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Weniger Fleisch (Bieler Tagblatt)

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 16, 2020

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Er gehört zum Seeland wie die Zuckerfabrik oder der Hagneckkanal: Der Biobauer Kilian Baumann aus Suberg ist in der Region alles andere als unbekannt. Mit seiner Aufforderung, dass Schweizerinnen und Schweizer der Umwelt und der eigenen Gesundheit zuliebe weniger Fleisch essen sollen, machte er jetzt auch landesweit Schlagzeilen. «Weniger Fleisch für Soldaten!» So titelte der «Blick» Anfang Juli mit Grossbuchstaben einen Artikel und erklärte darin, was der Grünen-Nationalrat aus dem Seeland will: Dass jeder seinen wöchentlichen Fleischkonsum senkt. Ein Kilogramm Fleisch in der Woche landet hierzulande im Durchschnitt auf dem Teller. Das ist weniger als vor ein paar Jahren, aber noch immer zu viel, wie der Fleischproduzent findet.

Dabei solle der Bund bei der sogenannten öffentlichen Beschaffung mit gutem Beispiel vorangehen und etwa den Soldaten in der Armee weniger Fleisch auftischen. «Auf diese Aussage hin habe ich unzählige Reaktionen erhalten, sei es per Mail, via Telefon oder per Brief», sagt Baumann, der selber regelmässig Fleisch isst, einfach sehr reduziert, wie er sagt. «Wenn es ums Fleisch geht, verstehen viele keinen Spass.» Gerade im Militär brauche es doch Fleisch, sonst fehle die Energie, schrieb man ihm unter anderem.

Die Tatsache, dass er sein Geld mit dem Verkauf von Jungrindfleisch verdient und Fleisch isst, mache es doch gerade glaubwürdig, über Fleischkonsum zu reden, findet Baumann: «Wäre ich Veganer, wäre der Widerstand wohl noch grösser.»

 

Aktiv gegen Klimawandel

Baumann erlebte als Biobauer hautnah, wie sich die Natur in den letzten Jahren verändert hat: «Die Sommer werden immer trockener, die Auswirkungen deutlicher, die Klimaerwärmung verlangt nach einer Handlung», sagt er, während er auf seiner Rinderweide steht. Jetzt da er als Volksvertreter im Nationalrat sitze, habe er eben auch die Möglichkeit, aktiv etwas für die Umwelt zu tun.

Ein Weg führt laut dem Grünen-Politiker über die Drosselung des Fleischkonsums. Baumann hat im Nationalrat bereits mehrere Vorstösse eingereicht, in denen es um den Fleischkonsum geht. So fordert er den Bund unter anderem dazu auf, eine Informationskampagne zu lancieren, bei der es um die gesundheitlichen Aspekte des Fleischkonsums geht. Im Frühling hat Baumann, der seit letzten Herbst im Nationalrat sitzt, einen Vorstoss eingereicht, in dem er den Bund auffordert, Fleischalternativen zu fördern.

 

Abholzung des Regenwaldes

Kilian Baumann isst wie erwähnt selber Fleisch: «Ich versuche die Menge aber zu reduzieren, das heisst ich esse maximal drei Mal pro Woche Fleisch.» Dabei habe er das Glück, dass er und seine Familie das eigene Rindfleisch essen können, auf Poulet und Schweinefleisch verzichte man hingegen fast ganz.

Denn der grösste Teil der Pouletmasten in der Schweiz arbeite mit Importfutter. Dadurch würden viele Nährstoffe aus Brasilien in die Schweiz gebracht, die später wieder als Mist und Gülle auf unseren Feldern lande. Dabei komme es nicht nur zur Abholzung des Regenwaldes, sondern eben auch zur Überdüngung. Unterbrochen werden könne dieser Kreislauf durch weniger Fleischkonsum. Auch Fleischimport sei aus Sicht des Tierschutzes höchst problematisch, weil vieles davon aus Tierfabriken stamme.

Beim Rindfleisch sei es hingegen möglich, eine gewisse Menge in der Schweiz herzustellen – mit Futter, das ebenfalls hierzulande hergestellt wurde.

 

Für Fleischersatzprodukte

Baumann beschäftigt sich auch mit Fleischersatzprodukten, die ausschliesslich aus Pflanzen und ganz ohne Zusatzstoffe hergestellt sind. Etwa dasjenige von einem Schweizer Start-up, das nur aus Erbsenprotein und Sonnenblumenöl ein Ersatzprodukt herstellt. «Wenn man es als Chicken Nugget oder in einem Döner isst, merken sogar Fleischliebhaber den Unterschied nicht mehr», sagt Baumann, der findet, dass Restaurants dadurch bewertet werden sollten, wie nachhaltig ihr Fleisch ist.

Sein Rindfleisch ist es auf jeden Fall: Seine Herde besteht aktuell aus zehn Tieren, die lange bei den Muttertieren lebten. Sie kommen also aus einer sogenannt muttergebundenen Kälberaufzucht, in der gleichzeitig Milch hergestellt wird. Etwas, was in der Schweiz erst seit diesem Sommer legal ist. Bis die Rinder etwa zwei Jahre alt sind, leben sie auf dem Hof von Baumann.

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