Farmblogger
Hier ein paar deutschsprachige Bloggeradressen/Site aus dem Bereich Agrikultur, die ich regelmässig konsultiere:
Abgerechnet
Nein, es geht hier nicht um eine politische Abrechnung nach den erfreulichen Bundesratswahlen, sondern nur um die Maschinenabrechnungen zwischen den Bauern der Region. Offenbar ist das überall gleich: gegen ende Jahr Jahr sitzen die Bauern zusammen, vergleichen ihre Aufzeichnungen betreffend gegenseitgem Maschinen-Ausleih und rechnen die Kosten nach vorgegebenen Normen ab.
Das ist jeweils auch Gelegenheit, um ein wenig über Gott und die Welt zu philosophieren, über die Bürokratie zu lästern und über Erfolge und Misserfolge bei unterschiedlichen landwirtschaftlichen Praktiken zu diskutieren.
Gestern war Jean-Jacques bei uns. Er hat zusammen mit seinem Bruder ein Mähdrescher- Lohnunternehmen. Wir bezahlen hier pro Hektare 80 € für das Mähdreschen. Dazu kommen 5.5% Mehrwertsteuer (TVA). Also etwas über 3000 € für unsere 40 Hektaren Brotgetreide. Weil die Weizenpreise stark gestiegen sind, lassen sich die teuren Maschinenkosten dieses Jahr besser verkraften.
Jean-Jacques hat uns gleich noch einen ausgemetzgeten Truthahn (Dinde) für das Neujahrsmenu mitgebracht. Convivialité française!
Bodenpreise
Eine kleine Recherche des Auswanderers bei Bauernkollegen hat ergeben, dass die landwirtschaftlichen Bodenpreise weltweit steigen. Eigentlich nicht erstaunlich bei der zunehmenden Verknappung der Nahrungsmittelflächen. Einsamer Spitzenreiter bei den Bodenpreisen für Agrarflächen ist die Schweiz! Natürlich gibt es innerhalb der einzelnen Länder auch noch sehr grosse Unterschiede.
Land Preis pro ha Ackerland
Schweiz 60’000 €
Frankreich 6’000 €
Argentinien 5’000 – 7’000 €
Kanada (Alberta) 1’500 – 6000 €
Australien (West) 2’500 €
Ukraine 1’500 €
Rumänien 200 – 1000 €
In den Oststaaten (Ukraine, Rumänien) ist der Kauf von Agrarland schwierig, so dass die pachtweise Bewirtschaftung im Vordergrund steht.
Entsprechend gibt es auch bei den Pachtzinsen grosse Unterschiede (Schweiz 1000 €/ha, Ukraine 30 €/ha). Die staatlichen Regelungen und Kontrollen im Boden- und Pachtlandmarkt werden sowohl in der Schweiz wie in vielen anderen Staaten umgangen.
Zahltag
Michel Barnier, Ministre de l’Agriculture, hat mir einen mit „Personnelle“ überschriebenen Brief geschrieben. Nicht nur mir, auch 500 000 anderen Bauern de la France. Es geht um die europäischen Paiements, die Direktzahlungen der EU. Er hat mir für das Jahr 2007 total 12’639.31 €uros auf unser Konto überwiesen. Ich habe mich natürlich sofort artig bedankt und ihn gebeten, meinen Dank auch nach Bruxelles weiterzuleiten.
Aufgeteilt auf unsere 70 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche macht das stolze 180 €uro pro Hektare. Nicht schlecht. Wir sind zufrieden.
Frankreich har zwar eine etwas eigenartige Verteilung der EU-Zahlungen gewählt. Der Hektaransatz wurde auf Grund lange zurückliegender Anbaujahre festgelegt. Dabei wurde beispielsweise für intensiven, bewässerten Maisanbau viel höhere Beiträge festgelegt als für Grasland. DPU (Droits de Paiement Unique) heisst das hier. Das hat dazu geführt, dass unabhängig von der heutigen Bewirtschaftung sehr unterschiedliche Flächenbeiträge ausgerichtet werden. So kann es vorkommen, dass einzelne Glückspilze schon mal 400 €uros oder mehr pro Hektare erhalten, und andere weniger als Hundert oder gar nichts.
Nun, in der Schweiz würden wir für einen vergleichbaren Betrieb nicht wie hier 20’000 Franken, sondern mindestens 100’000 Franken erhalten. Aber in der Schweiz wären wir Grossbauern, und die werden immer privilegiert….
Vu du ciel
Empfehlung: Heute abend auf TV France 2 um 20:50 Uhr:
Vu du ciel, Six milliards d’hommes à nourrir
Dokumentarfilm von Pascal Plisson et Xavier Lefebvre (France 2007)
„Nourrir 6 milliards d’hommes est l’enjeu quotidien des agriculteurs de la planète. Pour y arriver, l’élevage et l’agriculture intensive sont apparus il y a cinquante ans. Mais aujourd’hui, ce système productiviste est dépassé. Trop de pesticides polluent nos sols et nous avons besoin de temps et de la nature pour élever correctement les animaux.
Dans cette émission coup de poing, Yann Arthus-Bertrand nous invite à un voyage en France et dans le monde pour rencontrer des agriculteurs qui se battent contre ces dérives. Nous verrons aussi que nous, consommateurs, pouvons changer les choses en modifiant facilement nos comportements alimentaires. Car notre santé et le développement durable de nos ressources en dépendent. Du survol de Paris aux plaines cultivées de la Beauce, de la verdoyante Camargue aux Bananeraies des Antilles, en passant par le mont-blanc et l’Alsace, Yann Arthus-Bertrand poursuit un tour du monde au nom du développement durable et de la protection de l’environnement. Il nous montre les incroyables richesses de notre planète et va à la rencontre de ceux qui proposent des solutions pour pérenniser les modèles d’élevage et de culture.“
Réalisation : Yann Arthus-Bertand
Jagd
La chasse et la pêche gehören im ländlichen Frankreich zu der liebsten Freizeitbeschäftigungen der männlichen Bevölkerung. Hier im Südwesten ist die Jagd in den Händen der kommunalen Société de chasse. Die dörflichen Jagdvereine organisieren während der staatlich festgelegten Jagdzeiten Woche für Woche die sonntäglichen gemeinsamen Streifzüge durch Feld, Wald und Wiesen. Zurzeit steht die Jagd auf Wildschweine (Sangliers) im Vordergrund. Nachdem die Maisfelder abgeerntet sind verursachen die nächtlich herumstreunende Wildschweingruppen Schäden in den neu angesäten Getreide- Erbsen und Bohnenfeldern. Sehr zum Ärger der Landwirte.
Die abwechslungsreiche Landschaft mit vielen Hecken und Eichenwälder macht die Gegend zum reich gedeckten Tisch für alle erdenklichen Wildtiere. Damit das nebeneinander zwischen Landwirtschaft und Wildbeständen funktioniert, ist eine angemessene Bestandeskontrolle unumgänglich.
Wir haben mit unserer örtlichen Jagdgesellschaft bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Die Leute beobachten die Natur sehr aufmerksam und wissen immer genau, wieviele Rehe oder Wildschweine sich wo aufhalten. Hege und Pflege des Wildtierbestandes und das gesellige Beisammensein stehen bei der Société de chasse de Traversères oder de Haulies eindeutig im Vordergrund.
Regenmesser
Der oder die Regenmacher haben meine Klagen gehört: Immerhin gab es gestern 5 mm Niederschlag, 5 Liter pro Quadratmeter. Das genügt zwar noch bei weitem nicht, aber es wäre immerhin ein Anfang….
Meteo France kündigt für heute zwar heftige Gewitterstürme mit viel Niederschlägen an…. aber nur für Nordfrankreich. Vielleicht könnten d i e Regenmacher von Seconomiesuisse weiterhelfen?
Reben schneiden
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, hin und wieder braucht er auch ein Glas Wein….
Um nicht nur das Brot, sondern auch diesen Wein selber produzieren zu können, erziehen wir die Jungreben in unserem kleinen Rebberg. Wie weit man das Rad der Zeit auch zurückdreht, Weinbau begleitet den Menschen seit 3000 Jahren. In der Gemeinde Traversères hatte früher jeder Hof auch seinen Selbstversorgungs-Rebberg. In den letzten Jahrzehnten wurden diese Rebparzellen aber mehr und mehr vernachlässigt und schliesslich aufgehoben.
Wir haben jetzt wieder einen kleinen Rebberg angelegt um den Weinanbau nach alter Väter Sitte zu pflegen. Wir lieben die Arbeit in den Reben.
„Guet gjammeret isch haub buret“
Es ist trocken in der Gascogne. Seit zwei Monaten hat es kaum einen Tropfen geregnet.
Die Herbstsaaten laufen eher schlecht auf. In den Rapsfeldern gibt es grosse Lücken. Meine ende September gesäte Luzerne hat (noch) kaum gekeimt. In den Wiesen und Weiden haben sich infolge Trockenheit breite Spalten gebildet. Im Gegensatz zu der reichen Pilzernte im letzten Jahr, haben wir diesen Herbst in unseren Wäldern keinen einzigen Steinpilz gefunden. Zudem ist es kalt für die Saison. Etliche Frostnächte schon im November sind für unsere Gegend ausserordentlich. Dégradation climatique?
Schon fast Gletscherspalten in trockenen Wiesen…
Die Getreidesaaten kämpfen gegen die Trockenheit…
Naturalleistungen
Jean-Michel Liares, unser umsichtiger Maire hat uns einen ganzen Korb voll eingemachte Foie gras von Enten und Gänsen, Confit d’Oie und Rillette d’Oie gebracht. Das ist die grosszügige Naturalleistung dafür, dass wir seine Kühe zeitweise auf unseren Weiden grasen lassen.
Ich weiss, im nichtfranzösischen Ausland und insbesondere in der Schweiz ist Foie gras (Stopfleber) aus Tierschutzgründen sehr verpönt. Hier im Gers gehört die Delikatesse zu jedem Festessen und zählt zum „nationalen und gastronomischen Kulturerbe“.
Mama Liares geht sehr liebevoll mit ihren Freilandgänse und -enten um, wie sich alle Besucher selber überzeugen können (Gavage).
Naturalleistungen, das gegenseitige Austauschen von Esswaren, Früchten und Gemüsen, Eier und Fleisch gehört zum ruralen Frankreich wie … die Baguettes und der Vin de table.
All‘ das gehört halt ebenfalls zum patrimoine culturel et gastronomique und zum Charme des ländlichen Frankreichs. Douce France.










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