Er gab den Kleinbauern eine Stimme
Am 3. April jährt sich der Todestag von René Hochuli, dem Gründer der Kleinbauern-Vereinigung zum zwanzigsten Mal. Er starb mit 53 Jahren an einem Krebsleiden. Sein mutiges Engagement veränderte die schweizerische Agrarpolitik.
Am Samstag 2. Mai 2009 findet im Kultur- und Kongresshaus Aarau die Jahresversammlung der schweizerischen Kleinbauernvereinigung statt (Türöffnung 10.15 Uhr).
Ein Rückblick, um weiter vorwärts zu gehen
René Hochuli führte mit seiner Familie einen Bauernhof in Reitnau, im aargauischen Suhrental. 10 Milchkühe und 20 Muttersauen bildeten die Haupteinnahmequelle, ergänzt durch Kartoffeln und Getreide aus dem Ackerbau. René Hochuli machte als Lokalpoet und im Kampf gegen ein unsinniges Eisenbahnprojekt von sich reden, bevor die Land wirtschaftspolitik sein Leben in Beschlag nahm. Ende der Siebzigerjahre führten Milchschwemmen und Butter berge zur Milchkontingentierung. Gleichzeitig drohte die Indus trialisierung der Eier- und Fleischproduktion durch Tierfabriken. Die Futtermittelimporte aus Übersee stiegen sprunghaft. Das Agrobusiness verschlang einen wachsenden Berg von Bundessubventionen. Immer mehr Bauern wanderten in die Industrie ab. Vom Bauernverband war René Hochuli bitter enttäuscht. Die grossen Bauern sassen am Ruder und waren hungrig, auf Kosten der kleinen Höfe ihre Betriebe zu vergrössern. René Hochuli suchte die Konsumentinnen und Konsumenten als verbündete Kraft für die Kleinbauern. Am besten erreichte er die Bevölkerung über die Massenmedien. TV-Duelle mit den Bundesräten Ernst Brugger und Fritz Honegger sorgten für die schweizweite Bekanntheit des kämpferischen Kleinbauern.
Erster Präsident der Kleinbauern-Vereinigung
Zu hunderten trafen Briefe von Bäuerinnen und Bauern ein, denen René Hochuli im Fernsehen aus dem Herzen gesprochen hatte. Die Gründung der Kleinbauern-Vereinigung war eine Konsequenz daraus, Hochuli wurde 1980 erster Präsident. Die Konflikte mit dem Bauern verband, dem Zentralverband der Milchproduzenten und den Grossmästereien wurden hitzig ausgetragen. In den Medien nutzte Hochuli den Sympathiebonus der Kleinbauern. Er warb für umwelt- und tierfreundliche Landwirtschaft. Dass sich René Hochuli mit Karl Schweri, dem ersten Discounter im Schweizer Detailhandel verbündete, sorgte für böses Blut. Die agrarpolitischen Auseinandersetzungen erreichten mit der Abstimmung über die Kleinbauern- Initiative den Siedepunkt. Nur wenige Zehntelsprozente fehlten für den über raschenden Sieg gegen Bundesrat und Parlament. So oder so löste das Resultat eine politische Schock welle aus. Heute gilt die Abstimmung vom 3.Juni 1989 als Auslöser für die Agrarreform, die zehn Jahre später in einen neuen Bundesverfassungsartikel und in ein neues Landwirtschaftsgesetz mündete.
Der Bauernhof besteht weiter
René Hochuli erlebte den Abstimmungstag nicht. Drei Monate zuvor war er an einem Krebsleiden zuhause in seinem Bauernhaus verstorben. Seine Frau Frieda führte mit den vier Kindern den Betrieb weiter. Heute bewirtschaftet die Nachfolgegeneration den Hof. Susanne Hochuli und ihre Familie haben dem Bauernhof eine Reittherapie angegliedert. Was ist das Vermächtnis von René Hochuli? Otto Piller, ehemals Ständerat für den Kanton Freiburg und persönlicher Freund von René Hochuli, sagt es in einem Satz: «Er gab den kleinen und mittleren Bauern in der schweizerischen Politik eine Stimme. » Otto Piller ist überzeugt, dass die Bauern und Bäuerinnen René Hochuli viel verdanken. Ruedi Baumann, Hochuli’s Nachfolger im Präsidium der Kleinbauern-Vereinigung, sieht das schweizerische Direktzahlungssystem als wichtigstes Resultat der kleinbäuerlichen Vorstösse: «Die Direktzahlungen wären weniger hoch, weniger ökologisch und weniger sozial, wenn René Hochuli und die Kleinbauern-Vereinigung nicht mit Volksinitiativen und Referenden ein gegriffen hätten.»
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