AUSWANDERERBLOG

Wie ich mir einen Biohof vorstelle…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on August 21, 2014

Ich gebe zu, in Sachen Biolandwirtschaft bin ich ein unverbesserlicher Romantiker. Als ehemaliger Co-Präsident der schweizerischen Kleinbauernvereinigung halte ich an der Vorstellung fest, dass ein Bauernhof, „unsere Sinne erfreuen soll“! Ein (Bio-)Bauernhof ist eingepasst in seine Umgebung, architektonisch ansprechend gestaltet, umgeben von Gärten, Weiden und Äckern… Natürlich muss nicht alles wie im Bauernhofmuseum Ballenberg aussehen, selbstverständlich sind auch moderne Gebäude denkbar. Allerdings stelle ich fest, dass gerade bei Renovationen und Neubauten im ländlichen Raum sehr viel gesündigt wird.

Im Kanton Bern gehört der Hof Biogemüse Maurer http://www.biomaurer.ch wahrscheinlich zu den grössten Bioproduzenten. Das sieht dann so aus…

IMG_2469

Wahrscheinlich hat es auch etwas mit der Grösse eines Betriebes zu tun, damit sich ein Biobauernhof auch ansprechend in die Landschaft einfügt. Für mich ist hier die „vernünftige Grösse“ eindeutig überschritten.

IMG_2475

Natürlich ist eine Biogasanlage eine gute Sache, mit meiner Vorstellung von einem „schönen Biohof“ aber ziemlich schwer zu vereinbaren…

Was meinen Sie?

3 Antworten

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  1. Lucy Maurer said, on Mai 19, 2015 at 3:25 pm

    Lieber Herr Baumann,
    gerne zeige ich Ihnen auch mal die schönen Seiten unseres Betriebes und was wir daraus produzieren. Die feinen Gemüse und Salate werden alle nach den Richtlinien der Bio Suisse und mit voller Überzeugung für gesunden Böden, gesunde Nahrungsmittel, saubere Umwelt und vor Allem zufriedene Kunden auf unseren Märkten, in den Grossverteilern oder Bioläden produziert. Leider können wir nicht nur von den idyllischen Bauernhäusern, Gärten und Feldern leben und wollen unsere Wirtschaft mit unseren Produkten ankurbeln. Wir dürfen auch mit Stolz sagen, dass wir unsere Gewächshäuser, die architektonisch kaum anders angelegt werden können, zu einem grossen Teil mit der Abwärme der Biogasanlage beheizt wird und die Bioenergie Diessbach AG nicht nur Ökostrom produziert, sonder wir eben diese Abwärme voll einsetzen können. Ich würde mich freuen, wenn sie mal die andere Seite unseres Hofes auch noch sehen möchten, sie dürfen sich jederzeit bei uns melden, wenn sie das nächste Mal bei uns vorbei kommen, denn die Fotomotive sind ja nicht grad die schönsten, die sie bei uns aufgenommen haben, da kann ich Ihnen weitaus schönere Ecken zeigen.

    Freundliche Grüsse
    Lucy Maurer

  2. ruedibaumann said, on Mai 19, 2015 at 5:31 pm

    Liebe Frau Maurer
    Natürlich verstehe ich Sie. Es ist nicht leicht bei den vorherrschenden agrarpolitischen Zielsetzungen einen kleinen oder mittleren Biohof zu führen und damit zu überleben. Sie haben zusammen mit ihrer Familie die Flucht nach „vorne“ angetreten im Sinne von „wachse oder weiche“. Das ist natürlich ihr gutes Recht. Das heisst aber auch, dass Sie mit ihrem Betrieb nur so lange überlebensfähig und erfolgreich sind, als Sie auf billige ausländische Arbeitskräfte zählen können.
    Was mich stört, ist die Tatsache, dass die Grossverteiler wohl gerne Ihre Bioprodukte vermarkten, in ihrem Marketing aber suggerieren, dass alle Produkte von ach so schönen, idyllischen, kleinen Bio-Familienbetrieben stammen.
    Ich begrüsse ihren Einsatz für umweltschonende Energien, heizen der Gewächshäuser mittels einer Biogasanlage ist sicher akzeptabler als heizen mit Atomstrom, aber dennoch: geheizte Gewächshäuser haben für mich nicht viel mit Biolandbau zu tun!
    Nüt für unguet, aber nach 50 Jahren Einsatz für eine umweltschonende, sozialverträgliche und tiergerechte Landwirtschaft stelle ich mir die weitere Entwicklung doch etwas anders vor….

    Mit freundlichen Grüssen

    Ruedi Baumann

    • Anonymous said, on Mai 19, 2015 at 10:43 pm

      Lieber Herr Baumann, unsere billigen Arbeitskräfte sind unsere Mitarbeiter wie wir sie lieber nennen, die aus Europa, meistens aus dem Osten für ein paar Monate im Jahr bei uns zu einem Schweizer Lohn, wie er in der Landwirtschaft vorgeschrieben ist, arbeiten. Sie haben bei uns auch Kost und Logis, wir kochen für unsere nLeute gesunde Malzeiten aus unseren eigenen Produkten oder aus Produkten von umliegenden Höfen oder kleinen Geschäfte, wie zum Beispiel unserem Dorfladen. Wir dürfen auch einige Schweizer zu unseren Mitarbeitern zählen, die uns Woche für Woche auf dem Markt, in der Rüsterei, in der Küche oder im Büro unterstützen. Und: wir möchten uns ja öffnen, warum darf ein Europäer nicht in der Schweiz arbeiten? Es sind leider nur noch wenige Schweizer, die das Arbeitspensum in der Schweiz auf sich nehmen wollen und das haben nicht wir Gemüseproduzenten erfunden, da muss man in die Politik zurückgreifen und damit kenne ich mich nicht wirklich aus, wo da der Hase im Pfeffer liegt. Wegen der Grösse unseres Hofes: wir sind ja mit 20 ha nur doppelt so gross wie ihr Hof in Suberg und führen den Betrieb in zwei Generationen… Dann noch zu der Heizgeschichte: in den Wintermonaten wird das Gewächshaus frostfrei gehalten, ab März darf geheizt werden, was in der Nacht mal notwendig ist, aber auch dann nicht mit Atomstrom, das halten auch wir nicht für nötig. Ich habe das Gefühl, dass ich ganz viele unnötige Vorurteile hier klären darf, was mich sehr freut! Und noch etwas zum Schluss: ich habe nicht das geringste Gefühl auf der Flucht zu sein, ich fühle mich eher auf dem guten Weg, in meinem Leben gemeinsam mit meiner Familie etwas sinnvolles mit meinen Händen, meinem Kopf und Herzen für die Menschen rund um uns zu tun und das macht mich zufrieden, glücklich und auch ein wenig stolz…. In dem Sinne eine gute Nacht, schon bald wollen unsere Kunden auf dem Markt frisches Biogemüse aus Diessbach kaufen… Liebgruss Lucy Maurer


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