AUSWANDERERBLOG

Die Mär vom Oekobauern…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 18, 2008

… so titelt heute der Berner „eBund“. Die jährlich 130 Millionen ausbezahlten Direktzahlungen in der Schweiz für artenreiche Wiesen, Brachflächen und hochstämmige Obstbäume hätten den Artenschwund und das weitere Aussterben bedrohter Wildtierarten nicht gebremst (Die Mär vom Oekobauern). Die Ausgleichsflächen würden von den Bauern vielfach nur nach betriebswirtschaftlich sinnvollen Kriterien ausgewählt und sie hätten oft nur für kurze Zeit Bestand.

Nun, ich würde vorschlagen, die Oekologisierung der Landwirtschaft und damit die Erhaltung der Biodiversität in die Europäische Union oder andere Länder auszulagern, wie das ja auch mit dem CO2-Ablasshandel geschieht.

Ich biete beispielsweise in der Gascogne, für den gleichen Preis… sagen wir 20mal mehr Naturwieseflächen als dies Schweizer Bauern tun! Agrarfreihandel mit der EU sollte sich nicht nur auf Pouletschenkel und Brüsselersalat beschränken….

Hügellandschaft, Landes, Gers

Orchideenwiese

Sag mir wo die Blumen sind…

Umstrittene Autobahn A65

Posted in Politik by ruedibaumann on April 17, 2008

Mit 10 950 km Autobahnen verfüg Frankreich über das längste Autobahnnetz in Europa. Und eigentlich hat man sich im Rahmen der Grenelle de l’environnement (nationaler runder Tisch zu Umweltfragen) darauf geeinigt, keine weiteren Grossprojekte mehr zu bauen. Der zuständige Minister Jean-Louis Borloo hatte zugesagt: „C’est fini, on n’augmentera plus les capacités routières.“

Aber da ist immer noch die umstrittene neue Verbindung von Bordeaux nach Pau, quer durch die Gascogne, die autoroute A65 die von den Einten unbedingt gebaut und von den Anderen unbedingt verhindert werden soll. Eine Autobahn von 150 km Länge die die Gemüter erhitzt und eigentlich bereits Ende 2010 eröffnet werden sollte.

Gebaut würde die Autobahn von einem privaten Konsortium ohne finanzielle Mitbeteiligung des Staates. Finanzieren muss sich die neue Strasse aus den zu erwartenden Konzessionseinnahmen (peage).

Zur Zeit verkehren täglich etwa 7 500 Fahrzeuge zwischen Pau und Lagnon und dieser Verkehr würde die neue Strasse bei weitem nicht rechtfertigen. Aber die Bauunternehmungen rechnen weiterhin mit starken Verkehrszunahmen, während die Umweltschützer wohl zu recht darauf aufmerksam machen, dass wegen den steigenden Treibstoffpreisen künftig nur noch mit geringen Wachstumsraten zu rechnen sei und schlussendlich die Steuerzahler für die Rieseninvestitionen (1,1 Mia €uro) zu Kasse gebeten würden. Neben den klassischen Konflikten zischen Umwelt und Wirtschaft stellt sich hier auch die Frage der Rentabilität dieses Streckenabschnitts.

So oder so, die A65 wird eine teure Verbindung und viel Natur und Umwelt zerstören und beeinträchtigen.

Autoroute A65

Site officiel du concessionaire

Liste des autoroutes de France

Und am Schluss noch dies:
„En raison d’un mouvement de grève, le journal Le Monde ne paraît pas ce jeudi 17 avril (édition datée 18 avril).
Le Journal Electronique de cette édition n’est donc pas disponible.“

Ich solidarisiere mich mit den Journalisten von Le Monde, die mit ihrem Streik gegen die Entlassung von 160 KollegInnen und gegen die wachsende Einflussnahme finanzkräftiger Kreise protestieren. Wir wollen keine „Weltwoche“ in Frankreich…

Mouvement de grève

Weltlandwirtschaftsrat

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 16, 2008

400 Experten aus Wissenschaft und Politik wollen die globale Agrarproduktion radikal umstellen. Notwendig sei die Rückbesinnung auf natürliche und nachhaltige Produktionsweisen, heißt es dazu in dem Bericht der der sog. Weltlandwirtschaftsrat (IAASTD) gestern veröffentlicht hat. Dazu zähle der Einsatz natürlicher Düngemittel und traditionellen Saatguts sowie kürzere Wege zwischen Produzenten und Verbrauchern. Der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut, von immer mehr Pestiziden und mineralischen Düngern sei keine erfolgsversprechende Lösung zur weltweiten Ernährungssicherung.

„Business as usual ist keine Option mehr“, heißt es in dem Dokument, das von 54 Staaten unterzeichnet wurde (warum hat eigentlich die Schweiz nicht unterschrieben?). Das derzeitige System helfe den Bedürftigen nicht. „Die ärmsten Entwicklungsländer sind die Verlierer weiterer Handelsliberalisierungen“, erklärte IAASTD-Direktor Robert Watson. Das Hauptaugenmerk der globalen Agrarwirtschaft dürfe nicht mehr allein auf der Massenproduktion liegen, die zu einem „immer zerstörteren und geteilteren Planeten“ führe. Dies sei zwar „keine neue Botschaft“. „Aber es ist eine Botschaft, die in einigen Teilen der Welt nicht ausreichend gehört worden ist“, sagte Watson.

Tatsächlich, neu ist die Botschaft nicht. Diese Forderungen hat beispielsweise die Schweizerische Kleinbauernvereinigung bereits vor einem Vierteljahrhundert in ihren Statuten festgeschrieben… Nur leider haben die multinationalen Chemie- und Saatgutfirmen mit ihrer Lobbyarbeit erreicht, dass die Entwicklungen in der Weltagrarwirtschaft immer noch in eine ganz andere Richtung laufen!

Weizenfeld mit Fahrspuren, Gers

Final report Weltlandwirtschaftsrat


Sag mir wo die Blumen sind…

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 15, 2008

Im Laufe der Jahre ist diese wirklich einzigartige Orchideenwiese entstanden. Eine stillgelegte Ackerfläche (reconversion terre arable) haben wir seit 8 Jahren nur einmal im Jahr spät gemäht, natürlich nie gedüngt und nur extensiv und kurzzeitig beweidet. Das Resultat ist eine Magerwiese mit einem Orchideenbestand der schon bald die Auszeichnung Weltnaturerbe verdient…

Orchideenwiese

Orchis purpurea in allen Farben…

Ein leuchtend gelbes Meer

Posted in Agrikultur by ruedibaumann on April 14, 2008

Die gelb leuchtenden Rapsfelder überziehen zur Zeit die Hügellandschaft des Gers.
„Trinkt oh Augen was die Wimper hält, von dem goldnen Überfluss der Welt…“

Strassengraben

Posted in Comédie française by ruedibaumann on April 13, 2008

Ich habe eine Frage: Warum um alles in der Welt werden in Frankreich entlang jedem noch so kleinen Strässchen so tiefe Strassengraben ausgehoben? Sei es nun eine Rue Communale (C), eine Departementale (D) oder Nationale (N): immer werden die Strassen beidseitig durch tiefe Strassengraben begleitet. Allein zur Entwässerung wären ja wohl kaum solche „Burggräben“ notwendig. Schliesslich gibt es ja beispielsweise hier im Südwesten sehr viel weniger Niederschläge als in anderen europäischen Ländern und trotzdem werden die Strassengräben mit grossem technischen Aufwand regelmässig erneuert.
Ist das einfach eine alte französische Tradition, eine Marotte der Strassenbauämter und -firmen oder nur ein Geschäftszweig der Carossiers….?

Flurbegehung 13. April, 2008, Gers, France

Kulinarische Höhenflüge

Posted in Comédie française by ruedibaumann on April 12, 2008

Darf man das? An einem Tag über die Hungerprobleme der Welt schreiben und am nächsten über ein französisches Gourmet-Restaurant?
Meine Meinung: Blogger dürfen alles!
In Pujaudran betreiben Anne und Bernard Bach das Restaurant Le puits Saint Jacques, seit kurzem mit einem zweiten Michelin Stern in den kulinarischen Himmel erhoben. Das Restaurant gilt zu recht als eines der Besten im Gers und ist auch von Toulouse aus gut zu erreichen.
Durch die Woche wird am Mittag ein beliebtes Menu „Au retour du marché“ serviert, das auch für uns Normalsterbliche erschwinglich ist (22 €).

Wie wärs mit:

Le tartouffe de pomme de terre au foie gras bardé de lard paysan, vinaigrette au jus de viande

* * *

* Le filet de dorade royale cuit à la peau, nage de fenouil aux citrons confits, jeunes pois gourmands

* * *

* La tarte fine de figues à la crème d’amande, sirop de vin rouge épicé, glace au poivre Sechouan

Bon appétit!

Preisexplosion bei den Grundnahrungsmitteln

Posted in Politik by ruedibaumann on April 11, 2008

An der Elfenbeinküste, in Burkina Faso, in Senegal, in Haiti, in Mexico sind wegen den stark gestiegenen Weizen-, Mais- und Reispreisen gewalttätige Unruhen ausgebrochen, die zahlreiche Verletzte und Tote zur Folge hatten. In diversen asiatischen Ländern nehmen die Spannungen zu. Die Ärmsten der Armen wehren sich dagegen, dass die Preise ihrer Grundnahrungsmittel innert weniger Monaten explodiert sind und damit für sie Mehl und Brot unerschwinglich geworden ist.
Gemäss der FAO (UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) sind die Getreidereserven weltweit auf einen beängstigenden, seit einem Vierteljahrhundert nie mehr erlebten Tiefstand gesunken. Die angespannte Situation wird daher nach Ansicht vieler Experten noch lange anhalten.

Jean Ziegler hat heute morgen auf Radio France Inter einmal mehr die jahrelange, katastrophale Politik des Weltwährungsfonds (FMI) für die desastreuse Situation verantwortlich gemacht. Die afrikanischen Staaten seien in kolonialistischer Manier gezwungen worden, für den Export zu produzieren (Kakao, Kaffee usw.), statt die Ernährung der örtlichen Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sicherzustellen.

In einem differenzierenden Artikel hat „Le Monde“ am 5. April folgende Mittel zur Krisenlimitierung aufgeführt:

Importe erleichtern durch Zollsenkungen (Burkina Faso, Marokko, Indien, Mongolei, Türkei, Brasilien und andere hätten das schon gemacht…)

Exporte limitieren
China, Vietnam, Argentinien, Russland versuchen es durch fiskalische Massnahmen, andere durch Verbote: Egypten, Sambia, Pakistan, Äthiopien…

Produktion steigern
China will die Subventionen an die Bauern erhöhen und die EU hat die seit 1992 bestehende Verpflichtung der Bauern, 10% ihrer Anbaufläche stillzulegen, aufgehoben…

Ich muss zugeben, dass man als französischer Céréalier die massive Getreidepreiserhöhung natürlich sehr begrüsst hat. Jede Medaille hat aber zwei Seiten.

Gar kein Verständnis habe ich hingegen dafür, dass der französische Getreideproduzentenverband nach wie vor in einer landesweiten Plakatkampagne entlang der Nationalstrassen für Agrotreibstoffe aus Weizen, Mais, Soja und Raps wirbt…

Erstaunlich ist ja, dass eigentlich nur kleine Mengen der weltweiten Getreideproduktion auf dem Weltmarkt erscheinen (17,2% Weizen, 12,5% Mais, 7% Reis).

Das heisst aber auch, dass nur multilaterale Lösungen im Rahmen der Weltgemeinschaft möglich sind. Was wir schon als Landwirtschaftsschüler über die Weltagrarmärkte gerlernt haben gilt immer noch: Ein wenig zu wenig ist viel zu wenig, ein wenig zu viel ist viel zu viel…. Einzelmassnahmen eines Staates haben sofort wieder Einfluss auf die Situation in anderen Staaten.

Als EU-Bauer sah man sich jahrzehntelang mit Überschussproblemen und -vorwürfen konfrontiert, plötzlich scheint alles anders….

Auf diesem Blog zum Stichwort Hunger

Bordeaux en famille

Posted in Patrimoine et architectures by ruedibaumann on April 10, 2008

Ich schätze nicht nur den Wein der so heisst, sondern auch die Stadt an der Garonne. Es sind zwar von uns aus gut 200 km (GPS-unterstützt) bis nach Bordeaux. Aber eine Reise lohnt sich allemal! Jetzt ist die Flaniermeile entlang dem Garonne-Ufer fertig und steht Jung und Alt zur Verfügung. Auch die eleganten Trams ohne das übliche „Stromleitungsgehänk“ wie wir das aus der Schweiz kennen, funktionieren jetzt tadellos wie wir uns selbst überzeugt haben.

Bordeaux

Orchideen-Quiz zum Dritten

Posted in Orchideen by ruedibaumann on April 9, 2008

Die Rehe und Hasen, die Wildschweine und die Dachse sind gefrässig. Sie lieben offenbar die jungen, frischen, knackigen Orchideen-Knospen. Kurz vor dem Aufblühen müssen die wohl besonders munden (sollte man wohl mal selber ausprobieren!). Wie auch immer: die kleinsten Knospen haben die wilden Viecher übersehen. Das heisst aber: bis zur Auflösung der nächsten Quiz-Fragen müssen wir uns jetzt etwas länger gedulden als vorgesehen.