Bodenpreise
In Frankreich herrscht seit langem ein eigentlicher Boom der Immobilienpreise. Gemäss Statistiken sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren zwar unterschiedlich, aber oft zweistellig angestiegen. Jetzt spricht man davon, dass diese Immobilienpreisblase bald einmal platzen könnte.
Auch die Preise für landwirtschaftliches Kulturland sind stark angestiegen. Eine Hektare Ackerland dürfte in unserer Gegend (Midi-Pyrenée) zur Zeit etwa 5000 €, das heisst umgerechnet etwa 80 Rappen pro Quadratmeter kosten. Die Preise in der Schweiz sind bekanntlich etwa zehn mal höher, also etwa acht Schweizerfranken pro Quadratmeter oder 80-100 000 sfr/ha.
Kein Wunder, dass sich in der Schweiz nur noch Multimillionäre einen Bauernhof leisten können. Die vom Bauernverband, grossen Parteien und Regierung gepriesenen Betriebsvergrösserungen könne sich seit Jahrzehnten ohnehin nur noch Baulandbauern leisten. Die in der schweizerischen Agrarpolitik vorgesehene Liberalisierung des bäuerlichen Bodenrechts wird diesen verhängnisvollen Trend nur noch verstärken!
Vergleiche dazu auch die Nationalfonsdudie Nr. 33: Die Einflussfaktoren auf die Bodenpreise in der Landwirtschaftszone, Ruedi Baumann
Frauenquote
In den französischen Parlamenten sind die Frauen katastrophal untervertreten. Der Frauenantei beträgt lediglich 12%, la Grande Nation ist mit diesem peinlichen Umstand in der Länderrangliste irgendwo um Rang 80, gerade nach Zaire, glaube ich.
Dabei hatte man sich schon lange vorgenommen, dass alles besser werden sollte. So wurden die Parteien per Gesetz verpflichtet, auf ihren Wahllisten für Ausgleich zwischen den Geschlechtern zu sorgen. Wenn die 50%- Frauenquote auf den Listen nicht eingehalten wird, müssen die Parteien hohe Bussen bezahlen. Dem Vernehmen nach haben die grossen Parteien Millionenbeiträge an Bussen bezahlt, unter anderen auch die für Gleichberechtigung votierenden Sozialdemokraten… Alles nur um die jahrhundertealte Männerherrschaft zu retten!?
Mit der Wahl von Ségolène Royal zur Staatspräsidentin könnte kurz vor den nächsten Parlamentswahlen im Land von Jeanne d’Arc ein positives Zeichen in Richtung Gleichberechtigung gesetzt weden! Allons-y!
Einkommen
Französische Bauern verdienten 2006 deutlich mehr.
In Frankreich ist das landwirtschaftliche Nettoeinkommen pro selbstständig Erwerbstätigem im Jahr 2006 gegenüber dem Vorjahr real um 14,9 Prozent gestiegen.
Die Zahl geht aus Schätzungen des Ausschusses für landwirtschaftliche Gesamtrechnung hervor, die das Pariser Landwirtschaftsministerium vorgelegt hat. Mit Ausnahme der Weinwirtschaft und der Schafhaltung konnten alle Produktionsbereiche eine positive Einkommensentwicklung verzeichnen, berichtet der Agrarpressedienst Agra-Europe. Die Statistiker führen das Einkommensplus in erster Linie auf höhere Produzentenpreise infolge einer anhaltend günstigen Nachfrage an den Agrarmärkten zurück, wobei sich niedrige Lagerbestände und ein wegen der Dürre niedrigeres Produktionsaufkommen bemerkbar machten (Meldung aus Bauernzeitung).
Da habe ich offenbar etwas falsch gemacht…….
Wahlen
Manchmal reibt man sich, als ausländischer Wahlbeobachter in Frankreich, verwundert die Augen.
Da werden plötzlich kurzfristig Lösungen angekündigt, für Probleme, die seit über zwanzig Jahren bestehen.
Beispiel Obdachlose (SDF):
Eine medial geschickt organisierte Aktion mit roten Zelten inmitten von Paris hat den Staatschef veranlasst, sofort ein einklagbares Recht auf Wohnung (droits opposable) zu lancieren. Und die Regierung verspricht tausende von neuen Wohnungen und Unterkünften und die Clochards verschwinden von der medialen Bildfläche. Werden die Probleme wirklich gelöst?
Beispiel Umwelt (environnement):
Monsieur Hulot, beliebter TV-Mann, verlangt von den politischen Parteien seinen „pacte écologique“ zu unterzeichnen, eine Art ökologischer Forderungskatalog, sonst werde er selber als Kanditat für die Präsidentschaftswahlen antreten. Und die Parteien drängen sich, das Hulot-Papier sofort zu unterschreiben. Ob es der Umwelt nützt?
Beispiel Immigration:
Von Le Pen und seinen rechtsextremen Streitern gegen alles nichtfranzösische hörte man in den letzten fünf Jahren kaum je etwas Substantielles. Aber wenn Wahlen angesagt sind, ist er wieder da und verkündet selbstsicher, er werde wieder wie 2002 soviele Stimmen machen, dass er zu der Stichwahl gegen Ségolène Royal antreten könne. Und weil die Franzosen mit ihrem Stimmzettel am Liebsten immer g e g e n etwas votieren, glauben viele, mit einer Stimme für Le Pen könne man seinen Unmut am Besten dokumentieren.
In der Le Monde vom 8. Januar 2006 wird in einem klugen Leitartikel „le droits au sérieux opposable“ verlangt. Also frei übersetzt so Etwas wie ein einklagbares Recht auf vernünftige Lösungen!
GVO-Mais, Mais OGM
Monsanto mit mehr Umsatz dank Mais
(lid) – „Maissaatgut ist Wachstumstreiber für den US-amerikanischen Saatgut- und Pflanzenschutzkonzern Monsanto. Im 1. Quartal des Geschäftsjahres 2007 hat das Unternehmen mit 1,54 Milliarden US-Dollar fast 10 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahreszeitraum. Obwohl das 1. Quartal normalerweise sowohl bezüglich Umsatz und Marge schwach ist, konnte Monsanto ebenfalls ein Plus beim Nettogewinn verbuchen, wie agrimanager.de berichtet. Monsanto-Chef Hugh Grant betrachtet den Auftakt in das Geschäftsjahr 2007, welches von September 2006 bis August 2007 dauert, als vielversprechend. Wie er am 4. Januar erläuterte, sind in den USA vor allem die dreifach resistenten Maissorten von Monsanto gefragt. Sie verfügen über die Roundup-Resistenz und können sich ausserdem gegen den Maiszünsler und den Maiswurzelbohrer schützen. Insgesamt könnten 35 Prozent des 2007 verkauften Monsanto-Maissaatgutes in den USA (Marken Dekalb und Asgrow) mit diesen Dreifachresistenzen ausgestattet sein. Ausserdem erwartet das Unternehmen, in diesem Jahr von einer wachsenden Maisanbaufläche in den USA profitieren zu können. Im Geschäftsjahr 2006 hatte der Konzern 7,34 Mrd. US-Dollar umgesetzt. Damit war der Umsatz bereits um fast 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.“
Und die Kehrseite der Medaille:
Monokulturen, Verlust Artenvielfalt, Wasserverschmutzung und -verschleiss, Erosion
Allein in Frankreich hat der Maisanbau in den letzten 30 Jahren um 82% zugenommen! Vor allem auf Kosten von artenreichen Wiesen, wie entsprechende Studien beweisen (Solagro et Agreste).
Damit wurde die Artenvielfalt radikal reduziert. Zugenommen hat dafür gleichzeitig der Einsatz von chemischen Stickstoffdüngern, was wiederum zu erheblichen Nitratwerten in den Gewässern führte.
Da der Mais eine konstante Bewässerung erfordert, sind die Wasservorräte in vielen landwirtschaftlichen Regionen stark gesunken und vielerorts mussten Sparprogramme für den Wasserverbrauch erlassen werden.
Weil die Bewässerungsinfrastrukturen auf gewisse Flächen limitiert sind, werden die früher allgemein praktizierten Fruchfolgemassnahmen (rotations des cultures) vernachlässigt, was wiederum zu grössereren Schädlings- und Unkrautproblemen führt. Zudem nimmt die Bodenerosion auf entsprechenden Maisflächen laufend zu. Es gibt in SW-Frankreich zahlreiche Parzellen, auf denen seit zwanzig Jahren nur noch Körnermais angebaut wird!
Schwer verständlich, dass diese umweltschädigenden, bewässerten Monokulturen von der PAC (europäische Agrarpolitik) noch mit besonders hohen Beiträgen gefördert wurden. Letzteres wurde zwar jetzt endlich korrigiert, allerdings profitieren die grossen Ackerbaubetriebe nach wie vor von diesem Raubbau, weil die heutigen Direktzahlungen auf historischen Werten beruhen!
Monsanto und die anderen Saatgutmultis kümmert dies offenbar wenig. Hauptsache, ihr Umsatz und Gewinn steigt!
Jacques Chirac, ein Grüner
„Je me bats pour imposer une organisation mondiale de l’environnement. Le Programme des Nations unies pour l’environnement (PNUE) ou rien du tout, c’est la même chose. Il faut une organisation efficace qui puisse voter des décisions“ sagt Jacques Chirac.
Bravo! Es war ein langer Weg, von den Atombomben- Versuchen im Murarora-Atoll bis zur weltweiten , entscheidungsfähigen UN-Umweltorganisation. Und sie ist ja noch gar nicht geboren. Aber immerhin, unser Président organisiert am 2. und 3. Februar in Paris eine Konferenz die die Gründung einer entsprechenden Organisation zum Ziel hat! Er habe 60 Staatschefs überzeugt, sagt er „un par un, avec les dents!“
Châpeau, monsieur le président!
Echter Lorbeer, Laurier
War das ein würziger Duft den ganzen Tag lang. Ich habe Loorbeer-Stauden/Bäume auf den Stock zurückgeschnitten. Die Lorbeeren wachsen hier sehr kräftig und haben inzwischen eine Höhe von über acht Metern und einen Stammdurchmesser von bis zu 15 cm. Die Erfahrung zeigt, dass auf den Stock zurückgeschnittene Lorbeerstauden nach einem Jahr schon wieder einen kräftigen Busch von einem Meter Höhe bilden. Die immergrünen Lorbeerpflanzen sind sehr konkurrenzstark und können andere Baumarten verdrängen.
Wenn ich jetzt nur wüsste, was ich mit all‘ den Lorbeerblättern machen soll. Das würde ja genügend Loorbeerkränze für die Winter- und Sommerolympiade zusammen ergeben. Oder genügend Lorbeerblätter für Suppen und Saucenbraten für ganz Frankreich.
Wer hat eine Idee, was ich mit dem vielen Lorbeer machen kann?
Bauernpolitik
In Frankreich sind wir in einem Wahljahr. Im April/Mai sind die alles andere in den Schatten stellenden Präsidentschaftswahlen. Im Juni folgen die Parlamentswahlen. Und bereits jetzt im Januar können die Bauern und Bäuerinnen ihre Gewerkschaften (syndicat) wählen. Anders als in der Schweiz haben alle Bauern und Bäuerinnen (auch AusländerInnen) hier das Recht, schriftlich eine zur Wahl stehende Bauernvertretung (Gewerkschaft) zu wählen.
Im wesentlichen stehen für diese Elections aux Chambres d’agriculture drei Bauernverbände zur Auswahl:
1. FNSEA (Féderation national dés société agricole)
Entspricht etwa dem Schweizerischen Bauernverband. Gut bürgerliche Gesinnung. Stehen für eine produzierende (industrielle) Landwirtschaft ein. Gelten als Vertreter der grossen Ackerbaubetriebe. Haben nichts gegen Gentechnologie einzuwenden und haben wenig übrig für biologischen Landbau. Sind aktiv im Exportgewerbe und setzen sich für die Biocarburants ein. Ihre Jugendorganisation JA (Jeunes Agriculteurs) ist vor allem für die Demonstrationen und Aktionen zuständig.
2. Coordination rurale
Kleinere Gewerkschaft. Sind gegen WTO und gegen die Gemeinsame Agrarpolitik der EU (PAC). Wollen höhere Preise und keine Direktzahlungen. Ihnen wird vorgeworfen, es sei einfach gegen alles zu sein, ohne selber Verantwortung zu übernehmen.
3. Confédération Paysanne
Linke, antiliberale Kleinbauerngewerkschaft. Sind aktiv gegen Gentechfood und GVO. Haben viel Medienpräsenz mit ihren OGM-Mais-Mäh-Aktionen. José Bové, ihr früherer Sekretär wollte zusammen mit den Kommunisten in den Präsidentschaftswahlkampf ziehen.
Stehen ein für bäuerliche, biologische Landwirtschaft. Haben viel Unterstützung in städtischen Kreisen.
Positionen der drei Gewerkschaften (aus Sicht der Coodination rurale) Klicken!
Vergleich zur Schweiz:
Die Wahl der Bauernvertreter ist demokratischer als in der Schweiz! Es gibt eine schriftliche Wahl in ganz Frankreich. In der Schweiz werden die regionalen Bauernverbände sehr unterschiedlich bestellt. Faktisch gibt es eine Zwangsmitgliedschaft bein (Gross-) Bauernverband. Einzige Alternative in der Schweiz ist die rührige Kleinbauernorganisation (VKMB). Es gibt keine nationalen, demokratisch organisierten Wahlen. Nichtmitglieder des Bauernverbandes werden diskriminiert. Der Schweizerische Bauernverband ist ein Verband von Interessenorganisationen (Milch, Fleisch, Getreide, Kartoffeln, Zuckerrüben usw.) Die Linken und Grünen haben im Bauernverband nichts zu sagen.
La Poste
Josiane ist unsere Briefträgerin. Jeden Werktag, kurz nach Mittag kommt sie mit ihrem gelben Pöschöli vorbei und bringt uns „Le Monde“ ins Haus, und manchmal Briefe und Postkarten und hin und wieder viel Werbung von Carrefour und Leclerc und Bagi und Weldom und wie sie alle heissen. Und manchmal hat sie Zeit für einen kurzen Schwatz. Selbstverständlich nimmt sie auch Briefe und Pakete mit, die wir selber nicht auf die Poststelle tragen müssen und rechnet dann am nächsten Tag fein säuberlich die Gebühren ab. Service public wird gross geschrieben in der France rurale.
Die Distanz zu unserer Poststelle in Saramon beträgt gut 15 Kilometer. Josiane besucht alle die Einzelhöfe in der Gegend und legt so täglich 130 Kilometer zurück. Für viele ältere Leute auf abgelegenen Bauernhöfen ist sie wohl oft die einzige Besucherin. Schön, dass Frankreich diesen sicher nicht rentablen Betrieb trotz Internet und Mobilkommunikation Aufrecht erhält!
Vive La Poste!



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