Wir Erben
Kinostart am 30. Januar 2025
Machtkampf
„Bei den anhaltenden Protesten in Frankreich gegen das EU-Mercosur-Abkommen spielt der Machtkampf zwischen den Bauernverbänden eine wesentliche Rolle. Bei den Wahlen der Landwirtschaftskammern im Januar 2025 geht es für die Verbände um politischen Einfluss.
Die Demonstrationen der Landwirte werfen nicht nur Bedenken hinsichtlich der Folgen der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU und den Mercosur-Ländern für die französische Landwirtschaft auf, sondern sind auch ein Teil des aktuellen Wahlkampfs zwischen den Agrarverbänden.
Am 15. Januar 2025 können die französischen Landwirte ihre Vertreter für die örtlichen Landwirtschaftskammern wählen. Diese Vertreter fungieren dann als Sprecher des Agrarsektors gegenüber den Behörden.
Während die Verbände das EU-Mercosur-Abkommen einstimmig ablehnen, ist auf der Straße eine Spaltung zu beobachten.
„Die Demonstrationen im vergangenen Winter waren bereits vom Wahlkampf geprägt, aber seitdem überbieten sich die Verbände gegenseitig, weil alle auf sich aufmerksam machen wollen“, sagte Véronique Lucas, Agrarsoziologin beim INRAE (Französisches Nationales Forschungsinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt), gegenüber Euractiv.
Bei den letzten Wahlen im Jahr 2019 ging der Nationalverband der landwirtschaftlichen Betriebsinhaber (Fédération Nationale des Syndicats d’Exploitants Agricoles, FNSEA) mit 54 Prozent der Stimmen als Sieger hervor. Den zweiten und dritten Platz belegten die rechtsgerichtete Coordination rurale und die linksgerichtete Confédération Paysanne mit 21 und 20 Prozent der Stimmen.
Ein Wahlsieg bedeutet Einfluss in den Landwirtschaftskammern und erhebliche öffentliche Mittel.
Seit den 1950er dominiert der konservative nationale Dachverband FNSEA die französische Landwirtschaft, er ist der Agrarindustrie nahestehend und gilt als exportfreundlich.
„Diese Hegemonie gibt es auch in anderen europäischen Staaten, wie in den Niederlanden“, erklärte der Experte, und weniger in föderalen Staaten wie Spanien und Italien, wo es mehr Pluralismus bei den Bauernverbänden gibt.
Gewerkschaftskriege
Bei den Protesten auf den Straßen Frankreichs in dieser Woche „kämpft jeder seinen eigenen Kampf“, sagte der Präsident der Coordination Rurale in Dordogne, Rémi Dumaure, gegenüber France bleu. Die regionale Vertretung der Coordination Rurale hat beschlossen, sich während der Demonstrationen nicht mit den anderen Gewerkschaften zu verbünden.
Die Rivalität zwischen FNSEA und der Coordination rurale hat sich verstärkt, seit Letztere im vergangenen Jahr mit Verkehrsblockaden besonders aktiv war. Im Februar entlud sich die Spannung auf der Landwirtschaftsmesse International de l’Agriculture in gewalttätigen Ausschreitungen.
„Die Coordination rurale hat bei den letzten Wahlen mehr Stimmen erhalten und ist seitdem in den Medien präsenter“, sagte Lucas und bezog sich dabei auf die Berichterstattung bestimmter konservativer Sender wie Cnews und BFM TV.
Die Confédération paysanne versucht, sich über ihren in Brüssel ansässigen Partner Via Campaesina auf europäischer Ebene im Mercosur zu positionieren. Die beiden Organisationen demonstrierten am vergangenen Mittwoch (13. November) in Brüssel als Reaktion auf einen Aufruf der wallonischen Organisation Fugea.
Wandel unwahrscheinlich
Mehrere Experten sagten gegenüber Euractiv, dass die FNSEA wohl kaum ihre Führungsposition bei den Wahlen im Januar verlieren werde.
Die Agrarsoziologin Lucas betonte jedoch, dass viele andere Themen die Wahl beeinflussen könnten: „Die Auswirkungen des Klimawandels, die Entwicklung von Tierseuchen, die Reaktion der Regierung auf die Anliegen der Landwirte – es gibt viele Faktoren, die entscheidend sein werden.“
Bündnisse zwischen der Confédération paysanne und der Coordination rurale sind weiterhin unwahrscheinlich. IIm vergangenen April hatten sie sich zusammengeschlossen, um das EU-Mercosur-Abkommen zu blockieren und Präsident Emmanuel Macron aufzufordern, sich für die Verbesserung der Einkommen der Landwirte einzusetzen.
Ein politischer Abschluss des Mercosur-Abkommens könnte Anfang 2025 nach den Wahlen der Landwirtschaftskammern erreicht werden. Das bedeutet, dass die Demonstrationen in der Zwischenzeit fortgesetzt oder sogar intensiviert werden könnten.“ (Bericht aus Euractiv von heute)

„Wir Erben“

Bild Marco Frauchiger
«Meine Eltern wollen uns ihr Lebenswerk vererben. Wir müssen reden. Über Erwartungen und Ideale. Über Privilegien und Bürden. Aber auch über Geld.» So formuliert Regisseur Simon Baumann seine Motivation zu seinem neuen Dokumentarfilm – und die ist in jeder Szene spürbar. Hartnäckig, mutig und mit liebevollem Witz geht Baumann diesen Fragen nach, beobachtet aus der Distanz, die ihm der Blick durch die Kamera ermöglicht, wie die beteiligten Familienmitglieder mit dem anfallenden Erbe umgehen und was es bei ihm selbst auslöst.
Selten ist über das Tabuthema Erben so offen, mutig und gleichzeitig so gelassen diskutiert worden. Der Film legt Familiengeschichten frei, streift Geschlechterdynamiken und individuelle Sehnsüchte, zugleich führt er, von der Familie ausgehend, immer wieder auf eine übergeordnete Ebene. Denn in der Art und Weise, wie wir als Erben mit unserem Erbe umgehen, das macht der Film klar, liegt letztlich auch eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung.
Interview im „Der Beobachter“ von Helene Aecherli
Kinostart 30. Januar 2025
Bauernproteste
Militante Bauerngewerkschaften haben wieder begonnen ihren Unmut „abzuladen“. In unserem Departementshauptort Auch haben sie alte Heuballen, Mist und verdorbene Schafwolle vor die Tore der regionalen Landwirtschaftsdirektion deponiert. Die Proteste richten sich gegen die billigen Auslandimporte, gegen Umweltvorschriften und gegen die EU-Agrarpolitik. Gleichzeitig werden zahlreiche Wegweiser und Ortstafeln abmontiert und die Geschwindigkeitsmesstationen unwirksam gemacht.
Sympathien bei der Bevölkerung können sie mit diesen gewaltsamen Protesten keine erwarten. Selbst in der monde agricole stossen diese Aktionen auf Unverständnis.
Klar, die Witterungsbedingungen haben im laufenden Landwirtschaftsjahr zu miserablen Erträgen geführt und damit zu schlechtem Einkommen. Aber es wäre wahrscheinlich sinnvoller, wie das übrigens einzelne Kleinbauernorganisationen auch machen, sich für Massnahmen einzusetzen die den Klimawandel und damit Überschwemmungen und Dürren einschränken. Einfach die Landwirtschaftsbeamten für das Wetter verantwortlich zu machen ist zu einfach!

Val de Bagnes
Noch etwas mehr Nostalgie: vor mehr als fünfzig Jahren absolvierten wir als ETH-Agronomie Studenten in Bruson im Val de Bagnes, Kanton Wallis, Blockkurse in einer beschaulichen alten Alphütte. Wir beschäftigten uns mit lokaler Berggebietsförderung, verpflegten uns selber mit lokalen Produkten und wollten die Welt verbessern…
Nun, ein Augenschein vor Ort nach mehr als einem halben Jahrhundert wirft viele Fragen auf: in Verbier ist durch den Zweitwohnungstourismus eine hässliche Alpenstadt entstanden: Chalet an Chalet, in der Hochsaison bis 50’000 Einwohnerinnen, jetzt in der Zwischensaison nur geschlossene Fensterläden und geschlossene Restaurants, Quadratmeterpreis für eine Ferienwohnung über 20’000 sfr. …


Siedlungsbrei in den Bergen, Skitourismus bis zum geht nicht mehr… Ich kann nichts damit anfangen, ein für allemal: ich hab’s gesehen!
kolonial
Globale Verflechtungen der Schweiz
Eindrückliche Ausstellung im Landesmuseum Zürich
https://www.landesmuseum.ch/kolonial




Sollte Pflichtstoff sein für alle Schulen in der Schweiz!
Grand Prix in Locarno
Der Dokufilm „Wir Erben“ von Simon Baumann gewinnt den Hauptpreis in der Kategorie „Semaine de la critique“ am Film Festival in Locarno! Wir gratulieren herzlich!

Film Festival Locarno

Filmpremiere in Locarno
Folgenden Beitrag auf Infosperber möchte ich empfehlen!
«Wir Erben» – bejubelte Weltpremiere in Locarno . Der Dokfilmer Simon Baumann fokussiert ein gesellschaftlich hochrelevantes Thema –radikal persönlich, mit viel Witz und Verstand.
Der Film „Wir Erben“ läuft nächsten Winter in den CH-Kinos!

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