PAC
Die drei Buchstaben sind entscheidend für die europäische Landwirtschaft und für die EU-Bauern so quasi tägliches Brot. PAC bedeutet Politique Agraire Commune und ist für uns Bauern so etwas wie die Lohnabrechnung für Angestellte. Dieser Tage hat der zuständige Agrarkommissär bekanntgegeben, wie es seiner Meinung nach ab 2013 weitergehen soll mit den Direktzahlungen an die europäischen Bauern. Oekologische Leistungen sollen künftig besser honoriert und die „payements direct“ sollen gerechter unter den Landwirten verteilt werden.
In der Tat sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Bauern und den 27 Mitgliedsländern enorm.
Gemäss dieser Grafik erhalten Bauern in der EU jährlich zwischen 95 und 560 €uros pro Hektare Direktzahlungen (DZ). Wir beispielsweise erhalten für unseren 70 ha grossen Hof 140 €/ha.
Zum Vergleich: die Direktzahlungen in der Schweiz dürften pro Hektare im Durchschnitt etwa 2000 bis 3000 € betragen.
Hier ein paar Beispiele aus der französischen Praxis (aus Le Monde vom 20.11.2010)
Alain Alchekine, Loir-et-Cher, 260 ha, davon 100 ha Weizen, 80 ha Mais, 50 ha Raps,
DZ 97’000 €
Jérome Rétif, 300 ha, davon 120 Weizen, 60 ha Mais, Raps, Gerste, Erbsen, Févéroles
DZ 90’000 €
Luc Barbier, Meurthe-et-Moselle, 135 ha, 114 ha Weizen, Gerste, Raps, 21 ha Obstanlagen,
DZ 35 000 €
Patrick Benezit, Cantal, 100 ha, 80 Mutterkühe, DZ 27’000 €
Es ist unverkennbar, dass die (Gross-)Bauernverbände einen entscheidenden Einfluss auf die Geldverteilung haben. Eine Plafonierung der Direktzahlungen pro Betrieb wird in Europa wie in der Schweiz von den Interessierten heftigst bekämpft. Im Gegensatz zur Schweiz sind in der EU die einzelbetrieblichen Direktzahlungen zumindest transparent und öffentlich!
Petit Versailles
Die Zufahrtstrasse zur Domaine de la Oueyte ist vom Dorf aus anderthalb Kilometer lang. Das Strässchen wird auf den letzten 400 Metern auf der Nordseite von 48 stämmigen Eichen und auf der Südseite von einem kleinen Eichenwald eingerahmt. Diese herrschaftliche Eichenallee stand schon ganz zuoberst auf unserer Positivliste, als wir uns vor zehn Jahren entschlossen haben die Ferme zu kaufen.
Inzwischen haben wir den Zufahrtsweg zu unserem „Petit Versailles“ erklärt und pflegen ihn auch dementsprechend. Dieser Pflegeaufwand artet nicht selten in richtige Arbeit aus, namentlich im Herbst wie dem gegenwärtigen, wo die Natur dafür sorgt, dass unsere „Avenue des Champs Elysées“ jeden Morgen dick mit Eicheln übersät ist.
Ich weiss, dass man im Dorf darüber schmunzelt, dass die ordentlichen petit Suisses dort hinten ihren Waldweg täglich mit Schaufel und Besen blitzblank halten, statt wie alle andern zu warten, bis der Postboote mit seinem Fahrzeug oder die anderen automobilen Besucher die Eichenfrüchte so fein zermahlt haben, dass das Mehl beim nächsten Gewitter in den Strassengraben gespült wird…
Da hat sich halt wieder mal der übertriebene helvetische Ordnungssinn gegenüber dem französischen laisser faire durchgesetzt… da kann man nichts machen!
Eigengoal
Am nächsten Wochenende wird in der Schweiz über Ausländer- und Steuerpolitik abgestimmt.
Natürlich haben wir unsere Stimmrecht schon vor Wochen schriftlich ausgeübt: Nein, nein und nochmals nein zu der unseligen Ausschaffungsinitiative der rechtsnationalistischen SVP und ein klares Ja zu etwas mehr Steuergerechtigkeit in Helvetien!
Was man so hört, will die Mehrheit der Schweizer StimmbürgerInnen am nächsten Wochenende aber offenbar wieder zwei grandiose Eigentore schiessen…
Die Gefahr scheint gross, dass das Volk einmal mehr der Millionenpropaganda der Fremdenhasser erliegt und einer menschenrechtswidrigen Ausschaffungspraxis zustimmt. Aber, aber….wollen wir wirklich nach dem Skandal mit dem Minarettverbot, schon wieder weltweit negative Schlagzeilen produzieren und uns als reiches, unmenschliches, egoistisches, herzloses Land profilieren?
Offenbar ist es möglich, dass gleichzeitig die Steuergerchtigkeitsinitiative abgelehnt wird, obschon 99% der Steuerzahler profitieren würden und gerade nur die Superreichsten etwas mehr bezahlen müssten. Einzelne dieser Geldsäcke würden schon damit drohen, im Falle einer Annahme der SP-Initiative die Schweiz zu verlassen… bitte, bitte! Fragt sich nur, wohin sie dann wollen?
Vorsorglich und bösartigerweise fällt mir zu dem drohenden Abstimmungsdebakel nur Folgendes ein: „Nur die allergrössten Kälber….“
Sorry, das war jetzt auf dem Niveau der Blocherpartei.
Les Mauvaises Gens
„Les Mauvaises Gens“ ist eine berührende autobiografische Geschichte, erzählt in einem Bilderbuch (bande désinée) von Étienne Davodeau. Es ist die Geschichte seiner Eltern, aufgewachsen zwischen Kirche und Fabrik in der französischen Provinz.
Les Mauges. Une région rurale, catholique et ouvrière de l’ouest français. Les années 50.
Les mauvaises Gens raconte ce désir d’émancipation collective, ses difficultés et ses espoirs.
Une histoire de militants.
Vom gleichen Autor: Rural.
Ich habe (leider) im deutschsprachigen Raum noch nie entsprechende, so liebevoll und einfühlsam gestaltete Comics gesehen. Gibt es das gar nicht?
Zehn Jahre Arbeit…
… steckt in diesen ersten Flaschen selbst angebauten, selbst gekelterten, selbst gepressten, selbst vinifizierten, selbst gelagerten, selbst ettiketierten, selbst degustierten Merlot „La Oueyte“ 2009 (dem Ingscheniör ist nichts zu schwör!). Nun gut, es wäre schade ihn jetzt schon zu trinken. Er kann mit zunehmenden Alter sogar noch besser werden…
Freiheit
Ich habe den neuen Roman „Freiheit“ von Jonathan Franzen gelesen, der „grosse Roman über Liebe, Umwelt, und Betrug“.
Nach „Die Korrekturen“ wiederum eine umfangreiche Geschichte über die „Biographie einer dysfunktionalen Familie“. Wiederum brilliant formuliert zeigt Franzen die „tragischkomischen Verwerfungen zeitgenössischer Liebe und Ehe, Freundschaft und Sexualität“.
Mir hat „Die Korrekturen“ besser gefallen und nach 730 Seiten amerikanischen way of life habe ich bis auf weiteres genug von amerikanischen desperate houswives und Campus-Geschichten aus dem mittleren Westen.
Ich lese jetzt wieder französische Bande dessinée, am liebsten Autobiografien.
Spinnengewebe
Das Spinnengewebe dient u. a. zum Beutefang, zur Brutpflege (Eikokons), als Wohnung und zur Verbreitung der Art (Altweibersommer).
Haben sie gewusst, dass der Altweibersommer etwas mit Spinnennetzen zu tun hat?
Ich nicht.
Der Name leitet sich von Spinnfäden her, mit denen junge Baldachinspinnen im Herbst durch die Luft segeln. Mit „weiben“ wurde im Althochdeutschen das Knüpfen der Spinnweben bezeichnet. Das sagt zumindest Wikipedia.
Wie dem auch sei. Unsere Matten und Äcker sind jedenfalls zur Zeit mit Spinnengeweben übersät. Im Morgentau sieht das phantastisch aus.
Erschreckend ist für mich allerdings, wenn über all‘ diese Spinnweben Pestiziddouchen ausgebracht werden. Was für ein Frevel an den Kunstwerken der Natur.
Rechtsdrall
Jetzt haben wir also in Frankreich eine neue Regierung. Gut, der neue Premierminister ist der alte. Nicolas Sarkozy musste wohl oder übel wieder François Fillon nominieren, weil a) der weit populärer ist als er selber und b) er damit Fillon verunmöglicht, 2012 gegen ihn selber als Staatspräsident anzutreten.
Weil aber der bisherige Umweltminister Borloo auch Premierminister oder sonst nichts werden wollte, hat Sarkozy jetzt trotzdem ein Problem: Borloo könnte jetzt bei den nächsten Wahlen gegen ihn antreten…
Nicht mehr dabei ist der Eric Woerth (ja der mit der Rentenreform), weil der sich in der Affäre Bettencourt (die reichste Frau Frankreichs) gelinde gesagt völlig unglaubwürdig gemacht hat.
Auch nicht mehr dabei ist der „Frenchdocter“, der Bernhard Kouchner, der – als sozialistischer Abweichler – als Aussenminister, die sogenannte „overture“ (Öffnung) der bisherigen Regierung repräsentieren sollte. Ohne Erfolg.
Daneben sind auch noch zwei drei andere gefeuert worden, unter anderen die junge, schwarze und hin und wieder mutige Rama Jade, die die Einwanderungsgeneration verkörpert hat.
Jetzt zählt die Regierung Frankreichs nur noch 30 statt 37 Minister, was das wegen der Rentenaltererhöhung aufgebrachte Volk warscheinlich problemlos verkraften kann…
Nun, es gab natürlich auch noch ein paar gewichtige Zuzüge: allen voran das politische „poids lourd“ aus Bordeaux, Alain Juppé, ehemaliger Premierminister. Er wird Verteidigungsminister, behält aber sein Mandat als Stadtpräsident von Bordeaux, sein Parteipräsidium und noch zwei drei andere gewichtige Ämter. Weil er schon mal wegen einer Parteispendenaffäre verurteilt wurde und zwei Jahre „aussetzen“ musste, will er offenbar jetzt die verlorene Zeit wieder wettmachen… Also unser Ueli Maurer hätte ohne weiters SVP-Präsident bleiben (da war er sowieso besser) und sich vergleichsweise noch um das Stadtpräsidium von Zürich bewerben können…
Dafür darf die bisherige Verteidigungsministerin Michèle Alliot-Marie (MOM) jetzt Aussenministerin spielen und die junge Nathalie Kosciusko-Morizet wird unter anderem Umweltministerin.
Wirtschafts- und Finanzministerin bleibt die bisherige kompetente Christine Lagarde, und das finde ich tröstlich. Auch unser Landwirtschaftsminister Le Maire bleibt uns vorerst erhalten.
Alles in allem une virage a droite, nichts wirklich Neues, viel cumul des mandats.
Ich setze auf den Wechsel zu rot-grün in zwei Jahren!
Flurbegehung
Flurbegehung am Sonntagmorgen. Für mich und uns besser als jede Religion.
„Den Unglauben zu wählen bedeutet, unserer Menschlichkeit zu vertrauen anstatt all diesen gefährlichen Gottheiten.“
Salmon Rushdies














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