AUSWANDERERBLOG

Auswandererschicksale

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on August 1, 2009

Ich habe in den letzten heissen Tagen im Schatten unserer Kastanienbäume „Das grüne Akkordeon“ von Annie Proulx gelesen. Was heisst gelesen, ich habe den umfangreichen Roman richtiggehend verschlungen. Es geht um hundert Jahre amerikanische Geschichte, Geschichten von Einwanderern in die USA, ihren Freuden und Leiden, ihrer Musik und ihrer Suche nach einem besseren Leben.

„Im Jahre 1890 fertigt ein Akkordeonbauer in seinem sizilianischen Heimatdorf mit viel Liebe und Geschick sein Meisterstück, ein kleines, grünes Knopfakkordeon mit neunzehn polierten Perlmuttknöpfen und glänzendem Lack, und macht sich mit seinem Sohn Silvano auf nach »La Merica«, um dort sein Glück zu versuchen. Doch statt in New York, wo er ein Musikgeschäft aufmachen wollte, landet er in den Docks von New Orleans und kommt schnell unter die Räder: Ein Mob aus alteingesessenen Südstaatlern und schwarzen Dockarbeitern macht Jagd auf die italienischen Einwanderer – »alles Anarchisten und Sozi-Schweine« –, und der Akkordeonbauer gehört zu den ersten Opfern. Sein Instrument aber überlebt, ein Schwarzer nimmt es auf seinem Brennholzkahn mit, den Mississippi hinauf.
So beginnt die Odyssee des grünen Akkordeons, die durch ganz Amerika führt, von Iowa nach Texas, von Maine nach Montana, und 1996 in Florida endet; es wird gestohlen, verkauft, verpfändet und verschenkt und begleitet die Nachfahren der verschiedenen Einwandererströme auf ihrer Suche nach einem besseren, einem lebenswerten Leben. Italiener, Mexikaner, Polen, Afrikaner, Deutsche, Norweger, Iren, Basken und Franzosen, alle wollen sie Teil einer amerikanischen Kultur werden, die ihnen mit Rassismus begegnet und ihnen ihre Sprache und Tradition, ihre Identität nimmt. Die Akkordeonmusik ist ihre letzte Verbindung zur Vergangenheit, Ausdruck ihrer Phantasien, ihrer Sorgen und ihrer Lebenslust – und man meint sie beim Lesen zu hören, die italienischen Liebeslieder, die deutschen Volkstänze, polnische Polkas, mexikanische Rancheros, Tango, Walzer, Chansons musette, klagende Cajun-Lieder, Swing, Zydeco und Blues …“

Natürlich habe ich bei der spannenden Lektüre immer auch an das „Zweireihige Knopfgriff-Akkordeon“ (d’Handorgele) von meinem Vater gedacht, mit der er uns als Kinder hin und wieder „Dr Tüüfu isch gschtorbe, Grossmueter läbt no“ vorgespielt und vorgesungen hat… Diese alte Handorgele ist auch immer noch irgendwo verstaubt auf einem Sauer (Estrich) in einem grossen Bauernhaus im Bernbiet. Aber das ist eine andere Geschichte…

La fuite d’eau – Wasserleitungsbruch

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Juli 22, 2009

Am Sonntagmorgen streikte plötzlich unsere Wasserversorgung. Nur noch ein kümmerliches Rinnsal an den diversen Wasserhähnen statt sprudelndes Nass…

… Kontrolle Wasseruhr, Druckreduzierventil, Haupthahn, Wasserdruck bei Nachbarn hilft nicht weiter. Ergo muss es an unserer kilometerlangen Hofzuleitung liegen. Die Suche kann beginnen… (unsere Zuleitung quert Wiesen, Felder, Hecken, Wälder und zwei Bäche)…

… Gefunden! Der Wasseraufstoss befindet sich dummerweise mitten in unserem Sonnenblumenfeld…

… gestern kam die Reparaturequipe…

… schade um die schönen Sonnenblumen…

… schöner Arbeitsplatz…

… jetzt wird gegraben…

… und die Leitung repariert (1.5m tief)…

… Ende gut alles gut. Wir haben wieder Wasser!

Die Blumenfotographin

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Juli 10, 2009

So entstehen Blumenbilder…

… für den Auswandererblog!

Baden im Bergsee

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Juli 1, 2009

Ich habe gar nicht gewusst, dass es in den Pyrenäen so viele schöne, klare, saubere Bergseen gibt. Gestern am Lac d’Aumar (2192 m) …

… und am Lac d’Aubert …

… am Lac d’Orédon (1849 m) …

… und vorgestern am Lac d‘ Oô (1504 m)

Nass geworden sind wir allerdings vor allem durch das Berggewitter!

Jubiläum: 8 Jahre Ferme en France

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Juni 20, 2009

Wie doch die Zeit vergeht: morgen sind es 8 Jahre her, dass wir ausgewandert sind.., acht schöne, intensive, gute Jahre!

„Es war spätabends und entsprechend finster in dieser gottverlassenen Gegend, als wir am 21. Juni 2001 hier ankamen. Wie abgemacht, lag der Hausschlüssel unter einem Stein neben dem Haupteingang des Maison du Maitre, aber wir hatten weder Strom noch Wasser und auch das Telefon funktionierte nicht. So biwakierten wir in unserm neuen unmöblierten Heim bei Kerzenlicht auf dem Fussboden, das Wasser holten wir aus dem nahen Senkbrunnen und zur nächsten Telefonkabine fuhren wir meilenweit. In den ersten Wochen war aufräumen, reparieren, entsorgen, einkaufen und anstreichen angesagt. Daneben knüpften wir erste Kontakte zu den Bauernfamilien in der Gegend. Unsere Gemeinde zählt nur 65 Einwohner, die nächsten Nachbarn sind eineinhalb Kilometer entfernt. Wir stellten uns beim Maire vor und schlugen uns mit der französischen Administration, mit der Electricité de France und der France Telecom herum. Einen Traktor und Maschinen haben wir gemietet, bis wir nach und nach das Nötige anschafften.
Während vier Jahren hatten wir etwa 30 Betriebe besucht, bis wir hier in der France profonde den passenden gefunden haben. Unser Hof liegt in der Gascogne, 100 km westlich von Toulouse, im Midi-Pyreneé, Departement Gers. Die hügelige Region gilt als Abwanderungsgebiet und ist am dünnsten besiedelt von ganz Frankreich. Die Böden sind hart und steinig, kalk- und tonreich und oft sehr trocken. Unser Hof umfasst eine landwirtschaftliche Nutzfläche von 70 ha, alles an einem Stück, mit alten aber charaktervollen Gebäuden. Die früheren Besitzer waren sogenannte Pieds noirs, die 1963 von Algerien hierher kamen. In den letzten 10 Jahren war der Betrieb mit Hilfe von EU-Subventionen stillgelegt. Einerseits ideal für uns, weil wir ab dem ersten Tag mit biologischem Landbau beginnen konnten, andererseits waren Hof und Felder stark vernachlässigt und verbuscht. Aber was gibt es schöneres als etwas wieder instand zu stellen, Böden zu rekultivieren, zu säen und zu ernten und das alles in einer landschaftlich zauberhaften Gegend. Inzwischen haben wir am Wohnhaus das Dach saniert, eine Heizung eingerichtet, die Wasserversorgung erneuert und alle Zimmer gestrichen. Auf 40 ha Acker gediehen in den letzten Jahren Sonnenblumen, Brot- und Futtergetreide und Févéroles (Bohnen). Wir haben Drainagerohre eingelegt und Bachläufe saniert, einen kleinen Rebberg und einen Garten mit Gewächshaus angelegt.
Die notwendigen grossen landwirtschaftlichen Maschinen haben wir ganz am Anfang gemietet, weil auf dem Hof kein brauchbares Material mehr vorhanden war. Inzwischen haben wir die wichtigsten Maschinen, Bodenbearbeitungsgeräte, Saat- und Mähapparate, Schaufelbagger und Frontlader usw. nach und nach angeschafft. Nicht ohne vorher alle Maschinenausstellungen in der Region besucht und intensiv mit den Maschinenhändlern verhandelt zu haben. Einen neuen, topmodernen 120-PS Massey-Ferguson Traktor haben wir uns Ende des ersten Betriebsjahres zu Weihnachten geleistet. Stephanie und ich bewirtschaften den Hof allein mit gelegentlicher Mithilfe unserer Söhne aus der Schweiz.
Weil wir nicht grossflächig bewässern können, sind die Erträge nur etwa halb so hoch wie in der Schweiz. Der Absatz der Bioprodukte erfolgt über landwirtschaftliche Genossenschaften, allerdings zu Marktpreisen die zwei- bis dreimal tiefer liegen als in der Schweiz. Die Weideflächen bestossen wir kurzfristig mit 40 Mutterkühen unseres Nachbarn, dem Gemeindepräsidenten Jean-Michel Liares. Damit ist ihm und uns gedient. Uns, weil wir zeitlich eine gewisse Unabhängigkeit aufrecht erhalten können, ihm, weil er mit der zusätzlichen Weidefläche die Futterknappheit in den heissen und trockenen Sommermonaten ausgleichen kann.“

(Leseprobe aus meinem Buch Bauernland)

Am Meer

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Juni 11, 2009

Wir waren, zum ersten Mal, ein paar Tage in der Bretagne und sind so oft wie möglich entlang der Atlantikküste gefahren und gewandert. Zum schwimmen war es leider etwas zu kalt… Zuerst ein paar Bilder vom westlichen Landzipfel Frankreichs: Pointe du Raz

Im Departement Finistère („Fin de la Terre“) hört die Welt auf….

…in einem Garten mit tausend intensiven Farben

Le soleil se couche ici plus tard que partout en Europe.

Abwechslungsreiche Landschaften mit rauen Felsküsten…

…und Küstengärten mit Heide, Ginster und Stechginster, un immense jardin bordé par la mer!

Wenn man am Morgen….

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Mai 19, 2009

…. bei uns rechtzeitig aufsteht, dann wird man mit spektakulären Landschaftsbildern entschädigt. Die Umgebung unserer Ferme ist noch in Watte verpackt….

Im Hintergrund la tour de Lagouarde, im Vordergrund unser neu angelegter kleiner Rebberg…

Le Monde

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on Mai 16, 2009

Jeden Tag regelmässig um etwa 13 Uhr bringt uns Josiane von la poste unsere Tageszeitung (das heisst, wenn sie nicht gerade streiken…). Das Postbüro für unseren canton befindet sich in Saramon, in einer Distanz von etwa 15 Kilometer. Josiane fährt jeden Tag rund 130 km um die verstreuten und abgelegenen fermes zu besuchen. Selbstverständlich nimmt sie auch Briefe oder Pakete mit und stapelt unsere Post am richtigen Ort, wenn wir ausnahmsweise nicht hier sind und unser Briefkasten überquillt. Das nennt man noch service publique!
Unsere Tageszeitung Le Monde ist uns in der Zeit, seit wir in Frankreich sind, richtig ans Herz gewachsen.
Gestern hat Le Monde seine 20’000ste Ausgabe gedruckt und bei dieser Gelegenheit zwanzig Frontseiten im Original mit den jeweils wichtigsten Ereignissen seit Dezember 1944 nachgeliefert. Von „Hitler est mort“ über „le général de Gaulle est élu président de la République“ über „l’investiture de Barack Obama“, vieles was uns und die Welt in den letzten 65 Jahren bewegt hat, kommt da vor.
Ich finde Le Monde eine phantastische Tageszeitung. Mindestens so kompetent wie die NZZ, aber ohne deren wirtschaftsfreundlichen Rechtsdrall, besser als der „Tagesanzeiger“ und „Der Bund“ zusammen, und selbstverständlich viel besser als die zur SVP-Dorfzeitung verkommene „Welwoche“. Vive Le Monde!

Grossaffoltern

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on April 30, 2009

Ich bin in der Gemeinde Grossaffoltern aufgewachsen und habe hier fast ein halbes Jahrhundert gelebt. Meine Vorfahren mütterlicher- und väterlicherseits bauerten seit vielen Generationen in Suberg, einem der acht Dörfer von Grossaffoltern.
Heute habe ich einen Velo-Maibummel gemacht…

Dorf Grossaffoltern (homepage)

Milchviehhaltung Hof Gäu

Kartoffelanbau Chaltenbrunnen

Mutterkuhhaltung Biohof Inselmatt

Naturschutzgebiet Chnubelhuus (Uferschwalben in Sandsteinfelsen)

Ostern 2009

Posted in Von Tag zu Tag by ruedibaumann on April 13, 2009

Verregnete Ostern: 52 mm Niederschlag bei 8 Grad Celsius. Schön dass heute endlich wieder etwas die Sonne scheint….

Kein Wunder dass dieses alte Dach „rünnt“…