AUSWANDERERBLOG

Er gab den Kleinbauern eine Stimme

Posted in Bauernland by ruedibaumann on April 29, 2009

Am 3. April jährt sich der Todestag von René Hochuli, dem Gründer der Kleinbauern-Vereinigung zum zwanzigsten Mal. Er starb mit 53 Jahren an einem Krebsleiden. Sein mutiges Engagement veränderte die schweizerische Agrarpolitik.

Am Samstag 2. Mai 2009 findet im Kultur- und Kongresshaus Aarau die Jahresversammlung der schweizerischen Kleinbauernvereinigung statt (Türöffnung 10.15 Uhr).

Ein Rückblick, um weiter vorwärts zu gehen

René Hochuli führte mit seiner Familie einen Bauernhof in Reitnau, im aargauischen Suhrental. 10 Milchkühe und 20 Muttersauen bildeten die Haupteinnahmequelle, ergänzt durch Kartoffeln und Getreide aus dem Ackerbau. René Hochuli machte als Lokalpoet und im Kampf gegen ein unsinniges Eisenbahnprojekt von sich reden, bevor die Land wirtschaftspolitik sein Leben in Beschlag nahm. Ende der Siebzigerjahre führten Milchschwemmen und Butter berge zur Milchkontingentierung. Gleichzeitig drohte die Indus trialisierung der Eier- und Fleischproduktion durch Tierfabriken. Die Futtermittelimporte aus Übersee stiegen sprunghaft. Das Agrobusiness verschlang einen wachsenden Berg von Bundessubventionen. Immer mehr Bauern wanderten in die Industrie ab. Vom Bauernverband war René Hochuli bitter enttäuscht. Die grossen Bauern sassen am Ruder und waren hungrig, auf Kosten der kleinen Höfe ihre Betriebe zu vergrössern. René Hochuli suchte die Konsumentinnen und Konsumenten als verbündete Kraft für die Kleinbauern. Am besten erreichte er die Bevölkerung über die Massenmedien. TV-Duelle mit den Bundesräten Ernst Brugger und Fritz Honegger sorgten für die schweizweite Bekanntheit des kämpferischen Kleinbauern.

Erster Präsident der Kleinbauern-Vereinigung
Zu hunderten trafen Briefe von Bäuerinnen und Bauern ein, denen René Hochuli im Fernsehen aus dem Herzen gesprochen hatte. Die Gründung der Kleinbauern-Vereinigung war eine Konsequenz daraus, Hochuli wurde 1980 erster Präsident. Die Konflikte mit dem Bauern verband, dem Zentralverband der Milchproduzenten und den Grossmästereien wurden hitzig ausgetragen. In den Medien nutzte Hochuli den Sympathiebonus der Kleinbauern. Er warb für umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft. Dass sich René Hochuli mit Karl Schweri, dem ersten Discounter im Schweizer Detailhandel verbündete, sorgte für böses Blut. Die agrarpolitischen Auseinandersetzungen erreichten mit der Abstimmung über die Kleinbauern- Initiative den Siedepunkt. Nur wenige Zehntelsprozente fehlten für den über raschenden Sieg gegen Bundesrat und Parlament. So oder so löste das Resultat eine politische Schock welle aus. Heute gilt die Abstimmung vom 3.Juni 1989 als Auslöser für die Agrarreform, die zehn Jahre später in einen neuen Bundesverfassungsartikel und in ein neues Landwirtschaftsgesetz mündete.

Der Bauernhof besteht weiter
René Hochuli erlebte den Abstimmungstag nicht. Drei Monate zuvor war er an einem Krebsleiden zuhause in seinem Bauernhaus verstorben. Seine Frau Frieda führte mit den vier Kindern den Betrieb weiter. Heute bewirtschaftet die Nachfolgegeneration den Hof. Susanne Hochuli und ihre Familie haben dem Bauernhof eine Reittherapie angegliedert. Was ist das Vermächtnis von René Hochuli? Otto Piller, ehemals Ständerat für den Kanton Freiburg und persönlicher Freund von René Hochuli, sagt es in einem Satz: «Er gab den kleinen und mittleren Bauern in der schweizerischen Politik eine Stimme. » Otto Piller ist überzeugt, dass die Bauern und Bäuerinnen René Hochuli viel verdanken. Ruedi Baumann, Hochuli’s Nachfolger im Präsidium der Kleinbauern-Vereinigung, sieht das schweizerische Direktzahlungssystem als wichtigstes Resultat der kleinbäuerlichen Vorstösse: «Die Direktzahlungen wären weniger hoch, weniger ökologisch und weniger sozial, wenn René Hochuli und die Kleinbauern-Vereinigung nicht mit Volksinitiativen und Referenden ein gegriffen hätten.»

Schweizerische Kleinbauernvereinigung

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  1. Avatar von Unbekannt ueli ineichen said, on April 30, 2009 at 9:55 am

    lieber ruedi,dein nachruf auf rene hochuli in ehren. seine anstrengungen stellten ein gegengewicht zum mannsholt-plan dar, von dem viele schweizer glaubten, er würde uns mit seiner forderung nach gross- und grösstbetrieben gut anstehen.wo licht ist, ist auch schatten. dazu ist in deinen obigen zeilen nichts zu finden. ich mache zusammenhänge zwischen dem erfolg der kleinbauerninitiative und dem derzeitigen chaos auf dem helvetischen milchmarkt aus. die bauern haben sich in mancher beziehung ‚das heft‘ aus der hand nehmen lassen, weil man ihnen damals und später nicht zutraute, die kräfteverhältnisse am markt beeinflussen zu können. anstelle dessen ist ein „wenn zwei sich streiten, freut sich der dritte“ in allen möglichen formen getreten.ueli

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  2. Avatar von Unbekannt mattebuur said, on April 30, 2009 at 3:03 pm

    Einen sottigen Seich wie dieser Ineichen da von sich gibt, hab ich mein ganzes Leben lang, noch nie gelesen.Rund um die Schweiz gibt es einen grossen offenen Markt.Will Ineichen, wie einstmal Ulbricht eine Mauer bauen, soll er ruhig beginnen, es wäre ehrlicher als dem Hochueli ans Bein zu Seichen. Ohne die damaligen Mahner und Reformer, sässen die Bauern heute viel tiefer in der Scheisse.Gerade die Aargauer Grossbauern. Zuerst feiert man Emmenegger in ganzseitigen Zeitungsinseraten, als Kim il Sung – the sun of the nation – führt die Milchbauern ins Glück, wenn es dann Scheisse läuft – kriegt Luginbühl anomyme Telefondrohungen.Die Aargauer wissen schon warum sie Susanne Hochueli in den Regierungsrat wählten.

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  3. Avatar von Unbekannt ueli ineichen said, on Mai 1, 2009 at 10:12 pm

    die ich übrigens auch gewählt habe…

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  4. Avatar von Unbekannt helen said, on Mai 2, 2009 at 8:59 am

    Grüssdich Mattebuur,jeder darf und soll seine Meinung vertreten. Wenn Sie/Er das mit Anstand tut,wird diese Meinung (meistens) auch akzeptiert. Nach meiner Empfindung enthält deine Antwort leider zu viel „Seich und Scheisse“. Schade.Einig mit dir bin ich über die Freude dass Susanne Hochuli, die ich seit ihrer Seminarzeit kenne,in den Aargauer Regierungsrat gewählt wurde!

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