Liebe Kathrin, Guten Tag….
… und herzlichen Dank für dein Mail zu meinem Blog. Neben dir haben gestern noch weitere 1017 LeserInnen bei mir vorbeigeschaut. Das freut mich und ich grüsse alle heutigen und künftigen BlogbesucherInnen herzlich!
Genau heute vor sechs Jahren haben wir unser Abenteuer in der Gascogne begonnen. Am 21. Juni 2001 sind wir hier im Südwesten auf einer etwas verlotterten, stillgelegten Ferme eingetroffen. Seither haben wir viel gerodet, geackert, gepflanzt, gesät und geerntet. Haus und Hof haben wir mit Hilfe der ganzen Familie umgebaut, renoviert, geflickt und neu gestrichen.
Weit über hundert Freunde haben uns seither hier besucht und mit uns Flurbegehungen, Spaziergänge und Exkursionen gemacht und Land und Leute kennengelernt. Wir haben gut gegessen und getrunken, gefeiert, musiziert, gemalt und geschrieben.
Liebe Kathrin, wir freuen uns auf euren nächsten Besuch!
So war es am 21. Juni 2001 (Auszug aus Bauernland):
„Es war spätabends und entsprechend finster in dieser gottverlassenen Gegend, als wir am 21. Juni 2001 ankamen. Wie abgemacht, lag der Hausschlüssel unter einem Stein neben dem Haupteingang der Maison du Maître, aber wir hatten weder Strom noch Wasser und auch das Telefon funktionierte nicht. So biwakierten wir in unserm neuen, unmöblierten Heim bei Kerzenlicht auf dem Fussboden, das Wasser holten wir aus dem nahen Senkbrunnen und zur nächsten Telefonkabine fuhren wir einige Kilometer. Die ersten Wochen verbrachten wir mit Aufräumen, Reparieren, Entsorgen, Einkaufen und Anstreichen. Daneben knüpften wir erste Kontakte zu den Bauernfamilien in der Gegend. Unsere Gemeinde zählt nur 65 Einwohner, die nächsten Nachbarn sind anderthalb Kilometer entfernt. Wir stellten uns beim Maire vor und schlugen uns mit der französischen Bürokratie herum, mit der Electricité de France und der Telecom.
Während vier Jahren hatten wir etwa 30 Betriebe besucht, bis wir in der France profonde den passenden fanden. Die hügelige Region 100 km westlich von Toulouse gilt als Abwanderungsgebiet und ist am schwächsten besiedelt von ganz Frankreich. Die Böden sind hart und steinig, kalk- und tonreich und oft sehr trocken. Unser Hof umfasst eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 70 Hektaren, alles an einem Stück, mit alten, aber charaktervollen Gebäuden. Die früheren Besitzer waren so genannte Pieds noirs gewesen, die 1963 von Algerien hierherkamen. In den letzten 10 Jahren war der Betrieb mit Hilfe von EU-Subventionen stillgelegt. Einerseits ideal für uns, weil wir vom ersten Tag an mit biologischem Landbau beginnen konnten, andererseits waren Hof und Felder stark vernachlässigt und zugewachsen. Aber was gibt es Schöneres, als etwas wieder instand zu stellen, Böden zu rekultivieren, zu säen und zu ernten und das alles in einer landschaftlich zauberhaften Gegend? Inzwischen haben wir das Dach des Wohnhauses saniert, eine Heizung eingerichtet, die Wasserversorgung erneuert und alle Zimmer gestrichen. Auf 40 Hektar Acker wuchsen in den letzten Jahren Sonnenblumen, Brot- und Futtergetreide und Févéroles (Bohnen). Wir haben Drainagerohre verlegt und Bachläufe saniert, einen kleinen Rebberg und einen Garten mit Gewächshaus angelegt.
Die nötigen grossen landwirtschaftlichen Maschinen mieteten wir am Anfang, inzwischen haben wir die wichtigsten Geräte und Apparate, Schaufelbagger und Frontlader angeschafft. Nicht ohne vorher alle Maschinenausstellungen in der Region zu besuchen und ausführlich mit den Maschinenhändlern zu feilschen. Am Ende des ersten Betriebsjahrs leisteten wir uns zu Weihnachten einen neuen, topmodernen 120 PS starken Massey-Ferguson. Da kam die alte Freude wieder hoch, die Erinnerung an Grossvaters Traktor und die alten Zeiten.
Weil wir nicht grossflächig bewässern können, sind die Erträge unseres Hofs, bei dessen Bewirtschaftung uns gelegentlich die Söhne helfen, nur etwa halb so hoch wie in der Schweiz. Der Absatz der Bioprodukte erfolgt über landwirtschaftliche Genossenschaften, allerdings zu Marktpreisen, die zwei- bis dreimal tiefer liegen als in der Schweiz. Die Weideflächen bestossen wir kurzfristig mit 40 Mutterkühen unseres Nachbarn, dem Gemeindepräsidenten. Damit ist uns gedient, weil wir zeitlich eine gewisse Unabhängigkeit aufrecht erhalten können, und ihm, weil er mit der zusätzlichen Weidefläche die Futterknappheit in den heissen und trockenen Sommermonaten ausgleichen kann.
Für die ersten fünf Jahre konnten wir mit der Regierung einen sogenannten Contrat Territorial d’Exploitation abschliessen, einen detaillierten Naturschutzvertrag, der die Umstellung auf Biolandbau, die fünf Kilometer Heckenpflege, die Erhaltung der artenreichen Wiesen, den pfluglosen Ackerbau, die Grünstreifen entlang der Bachläufe usw. regelt. Dafür bekommen wir Entschädigungen in der Grössenordnung von umgerechnet jährlich zwanzigtausend Schweizer Franken. Daneben erhalten wir die ordentlichen EU-Direktzahlungen in ähnlicher Höhe. Die Einhaltung der Flächen und Kulturen wird mit detaillierten Flugaufnahmen und professionellen Kontrolleuren überwacht.
Zur Zeit laufen die Vorbereitungen und hitzige Diskussionen an Bauernversammlungen für die künftigen Einheitszahlungen) der EU, die 2006 eingeführt werden. Damit keine Routine einkehrt, bewerben wir uns zur Zeit um eine Pachtlandfläche von rund 30 Hektar, angrenzend an unseren Betrieb, um damit mittelfristig den Vollerwerbsbetrieb zu sichern.
Wir, und die vielen Besucher aus der Schweiz, freuen uns täglich an den intakten Landschaften, – die majestätischen Eichenalleen wirken fast wie Kathedralen -, wir staunen über Flora und Fauna, haben wir doch inzwischen auf unseren Wiesen 26 verschiedene wilde Orchideenarten entdeckt. Den Schritt nach Europa haben wir noch keinen Tag bereut. Wir haben hier gute neue Freunde gewonnen und werden uns bald einbürgern lassen können. Wenn wir allerdings aus der Schweiz hören, dass die erleichterte Einbürgerung für Ausländer in einer Volksabstimmung abgelehnt wurde, schämen wir uns manchmal auch einwenig für unser Land.“
Fünfter Landwirtschaftsminister….
Die Umgestaltung der Regierung Fillon hat uns schon wieder einen neuen Landwirtschaftsminister beschert. In den letzten sechs Jahren ist das der Fünfte!
Michel Barnier (1951) ist der Neue, Berufspolitiker aus Savoien, war schon mal Umwelt- und Aussenminister. Er war auch EU-Kommissar.
In diesem Moment verspricht er auf Radio France Inter, dass er für vermehrte Transparenz in der französischen Agrarpolitik sorgen werde. Betreffend Gentechnologie (OGM) will er die längst fällige öffentliche Debatte lancieren.
Ich bleibe skeptisch. Die vier bisherigen Landwirtschaftsminister haben eine Vereinfachung der agrarpolitischen Massnahmen („Simplifions!“) versprochen….. und es ist wesentlich komplizierter geworden!
Michel Barnier erklärt, er sei Minister de l’agriculture durable. Das würde aber bedeuten, dass der Biolandbau in Frankreich gefördert und nicht behindert wird.
Ich bin gespannt. Affaire à suivre!
Trauriges
Das Lerchennest, das wir vor einigen Tagen entdeckt haben, war gestern plötzlich leer. Hat der Dachs die vier Lercheneier gefressen?
Trotz aller Vorsichtsmassnahmen geriet gestern ein junger Feldhase in die Mähmaschine. Er war so schwer verletzt, dass ich ihn leider töten musste.
Die blaue Welle ist verebbt…
Französinnen und Franzosen wollen nicht von einer einzigen Person regiert werden. Nach dem zweiten Wahlgang stehen bei den Parlamentswahlen plötzlich die Sozialisten wesentlich besser da als erwartet. In der neuen Nationalversammlung wird die Rechte 50 Sitze weniger haben als bisher. Dafür gewinnen die Sozialisten rund 50 Sitze. Erstaunliche Korrektur nach dem angekündigten politischen Tsunami. Klar, die Mehrheit der Rechten bleibt, aber sie ist nicht so ausgeprägt wie befürchtet.
Die Wahlen haben auch prominente Opfer gefordert: allen voran Alain Juppé, Maire de Bordeaux und Vize-Premierminister, der in seinem Wahlkreis knapp einer Sozialistin unterlag und nun seinen Superministerposten umgehend räumen muss… Sarkozy muss bereits einen neuen Umweltminister suchen!
Erstaunlich auch der Linksrutsch in unserem ruralen Departement Gers: beide Deputé gehören künftig der Sozialistischen Partei an. Mes félicitations à Philippe Martin et Gisèle Biemouret.
Und noch ein wichtiges Resultat der Wahlen: Front National et LePen c’est fini! Kein einziger Sitz für die Rechtsextremen.
Am Ende ist offensichtlich auch das berühmte Couple politique: Ségolène Royal und Francois Hollande haben ihre Trennung bekanntgegeben.
Marktag in Seissan
Jeden Freitag ist Markt in Seissan. Für uns ist das distanzmässig die nächste Gelegenheit unsere Einkäufe zu machen. Seissan zählt rund 1000 Einwohner, hat einen kleinen See, einen grossen Dorfplatz, zwei Bàckereien, eine Arztpraxis, eine Apotheke, diverse Restaurants und Hotels, eine grosse Kirche, zwei Dorfläden, eine Bank, eine Markthalle und einen grossen Bricoleur-Laden….., kurz alles was man so für den täglichen Bedarf braucht.
Demnächst eröffnet die Gemeinde sogar eine öffentliche Mediathek. Von unserer Ferme sind es 14 km nach Seissan.
Natürlich ist der Markttag kurz vor dem zweiten Wahlgang eine gute Gelegenheit für die beiden Kandidaten für die Legislaturwahlen mit den WählerInnen in Kontakt zu treten. Philippe Martin (PS) unser bisheriger Député hat gute Chancen, trotz der Wahlniederlage seiner Partei, heute für eine neue Legislatur von fünf Jahren wiedergewählt zu werden.
Nicht vergessen…
Am Sonntagabend um 23:30 Uhr auf SF1:
Klanghotel Musik
Hope Music
Die Band PEGASUS auf dem Weg zum ersten Album
Ein Film von Simon Baumann und Andreas Pfiffner
Pegasus heisst die neue Hoffnung am Pophimmel der Schweiz: Das junge Quartett aus Biel hat soeben seine erste CD bei einem Major Label veröffentlicht. Bis dahin hatten die vier 18-Jährigen bereits einen weiten und steinigen Weg zurückzulegen. Die Dokumentation von Simon Baumann und Andreas Pfiffner begleitete Pegasus zwei Jahre lang zwischen emotionalen Höhenflügen, Selbstzweifeln, Krisen, Erfolg und wachsender Anerkennung.
Auch wenn Stars heute oft im Fernsehen gemacht werden, gibt es sie noch: Musiker, die ihre Songs selber schreiben und ihre Musik als Botschaft an die Hörer verstehen. Vier solche Musiker spielen im Film «Hope Music» die Hauptrolle. Sie sind rund 18-jährig und schreiben schnörkellose, eingängige Pop-Songs im Stile der 1960er-Jahre, die – und da ist sich die Fachpresse einig – das Zeug zum internationalen Erfolg haben. Pegasus singt vierstimmig, spielt Gitarre, Bass und Schlagzeug und hinterlässt überall ein verblüfftes und begeistertes Publikum.
Auf der Suche nach einem modernen Patriotismus
Kürzlich ist uns in den französischen Medien eine bitterböse Karikatur über die Schweiz aufgefallen: Ein Franzose trägt einen offensichtlich prall gefüllten Geldkoffer über die Schweizer Grenze.
Plakatwände links und rechts der Strasse heissen den Gast willkommen: Bienvenue en Suisse! Ses chocolats! Ses banques! Son euthanasie cinq étoiles!
Dass die Schweiz vor allem als Steuerparadies für französische und andere Steuerflüchtlinge in Verbindung gebracht wird, ist uns nicht neu.
Die Karikatur zeichnet aber schärfer denn je, welches Bild die Schweiz im Ausland hinterlässt.Das der schamlosen Rosinenpickerin, der man jedes Geschäft zutraut. Auch das Geschäft mit der Not von Sterbewilligen aus Ländern, die eine restriktive Regelung der Sterbehilfe kennen….
Gewitterregen
Gestern abend um 19 Uhr ging ein kurzes, heftiges Gewitter über das Pays d’Auch nieder: 6 mm Niederschlag. Dann schien wieder die Sonne. Heute morgen füh um fünf Uhr wieder heftiges Donnergrollen und 7 mm Niederschlag (7 Liter/m2). Jetzt strahlt schon wieder die Sonne und es scheint sich ein schöner Tag anzukünden. Aber Meteo France warnt vom nächsten Gewittersturm spätestens am Sonntag.
Das freut die Weinbergschnecke und ärgert den Bauern, der endlich sein Heu ans Trockene bringen möchte…
Ein Gläschen in Ehren…
Eine wichtige Frage beschäftigt zur Zeit ganz Frankreich: War unser neuer Präsident am G8 Gipfel besoffen? Nach einer Unterredung mit dem russischen Präsident Putin erschien er wie folgt vor den Medien….
Nach gut unterrichteten Kreisen sah das Menu wie folgt aus: Galliano-Gin- Grappa-Gentiane- Glayva-Guignolet -Genepi-Glace. Prost!
31.Orchidee: Mückenhändelwurz
Der Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea), der jetzt gerade noch aus dem hohen Gras leuchtet, ist für viele Wochen vermutlich die letzte Orchidee, die wir hier zeigen können (falls wir nicht doch plötzlich noch etwas Neues entdecken). Aus Erfahrung wissen wir aber, dass es hier nach Mitte Juni jeder Orchidee (und auch uns manchmal) ganz einfach zu trocken ist. Im September/Oktober kommt dann aber noch die Herbstwendelähre.
Zur Überbrückung der Durststrecke stellen wir 20 Bilder der Ophrys du Gers in die Fotogalerie (auf der rechten Seite des Bildschirms Kategorie Galerie: Orchidee du Gers). Zu beachten: die vielfältigen Zeichnungen auf der Lippe. Stephanie hat über 100 Ophrys du Gers fotografiert – keine ist gleich wie die andere!
Am oberen Bildrand ist ganz klein der Bauer zu sehen, der zurzeit nur Weg- und Heckenränder mähen darf, damit er ja keine Orchidee umhaut









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