber bereits mit einem Mähbalken für grosse Heuwiesen. Das Gefährt, mit Benzin und Petrol betrieben, war noch sehr schwerfällig, und entsprechend schwer zu steuern. Das Betätigen der Kurbel war harte Männerarbeit, vor allem, wenn der Motor einfach nicht anspringen wollte. Der Kühlergrill war defekt und musste immer wieder mit Lehm verstopft werden, damit das Kühlwasser nicht auslief. Der alte Traktor stand eingeklemmt zwischen allerlei Werkzeug und Gerätschaft im angebauten kleinen Traktorschöpfli. Wegen der Feuergefahr hatte der Grossvater die Wände der Garage mit Blech verkleidet. Das Fahren war fast ausschliesslich ihm, dem Gutsbesitzer, vorbehalten.
Es war für mich eine riesige Freude – und Anlass zum Stolz –, als mein Vater begann, mit mir über die Anschaffung eines neuen Traktors zu sprechen. Ich glaube, ich kannte in dieser Zeit alle Traktorenprospekte auswendig. Aus den Inseraten schnitt ich die einzelnen Modelle fein säuberlich aus, um sie eins nach dem andern in ein richtiges Album zu kleben. Ich war wie mein Vater der Meinung, wir sollten einen modernen englischen Massey-Ferguson kaufen, der Grossvater war entschieden für einen neuen Hürlimann. Die Anschaffung eines Traktors ist für die meisten Bauernfamilien neben der Hofübernahme oder allfälligen Gebäudesanierungen eine grosse finanzielle Belastung. Meine Eltern besorgten sich einen Teil des notwendigen Geldes mittels Darlehen von Geschwistern und anderenVerwandten. Ich selber verstaute meinen kleinen Lohn in einer Blechbüchse und hütete ihn verbissen, um mir damit in ferner Zukunft selber einen modernen Marolf Kippanhänger anschaffen zu können.“

Fergusson

„Im Frühjahr 1958 traf der neue Traktor bei uns ein, ein rot-grauer Massey-Ferguson, 35 PS, mit Hydraulik und Zapfwelle, mit Kriechgang und abnehmbarem Verdeck. Obwohl ich erst zehnjährig war, galt ich von jetzt an als der Haupttraktorführer auf unserem Betrieb. Mein Grossvater hielt noch zehn weitere Jahre an seinem alten Traktor fest, auch wenn er nicht mehr gebraucht wurde, während sich mein Vater wie bisher vor allem auf die Arbeit mit den beiden Freiberger Zugpferden konzentrierte. Man war damals überzeugt, dass sich die Pferde nie ganz durch Traktoren ersetzen liessen. Viele leichtere Feldarbeiten wie säen, walzen oder hacken wurden nach wie vor mit Hilfe der Pferde ausgeführt. Man setzte schwere Maschinen noch sehr zurückhaltend ein, um Bodendruckschäden zu vermeiden.
Ich genoss die Feldarbeiten mit dem neuen Traktor. Das Pflügen, die Bodenbearbeitung mit Bodenfräse, das Eggen, das Mähen und die Heuarbeiten, alles ging plötzlich so ring. Ich blieb mit Vergnügen bis spät abends auf dem Feld, auf „meinem“ Traktor, wenn ich nur nicht in den Stall musste. Selbstverständlich war ich auch sofort für alle Servicearbeiten zuständig. Es ist bestimmt dieser hingebungsvollen Pflege zu verdanken, dass der Traktor über zwei Jahrzehnte lang problemlos funktionierte. Langsam aber stetig wurden im Lauf dieser Zeit die schweren landwirtschaftlichen Arbeiten mechanisiert. Bald einmal brauchte man die Pferde nur noch, weil man sie täglich bewegen musste. Dafür stiegen die Maschinenkosten an, so dass man sich auf manchen Höfen verschuldete und es darob zu Streit und Generationenkonflikten innerhalb der Familie kam.
Die Weiterentwicklung der Mechanisierung landwirtschaftlicher Arbeiten hatte in meiner Generation eine wesentliche Bedeutung. Der technische Fortschritt war enorm, allein schon bei den Erntearbeiten: innert weniger Jahrzehnte wandelte sich die Sichel zum Mähdrescher, die Stechgabel zum Zuckerrübenvollernter, dasHandmelken in die Melkmaschine und dann in den Melkroboter. Die Väter versuchten bei der Anschaffung von Maschinen mitzuhalten, um die Arbeit zu erleichtern und den Beruf gerade für ihre Kinder attraktiver zu machen, letztlich vielleicht auch, um die Hofnachfolge zu sichern. Das war bei uns nicht anders.
Und ich bin nicht sicher, ob ich das selber, vielleicht unbewusst, mit unseren Söhnen genauso gehandhabt habe. 22 Jahre nach der Anschaffung „meines“ ersten Traktors habe ich am Tag von Kilians Geburt einen neuen Traktor gekauft. Einen Renault, mit heizbarer Kabine, mit Frontlader und 65 PS. Während ich noch in der Küche mit dem Maschinenvertreter über den Preis verhandelte, wartete Stephanie im Schlafzimmer ungeduldig darauf, dass ich sie endlich ins Spital fahre. Weitere 21 Jahre später habe ich in Frankreich, an Weihnachten 2001, wieder einen Massey-Ferguson gekauft, mit viel Elektronik, Wendegetriebe, Klimaanlage, Bordcomputer und 120 PS. Rein ökonomisch gesehen eine nur schwer zu rechtfertigende Anschaffung. Aber so ist es eben: In einem Bauernleben können nicht nur wirtschaftliche Gründe massgebend sein. Arbeitsfreude, Zukunftsglauben, Besitzerstolz, Nostalgie und anderes spielen mit. Ganz besonders, wenn es um Traktoren geht.“

Leseprobe aus „Bauernland“

Fordson

Oldtimer-Traktoren-Galerie auf diesem Blog

Landart

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 24, 2007

Mein verspäteter Beitrag an die Dokumenta in Kassel, an die Art in Basel oder an die Biennale in Venedig…. unverkäuflich.

Landart, La Oueyte

Heuen

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 23, 2007

Während man in der Schweiz den Schlamm vom Hochwasser weputzt sind wir am Heuen. Die inzwischen verdorrten Orchideen enden in Rundballen….

Wälmle

Heu pressen

Rundballe

Fünfter Landwirtschaftsminister….

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 20, 2007

Die Umgestaltung der Regierung Fillon hat uns schon wieder einen neuen Landwirtschaftsminister beschert. In den letzten sechs Jahren ist das der Fünfte!
Michel Barnier (1951) ist der Neue, Berufspolitiker aus Savoien, war schon mal Umwelt- und Aussenminister. Er war auch EU-Kommissar.
In diesem Moment verspricht er auf Radio France Inter, dass er für vermehrte Transparenz in der französischen Agrarpolitik sorgen werde. Betreffend Gentechnologie (OGM) will er die längst fällige öffentliche Debatte lancieren.

Ich bleibe skeptisch. Die vier bisherigen Landwirtschaftsminister haben eine Vereinfachung der agrarpolitischen Massnahmen („Simplifions!“) versprochen….. und es ist wesentlich komplizierter geworden!
Michel Barnier erklärt, er sei Minister de l’agriculture durable. Das würde aber bedeuten, dass der Biolandbau in Frankreich gefördert und nicht behindert wird.

Ich bin gespannt. Affaire à suivre!

Trauriges

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 19, 2007

Das Lerchennest, das wir vor einigen Tagen entdeckt haben, war gestern plötzlich leer. Hat der Dachs die vier Lercheneier gefressen?
Trotz aller Vorsichtsmassnahmen geriet gestern ein junger Feldhase in die Mähmaschine. Er war so schwer verletzt, dass ich ihn leider töten musste.

Heu mähen am 18.6.07

Gewitterregen

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 15, 2007

Gestern abend um 19 Uhr ging ein kurzes, heftiges Gewitter über das Pays d’Auch nieder: 6 mm Niederschlag. Dann schien wieder die Sonne. Heute morgen füh um fünf Uhr wieder heftiges Donnergrollen und 7 mm Niederschlag (7 Liter/m2). Jetzt strahlt schon wieder die Sonne und es scheint sich ein schöner Tag anzukünden. Aber Meteo France warnt vom nächsten Gewittersturm spätestens am Sonntag.
Das freut die Weinbergschnecke und ärgert den Bauern, der endlich sein Heu ans Trockene bringen möchte…

Weinbergschnecke auf Ginsterstrauch

Feinmotorik

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 12, 2007

Mit dieser Maschine (Debroussailleuse) mähe ich zur Zeit diverse Weg-und Strassenböschungen. Mit der rechten Hand steuere ich 10 verschiedene Bewegungen des Mäharms und mit der linken Hand lenke ich den Traktor. Die Füsse sind auf Kupplungs- Brems- und Gaspdalen. Hohe Konzentration ist erforderlich, damit die Baumstämme nicht verletzt werden und der Schlegelmäher vorsichtig den Bodenunebenheiten folgt. Alle Bewegungen werden durch einen ingenieusen Oeldruckmotor erzeugt. Es braucht viel Übung, bis sich eine gewisse Routine einstellt.

Debroussailleuse, Schlegelmäher am Schwenkarm

Le Temps des Cerises

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on Juni 11, 2007

Le temps des cerises ist vorbei in Frankreich. Die Rechte wird in den nächsten fünf Jahren fast uneingeschränkt schalten und walten können. Alle Macht bei Sarkozy. Das (Majorz-) Wahlrecht führt zu eindeutigen Mehrheiten im Parlament, aber auch zum Ausschluss von Minderheiten. Die Politik wird sich vermehrt auf die Strasse verlagern.
Kleiner Trost: wenigstens in unserem Wahlkreis (Gers, 1. circonscription) hat der sozialistische Kandidat die Nase vorn…

Zurück auf den Hof: Nach der reichen Kirschenernte im letzten Jahr machen sich die süssen Früchte in diesem Jahr sehr rar: Folge des kalten und regnerischen Wetters während der Kirschenblühte.

Dafür sind die Kartoffeln gewachsen wie nie. Allerding ist die Krautfäule in den letzten Tagen geradezu explodiert. Da hilft nur vorzeitige Ernte oder das Mähen der Stauden, damit die Krautfäule nicht zur Knollenfäule wird.

Wenn wir schon nicht Kirschen ablesen können, ernten wir halt jetzt Lindenblühten um Tee zu machen. Tee statt (Kirsch-)Schnaps. Zur Genesung.

Linde auf La Ouaitte