AUSWANDERERBLOG

Preisexplosion bei den Grundnahrungsmitteln

Posted in Politik by ruedibaumann on April 11, 2008

An der Elfenbeinküste, in Burkina Faso, in Senegal, in Haiti, in Mexico sind wegen den stark gestiegenen Weizen-, Mais- und Reispreisen gewalttätige Unruhen ausgebrochen, die zahlreiche Verletzte und Tote zur Folge hatten. In diversen asiatischen Ländern nehmen die Spannungen zu. Die Ärmsten der Armen wehren sich dagegen, dass die Preise ihrer Grundnahrungsmittel innert weniger Monaten explodiert sind und damit für sie Mehl und Brot unerschwinglich geworden ist.
Gemäss der FAO (UNO-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft) sind die Getreidereserven weltweit auf einen beängstigenden, seit einem Vierteljahrhundert nie mehr erlebten Tiefstand gesunken. Die angespannte Situation wird daher nach Ansicht vieler Experten noch lange anhalten.

Jean Ziegler hat heute morgen auf Radio France Inter einmal mehr die jahrelange, katastrophale Politik des Weltwährungsfonds (FMI) für die desastreuse Situation verantwortlich gemacht. Die afrikanischen Staaten seien in kolonialistischer Manier gezwungen worden, für den Export zu produzieren (Kakao, Kaffee usw.), statt die Ernährung der örtlichen Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln sicherzustellen.

In einem differenzierenden Artikel hat „Le Monde“ am 5. April folgende Mittel zur Krisenlimitierung aufgeführt:

Importe erleichtern durch Zollsenkungen (Burkina Faso, Marokko, Indien, Mongolei, Türkei, Brasilien und andere hätten das schon gemacht…)

Exporte limitieren
China, Vietnam, Argentinien, Russland versuchen es durch fiskalische Massnahmen, andere durch Verbote: Egypten, Sambia, Pakistan, Äthiopien…

Produktion steigern
China will die Subventionen an die Bauern erhöhen und die EU hat die seit 1992 bestehende Verpflichtung der Bauern, 10% ihrer Anbaufläche stillzulegen, aufgehoben…

Ich muss zugeben, dass man als französischer Céréalier die massive Getreidepreiserhöhung natürlich sehr begrüsst hat. Jede Medaille hat aber zwei Seiten.

Gar kein Verständnis habe ich hingegen dafür, dass der französische Getreideproduzentenverband nach wie vor in einer landesweiten Plakatkampagne entlang der Nationalstrassen für Agrotreibstoffe aus Weizen, Mais, Soja und Raps wirbt…

Erstaunlich ist ja, dass eigentlich nur kleine Mengen der weltweiten Getreideproduktion auf dem Weltmarkt erscheinen (17,2% Weizen, 12,5% Mais, 7% Reis).

Das heisst aber auch, dass nur multilaterale Lösungen im Rahmen der Weltgemeinschaft möglich sind. Was wir schon als Landwirtschaftsschüler über die Weltagrarmärkte gerlernt haben gilt immer noch: Ein wenig zu wenig ist viel zu wenig, ein wenig zu viel ist viel zu viel…. Einzelmassnahmen eines Staates haben sofort wieder Einfluss auf die Situation in anderen Staaten.

Als EU-Bauer sah man sich jahrzehntelang mit Überschussproblemen und -vorwürfen konfrontiert, plötzlich scheint alles anders….

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  1. Avatar von Unbekannt Henry said, on April 11, 2008 at 1:00 pm

    Mich für mich ist die Spekulation auf Nahrungsmitteln eine der Hauptursachen der momentanen Krise in einigen Ländern. Eine Schliessung von Agrar Rohstoffbörsen würde ich begrüssen. Auf der anderen Seite sollte auch vermehrt die Zunahme der Weltbevölkerung ein Thema sein. Die Spirale, immer mehr produzieren für immer mehr Leute, führt unweigerlich zu Problemen. Wenn es aber noch Dummköpfe gibt die aus Nahrungsmittel Ethanol für die Mobilität herstellen wollen muss man sich nicht wundern wenn sich die Krise in Zukunft noch verschärft. Schlussendlich wird bei den steigenden Energiepreisen auch die Verteilung von Nahrungsmitteln teurer und somit kommt man wieder zur alt bewährten Formel „lokal produzieren, lokal konsumieren“.Henry

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  2. Avatar von Unbekannt ueli said, on April 11, 2008 at 3:00 pm

    so ist es eben: die nahrungsmittel gehen nie zum hunger, sie gehen immer zum geld…

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  3. Avatar von Unbekannt Plüss Heinz said, on April 13, 2008 at 11:14 am

    Ich weiss was ich jetzt sage ist sehr böse. Aber wären die hohen Lebensmittelpreise nicht eine Chance für die Afrikaner, dass sie sich auf die eigene Kraft besinnen und sich von den Hilfswerken befreien. Es müsste doch möglich sein, eine Durststrecke zu überstehen und dann selbst Hand anzulegen und Nahrungsmittel, dort wo es möglich ist, zu produzieren. Wie oben Henry sagt: „Lokal produzieren, lokal Konsumieren“ Es könnten ja alte unmoderne, aber für Afrika geeignete Nahrungsmittel sein. Die übrige Welt müsste nur ihre Hände aus dem Spiel nehemen.Heinz

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