Baulandbauern

Vor einem halben Jahrhundert, 1973, habe ich die oben stehende Diplomarbeit an der ETH geschrieben. Seither ist in der Schweiz (und nicht nur hier) viel Land verbaut worden. Bauernland! Aktive oder ehemalige Bauern haben Bauland veräussert und sind Millionäre geworden. Jetzt beklagen sich die Bauern über das Wirtschaftswachstum, über die 10-Millionenschweiz und die mangelnde Ernährungssicherheit….
Aber es waren und sind die Bauern und vor allem ihre rechtsbürgerlichen Vertreter in der Politik, die ein griffiges Bodenrecht, eine richtige Mehrwertabschöpfung und eine vernünftige Raumplanung verhindert haben und weiterhin verhindern.
Leider helfen da heute auch Traktorendemonstrationen nicht weiter…
Weiter auf dem Nostalgietrip…

Das war 1971! Unsere erste politische Partei: Team 67
Erste Sitze im Einwohnerrat von Spreitenbach!
Wir Erben
Letzte Filmaufnahmen für einen vielversprechenden Dokumentarfilm:
https://www.tonundbild.ch/wir-erben

Demnächst in diesem Theater!
FNSEA
Die FNSA https://www.fnsea.fr ist die grösste Bauerngewerkschaft Frankreichs. In den letzten Tagen gross in Erscheinung getreten mit den eindrücklichen Traktorenkonvois auf den französischen Autobahnen. Die Fédération National des Syndicat d’Exploitation Agricole ist nur eine von vier Bauerngewerkschaften. Daneben gibt es die JA (Jeunes Agriculteurs), die CR (Cordination Rurale) und die Confédération paysanne. Dabei gibt es erhebliche Differenzen in der politischen Ausrichtung der einzelnen Organisationen. Die Confédératon paysanne würde ich als links grün bezeichnen, ähnlich der schweizerischen Kleinbauernorganisation. Die Cordination Rurale steht politisch ganz rechts und steht dem Rassemblement National von Marine LePen nahe.
Die FNSA (auch Fédé genannt) ist am ersten mit dem Schweizerischen Bauernverband SBV vergleichbar. Ihr Präsident Arnaud Rousseau ist selber ein grosser Céréalier (700 Hektaren Betrieb) und Verwaltungsratspräsident in zahlreichen Finanz- und Wirtschaftsorganisationen (u.a. Avril mit duzenden von agroindustriellen Gesellschaften).
Die enge Verbandelung mit der ganzen internationalen Agroindustrie macht es der FNSEA zunehmend schwierig, die Bäuerinnen und Bauern, „les paysans sur le terrain“ zu vertreten.
Affaire à suivre…
Bauern gegen rechts

Die #crise agricole hat uns in Frankreich nicht schöne Bilder beschert. Schon der Umstand, dass zwei Todesopfer zu beklagen sind ist unentschuldbar. Warum die Bauern ihre Wut vor allem an den Préfectures (Gebäude der Départementssitze) auslassen ist schwer verständlich. Die Departemente haben nun aber auch gar nichts mit der europaweiten Agrarpolitik zu tun. Die Mist-, Gülle-, Kehricht- und Farbanschläge auf historische Gebäude sind kontraproduktiv.
Nützen wird die Zerstörungswut der extremen Rechten (RN) bei den kommenden Europawahlen. Die Forderungen der Bauern sind diffus, oft gegen Umweltanliegen und all‘ zu selten für ökologische, solidarische, bäuerliche Landwirtschaft. Die Dieselverbilligung beispielsweise nützt den grossen Getreidebauern in den Gunstlagen, denen es wirtschaftlich sicher nicht schlecht geht.
Ich würde mir wünschen, dass die zögerlichen Ansätze an den Demonstrationen #bauerngegenrechts viel prominenter in Erscheinung treten würden. Ich bin gespannt, was unser neuer Premierminister („der junge Gabriel“) den Bauern anbieten wird…
Bauerndemos in Frankreich

Die Bauerndemos auf französischen Strassen und Autobahnen hat heute im Département Ariège zu einem tragischen Todesfall geführt: eine junge Bäuerin wurde durch einen Automobilisten, der eine Strohbarrikade durchbrechen wollte, tödlich verletzt. Ihr Mann und ihr Kind wurden dabei schwer verletzt.
In der Nationalversammlung in Paris fanden danach in der sog. Fragestunde heftige Debatten statt, die im Fernsehen (chaîne parlementaire) live übertragen wurden. Immerhin wurde von allen Redner*innen das Demonstrationsrecht hoch gehalten.
Grenzbesetzung 1915

Der zweite von links, sitzend, ist mein Grossvater mütterlicherseits, Otto Röthlisberger-Hauser (1889 – 1972) Dragonersoldat während dem Ersten Weltkrieg. Mein Vater Rudolf Baumann-Röthlisberger (1920 -1975) war ebenfalls Dragonersoldat und absolvierte während dem Zweiten Weltkrieg hunderte von Diensttagen. Ich wurde als Panzersoldat ausgehoben, allerdings wegen Rückenproblemen bald ausgemustert.
Eigentlich ging ich und viele meiner Generation davon aus, dass es zumindest in Europa keinen Krieg mehr geben darf und geben wird. Putin und seine Getreuen haben mit ihrem Überfall auf die Ukraine diese Überzeugungen und Hoffnungen zerstört. Kann es sein, dass im Rückblick einmal Demokratien in der Menschheitsgeschichte nur wenige Generationen überdauert haben? Ich weigere mich, diese furchtbaren Aussichten zu akzeptieren.
Die Erweiterung
Robert Menasse hat einen neuen Roman geschrieben, ein gewitztes, fesselndes Werk über die Westbalkanpolitik der EU. „Ein fulminantes Kaleidoskop über die Erweiterungspolitik der EU, klug, geistreich und mit einer gesunden Portion Irrwitz“.

Was wissen wir schon über Albanien, Tirana und wie die EU funktioniert? Als Schweizer eigentlich fast nichts.
Wir Bauern
Wir Bauern sollten uns nicht beklagen. Uns geht es gut, verglichen mit der übrigen Bevölkerung sogar sehr gut. Wir geniessen zahlreiche Privilegien: wir wohnen in der Regel in einem grosszügigen Bauernhaus in schöner ländlicher Umgebung. Die Kinder haben ein paradiesisches Umfeld: viel Platz zum spielen, eigene Haus- und Nutztiere, einen grossen Garten, Obstbäume, Blumen auf den Feldern. Die Eltern, oder zumindest ein Elternteil ist meistens anwesend auf dem Hof und können den Kinder und Jugendlichen zeigen, wie Nahrungsmittel entstehen und verarbeitet werden und sie in ihre Ämtli einführen. Neue Technik und Maschinen sind allgegenwärtig und erleichtern die früher oft harte Hand- und Kinderarbeit. Die vielen Arbeitserleichterungen und organisatorische Massnahmen haben die hohen Präsenzzeiten mit Wochenendarbeit stark reduziert.
Die grosszügigen Direktzahlungen sorgen dafür, dass in der Regel auch das Einkommen stimmt. Für grosse Betriebe stellen die Direktzahlungen heute schon ein bedingungsloses Grundeinkommen dar. Wir Landwirte profitieren von der Möglichkeit, grossflächig Solarenergie zu erzeugen und zu verkaufen.
Die politische Übervertretung der rechtsbürgerlichen Bauern im eidgenössischen Parlament führt leider dazu, dass der Bogen überspannt wird. Die Landwirtschaft wird in aller Regel von Sparmassnahmen verschont. Alle agronomisch sinnvollen Massnahmen wie Einschränkung der Tierfabriken, minimale Biodiversitätsflächen, Einschränkung der Dünger- und Pestizidanwendungen werden erfolgreich von der starken Agrarlobby bekämpft. Mahnende Stimmen wegen der Klimaveränderung finden in der Agrarpresse keinen Rückhalt. Grüne und linke Agrarpolitiker*innen werden diffamiert, ausgegrenzt und anonym zur Abwahl empfohlen. Die minimalsten journalistischen Anstandsregeln werden in den Bauernzeitungen laufend verletzt.
Ich würde mir wünschen, dass auch in der Bauernzeitung eine anständige Diskussionskultur über agrarpolitische Themen stattfinden könnte. Auch über die Situation in Deutschland und Frankreich. Das ewige Gejammer über die ach so bösen Regierungen und unfähigen Beamten führt nicht weiter. Im Interesse aller Bäuerinnen und Bauern sollten bei aller Kritik jeweils auch die Höhe der einzelbetrieblichen Direktzahlungen aufgeführt werden. Der Goodwill der übrigen Bevölkerung und Steuerzahler ist nicht grenzenlos.
Session der eidgenössischen Räte
Die erste Session von National- und Ständerat nach den Wahlen ist abgeschlossen. Der Rechtsrutsch im Nationalrat ist leider offensichtlich. Es braucht in den nächsten vier Jahren wieder sehr viel Frustrationstoleranz bei den Links-Grünen…


Gewohntes Bild: SP und Grüne gegen den „Rest der Welt“…

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