AUSWANDERERBLOG

Über Fristen und Termine…

Posted in Comédie française by ruedibaumann on Juni 5, 2010

Man spricht von der gascogne’schen halben Stunde und meint damit, dass man hierzulande grundsätzlich bei allen Abmachungen mit etwa eine halbe Stunde Verspätung rechnen muss… Wenn also der repas de chasse auf midi angesagt ist, reich es auch um 13 Uhr noch für den Apéro!
Oft gilt das gleiche für die Einhaltung der Termine. Regelmässige Auswandererblog-Leser wissen, dass unsere Solaranlage seit dem Monat April fertig ist, und nur darauf wartet ans öffentliche Stromnetz angeschlossen zu werden. Obschon ich mindestens einmal die Woche die zuständigen Stellen inständig bitte, nun doch endlich meinen umweltschonenden Strom zu nutzen, ist bis heute gar nichts passiert! Wohlverstanden, es ist seit Monaten alles bereit, man müsste nur noch den Stecker einstecken…. Interventionen bei Consuel (comitée national pour la sécurité éléctric) ERDF (nationale Netzgesellschaft), EDF (Éléctricité de France), Région Midi-Pyrénées haben bisher leider nichts gefruchtet.
Jetzt habe ich die regionale Presse auf den Missstand aufmerksam gemacht um endlich zu erreichen, dass alle die sich für grünen Strom engagieren, nicht wegen administrativen Schlampereien endlos auf morgen, übermorgen, nächste Woche, nächsten Monat vertröstet werden. Jetzt bin ich gespannt was La Dépéche du Midi aus meiner Intervention macht. Ob es etwas nützt?

Übrigens: Gestern konnte ich plötzlich meinen Blog nicht mehr administrieren und es erschienen nur noch Fehlermeldungen vom Bloghoster. Also habe ich ein Mail an Kaywa geschrieben. Postwendend kam die Antwort, man würde den Fehler suchen… und knapp eine Stunde später hatte man den Error gefunden und behoben und mein Blog funktioniert wieder. Da lob ich mir die Schweizer Zuverlässig- und Pünktlichkeit!

Heuwiese

Posted in Orchideen by ruedibaumann on Juni 3, 2010

Hier kann vorläufig nicht gemäht werden:


In dieser Wiese mit tausenden von rosaroten Pyramidenorchis, braunroten Schwertstendeln und vielen hüfthohen grünen Bocksriemenzungen (= alles Orchideen) heute zufällig gefunden:

das unauffällige aber wunderbar nach Vanille riechende Wanzenknabenkraut (Anacamptis coriophora ssp. fragrans) auch dies eine Orchidee.

Und auch in dieser Wiese diese Sensation!

Die Schweiz hat keinen guten Ruf

Posted in Politik by ruedibaumann on Juni 2, 2010

Wir sind jetzt bald seit zehn Jahren Auslandschweizer, seit vier Jahren Doppelbürger und wir verfolgen mit einigem Interesse die politische Entwicklung in den beiden Ländern. Dabei stellen wir mit wachsender Besorgnis fest, dass der Ruf der Alpenrepublik immer mehr leidet.
Die Schweiz gilt zunehmend als Sonderling, als Profiteur auf Kosten anderer Staaten, als isolierter Hort der Superreichen und als teures Touristenland. Die rassistischen Abstimmungsplakate und die Hetze gewisser Leute gegen alles Fremde schaden dem Ansehen des Landes zunehmend.
Gut, man kann auch feststellen, das die Schweiz immer weniger wahrgenommen wird und wenn ausnahmsweise doch, dann eher negativ.
In französischen Medien werden die Länder der EU praktisch täglich einander gegenübergestellt und grafische Vergleiche gezogen: Ratings und aufschlussreiche Statistiken über das Sozialwesen, das Bildungswesen, die Bevölkerungstruktur, die wirtschaftliche Entwicklung, den Umweltschutz, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit usw. usf.. Im Herzen Europas ist leider im wahrsten Sinne des Wortes regelmässig nur ein schwarzes Loch! La Suisse n’éxiste pas!

Die Abschottung des Landes gegenüber der Europäischen Union schadet der Schweiz. Die Volksabstimmungen zu völkerrechtswidrigen Forderungen (Minarettinitiative, Ausschaffungsinitiative) sind Ausdruck einer verunsicherten, egoistischen, ja zunehmend rassistischen Nation.
Die früher viel gelobten direktdemokratischen Einflussmöglichkeiten der Bevölkerung auf die Politik des Landes werden durch die unkontrollierten, intransparenten Geldflüsse in das Gegenteil umgekehrt. Wirtschaft und Banken schmieren und salben rechte Parteien und Abstimmungskomitees seit Jahrzehnten mit Millionenbeiträgen und gewinnen damit praktisch jede Abstimmung, sei’s im Parlament oder an der Urne. Es gibt auf der ganzen Welt keine halbwegs glaubwürdige Demokratie, in der undeklarierte Geldmittel die Politik in diesem Ausmass beeinflussen!
Die rechtsnationalistische Hetze, geschürt mit plakativem Grossaufwand ist seit Jahren das Markenzeichen der SVP und ihres milliardenschweren Vordenkers und Geldgebers. Inzwischen ist diese frühere, kleine Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei zur grössten Volkspartei der Schweiz geworden, notabene mit zweit- und drittklassigem Politpersonal.

Es ist kein Wunder, dass die Schweiz keine Freunde mehr hat.

Einzigartig!

Posted in Orchideen by ruedibaumann on Juni 1, 2010

Letztes Jahr haben wir auf unsern Wiesen eine sehr seltene (bisher unbekannte) Orchidee gefunden (neu entdeckte, in der Fachliteratur noch nie beschriebene Orchidee)

Leider wollte sich diese Orchidee (Hybrid) in diesem Jahr noch nicht zeigen, obwohl wir jeden Tag nachschauen gehen.
Aber in den letzten Tagen hat Stephanie auf einer andern Wiese eine seltsame Orchidee gefunden, die sich heute beim genaueren Hinsehen eindeutig als genau die gleiche entpuppt hat: ein Hybrid zwischen Anacamptis pyramidalis und Serapias vomeracea:

Und weil aller guten Dinge zwei sind, fand sich gleich daneben auch noch eine weitere dieser seltenen Pflanzen:

Solche Entdeckungen sind allerdings nicht gratis zu haben: Man bezahlt sie mit stundenlangem Suchen im hohen Gras und…….. nicht selten mit einem Zeckenbiss!

Hommage für Noel Penstone

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Mai 31, 2010

Ich bereite eine kleine Nostalgiereise nach Südwestengland vor. Vor nicht weniger als 45 Jahren habe ich auf einer Farm in Devon ein halbjähriges Praktikum absolviert (siehe auch Bauernland).
Im Internet mache ich mich über die ehemaligen Wirkungsstätten wieder etwas kundig. Selbstverständlich suche ich dabei auch nach Personen, mit denen ich damals gut befreundet war. Noel Penstone war in dieser Zeit ein junger Politberater und Aktivist der Liberals, der den Parlamentswahlkampf für meinen Chef Tony Lacey organisierte.
Noel ermöglichte mir einen guten Einblick in die Gebräuche des englischen Wahlkampfs, nahm mich mit, wenn er die zahlreichen Meetings in der südenglischen Provinz organisierte und weckte in mir ganz allgemein das Interesse für politische Aktionen. Mit seinem Mini Cooper haben wir nicht nur die Seebäder an der Atlantikküste abgeklappert, sondern auch die abgelegensten Weiler inmitten des Dartmoor-Gebietes aufgesucht. Ehrlich gesagt, ich habe damals mehr über den Politalltag, das Wahlsystem und die Parteiprogramme in England erfahren als über neue landwirtschaftliche Praktiken. Selbstverständlich gehörte auch ein Matchbesuch zu unserem Freizeitprogramm, immer dann, wenn seine „Tottenham Hotspurs“ irgendwo im Südwesten spielten.
Noel Penstone hat mich in den folgenden Jahren auch wiederholt in der Schweiz besucht. Er wurde in den 68er-Jahren zu einem professionellen „Hitchhiker“ (Autostopper) und umrundete so per Anhalter nicht weniger als vier oder fünf mal den ganzen Globus.
Einmal war ich mit ihm zusammen auf einer abenteuerlichen Autostopp-Reise im ehemaligen Jugoslawien unterwegs.
Ums Neujahr erhielt ich jeweils eine Postkarte mit der Aufzeichnung seiner Reiseroute, quer durch Afganisthan, Indien, Burma, Australien, Neuseeland, Süd- und Nordamerika…. Seine Postkarten liessen mich immer wieder etwas von der grossen weiten Welt träumen…

Mit den Jahren und Jahrzehnten haben wir uns aus den Augen verloren. Sein immer wieder angekündigtes Buch über seine abenteuerlichen Weltumrundungen ist leider nie erschienen oder ich habe es zumindest nie gefunden. Ich habe während Jahrzehnten nichts mehr von ihm gehört und war nicht sicher, ob er irgendwo im Dschungel verschollen ist..

Nun, mit meiner gestrigen Internetrecherche ist es mir gelungen, seine Spuren wieder zu finden. Allerdings aus traurigem Anlass: Noel Penstone ist im Oktober 08 als liberaldemokratischer Stadtrat in London infolge Krankheit zurückgetreten und im Dezember des gleichen Jahres gestorben.
Er hat leider nicht mehr miterlebt, dass seine „Liberals“ es endlich geschafft haben und Mitglied der englischen Regierung geworden sind!

Ich bin traurig. Ich hätte Noel gerne noch mal wiedergesehen. Aber so ist das Leben.
„Die alten Strassen noch, die alten Häuser noch, die alten Freunde aber sind nicht mehr…“ hat uns, als wir noch Kinder waren, unser Grossvater jeweils vorgesungen….

Smaragdeidechse

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Mai 30, 2010

Kleine Eidechsen sind bei uns sehr verbreitet. Viel weniger häufig sieht man allerdings die etwas grösseren grellgrünen Smaragdeidechsen (Lacerta viridis). Ein Exemplar davon lebt in unserem Garten und ist sehr fotoscheu. Gestern allerdings sind Stephanie ein paar Aufnahmen gelungen:

Grün macht glücklich!

Posted in Diverses by ruedibaumann on Mai 29, 2010

„Green Change, Strategien zur Glücksmaximierung“

heisst das Buch von Bastien Girod, Nationalrat der Grünen, das dieser Tage im Zytglogge-Verlag erschienen ist.

Er schildert darin sein Engagement für eine glücklichere Entwicklung, fragt sich was glücklich macht und entwickelt politische Leitlinien für eine bessere Glücksbilanz.

Vom Greenpeace-Aktivisten zum Nationalrat.

Vom Umweltschutz zum „Pursuit of happiness“.

Von der Vision zur Umsetzung.

Ein cleveres und innovatives Buch und ein muss für alle, denen die Zukunft nicht gleichgültig ist!

Französische Friedhofkultur

Posted in Comédie française by ruedibaumann on Mai 28, 2010

Auf den Friedhöfen der französischen Provinz ist die „Égalité“ noch nicht überall realisiert. Bei den Familiengräbern werden die Standesunterschiede geradezu zelebriert. Andere Länder, andere Sitten!

Le bonheur est dans le pré

Posted in Bauernland by ruedibaumann on Mai 27, 2010

Seien es die Gladiolen am Waldrand…

… oder die Blumenwiese „devant ma porte“…

… „le bonheur est dans le pré“!

Übrigens: Solche Blumenwiesen gab es vor 50 Jahren auch noch im Schweizer Mittelland.

L’age de la retraite – Rentenalter

Posted in Politik by ruedibaumann on Mai 26, 2010

Frankreich hat bezüglich Rentenalter eine grosszügige Regelung. Offiziell gehen hierzulande die Leute mit 60 in Pension oder nach 40 Beitragsjahren. Für viele staatliche Funktionen (Polizei, Gesundheitswesen, Öffentlicher Verkehr usw.) gilt auch schon mal das Rentenalter 55! Allerdings sind die Altersrenten verglichen mit der Schweiz doch eher bescheiden und je nach Berufsgruppe sehr unterschiedlich. So erhält ein Landwirt eine durchschnittliche monatliche Altersrente von gerade mal 750 €uros. In der übrigen Privatwirtschaft ist die durchschnittliche AHV 1122 €/Monat, währenddem ein staatlicher Funktionär immerhin im Mittel mit 1850 €/Monat rechnen darf.
Nun hat wegen der höheren Lebenserwartung natürlich auch hierzulande die Diskussion um die Erhöhung des Rentenalters eingesetzt. Die Regierung will schon für das nächste Jahr das Rentenalter auf 62 heraufsetzen. Dagegen wehren sich natürlich die Opposition und die Gewerkschaften und sie werden das in den nächsten Wochen auch mit landesweiten Demonstrationen und Streiks kund tun. Martine Aubry, die Chefin der Sozialisten, vermutet, dass die Regierung die ungeliebte Rentenerhöhung während der Fussballweltmeiserschaft konkret bekanntgeben wird, weil dann die Leute keine Zeit haben werden zu reagieren… So oder so, „le gouvernement marche sur des oeufs“!

Wie dem auch sei, wir beabsichtigen unser persönliches Rentenalter noch mindesdens auf 85 Jahre hinauszuschieben…