AUSWANDERERBLOG

WTO-Verhandlungen

Posted in Politik by ruedibaumann on Juli 27, 2008

Die sogenannte Doha-Runde im Rahmen der Verhandlungen der Welthandelsorganisation dauert nun schon sieben Jahre. Das eigentliche Ziel war es, die Situation der Entwicklungsländer zu verbessern. Durch eine Liberalisierung des Welthandels (Zollabbau) verspricht man sich gegenseitig wirtschaftliche Vorteile. Es liegt auf der Hand, dass es dabei bei uns wie im Süden Gewinner und Verlierer gibt.

Der vorgesehene Zollabbau für Agrarprodukte (minus 70%) wird den Druck auf die europäische (und schweizerische) Landwirtschaft verstärken. Der Schweizerische Bauernverband spricht davon, dass dadurch die Existenz von 30 bis 50% der Bauernbetriebe gefährdet sei.

Aus meiner Sicht ist dazu folgendes festzuhalten:
1. Es ist heuchlerisch, wenn jetzt der Strukturwandel hin zu grösseren Betrieben beklagt wird. Bauernverbandsvertreter machen ja seit Jahren nichts anderes, als bäuerliche Kleinbetriebe zu benachteiligen, nur um selber wachsen zu können.

2. Der Zollabbau und der damit einhergehende Einkommensverlust für Schweizer Bauern kann sehr wohl über eine entsprechende Ausgestaltung des Direktzahlungssystems aufgefangen werden. Obergrenzen für staatliche Zuschüsse und dafür bessere Berücksichtigung der Klein- und Nebenerwerbsbetriebe wären für die Schweiz und Europa ohnehin erfolgsverprechender. Es ist eine Frage des politischen Willens.

3. Die isolierte Schweiz war als nicht EU-Mitglied bei den entscheidenden Verhandlungsrunden ohnehin nicht mehr am Verhandlungstisch und hat schlussendlich zu akzeptieren, was andere entschieden haben. Erstaunlich, dass die notorischen EU-Gegner, die bei einem EU-Freihandelsvertrag lautstark protestieren, plötzlich sehr kleinlaut geworden sind.

4. Ich bin damit einverstanden, dass es keine Exportsubventionen mehr geben darf welche die Bauern im Süden konkurrenzieren. Aber ich bin skeptisch bezüglich der globalen Arbeitsteilung. Es ist nicht sinnvoll, Nahrungsmittel um den halben Globus zu transportieren, nur um liberalen ökonomischen Prinzipien und Ideologien Rechnung zu tragen. Um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, sollen Entwicklungsländer und wir die eigene Landwirtschaft schützen dürfen.

5. Wichtig ist, dass die Nahrungsmittelproduktion nicht in die Hand einiger weniger privaten multinationaler Saatgut-, Gentech-, Dünger- und Chemiefirmen gerät.

No Responses Yet

Subscribe to comments with RSS.

  1. ueli said, on Juli 28, 2008 at 10:45 am

    zu überlegen wäre noch folgendes:erstens: die nahrungsmittel gehen immer zum geld, nicht zum hungerzweitens: hierzulande verzichten wir auf die landwirtschaft als nahrungsmittelproduzenten und schicken anstelle dessen geld richtung süden. drittens: wer bestimmt, wieviel von diesem geld den bauern dort unten wirklich zukomme? je nach lust und laune der jeweiligen staatschefs ist abzusehen, dass waffen und teure autos zuoberst auf der ’shopping-list‘ stehen werden. (da wären wir mit unserer industrie ja wieder im geschäft…)viertens: unsere landw. überschüsse als folge intensiven handels werden einmal mehr jene konkurrenzieren, denen hätte geholfen werden sollen.fünftens: von ökologie jeder schattierung wollen wir gar nicht erst reden!ueli i.

    Gefällt mir


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: